Noch mehr als 700 freie Ausbildungsplätze: Hat die Leipziger Jugend keinen Bock auf Arbeiten?
Leipzig - In einigen Betrieben hat das neue Ausbildungsjahr vor knapp zwei Wochen begonnen, in anderen geht es in gut zwei Wochen erst los, aber ein Bild zeichnet sich insgesamt bereits ab: Zahlreiche Plätze bleiben unbesetzt.
Laut der Statistik der Agentur für Arbeit Leipzig waren Ende Juli noch 711 Ausbildungsplätze frei.
Das deckt sich auch mit Zahlen, die die "IG Bau Leipzig-Dessau" am Montag in einer Pressemitteilung veröffentlicht hat. Sie verzeichneten unter anderem noch 28 freie Stellen im Baugewerbe und zehn freie Ausbildungsplätze als Maler oder Lackierer.
Auch die IHK zu Leipzig nannte Ende Juli ähnliche Zahlen. In einer Umfrage gaben 39 Prozent der Unternehmen an, dass nicht alle Stellen besetzt werden konnten.
Gleichzeitig meldete die Agentur für Arbeit Leipzig 887 Bewerber, die noch "unterversorgt" waren, also keinen Platz hatten. Dazu kommt, dass rund 75 Prozent der Arbeitslosen unter 25 Jahren keinen Berufsabschluss hat.
Wieso sind trotzdem so viele Stellen unbesetzt?
Viele Bewerber erfüllen die Anforderungen nicht
Die Ursachen sind vielfältig. Laut einer Online-Umfrage der IHK fehlen oft vor allem geeignete Bewerberinnen und Bewerber.
In der Umfrage, die bereits im Mai 2026 an die Firmen verschickt wurde, stellte eine große Mehrheit Defizite in der Ausbildungsreife fest. Mathematik, wirtschaftliches Verständnis, Belastbarkeit und Motivation seien da nur einige Herausforderungen. Gleichzeitig sei aber beispielsweise auch bezahlbarer Wohnraum für Azubis in Leipzig ein Problem.
Wer gern in diesem Jahr noch eine Ausbildung beginnen möchte, hat immer noch Chancen, denn "selbst im Oktober stellen Ausbildungsbetriebe noch ein", so Jörg Oehmigen, Vorsitzender der IG BAU Leipzig-Dessau.
Laut ihm sollen Bewerberinnen und Bewerber mutig auf die Betriebe zugehen und aktiv nachfragen. So könnten Praktika oder auch Ausbildungsplätze herausspringen.
Titelfoto: PR/IG BAU | Florian Göricke

