Make-Over für Marx: Deshalb wird das riesige Leipziger Relief frisch gemacht
Von Birgit Zimmermann
Leipzig - Das riesige Marx-Relief in Leipzig bekommt eine Frischekur - womöglich zum ersten Mal in den gut fünf Jahrzehnten seiner Existenz.
Das Kunstwerk aus Bronze wird derzeit umfassend gereinigt und mit einer schützenden Wachsschicht versehen. Die Wartung kostet rund 50.000 Euro, wie Ingo Fischer, Sachgebietsleiter beim Staatsbetrieb für Immobilien und Baumanagement, sagte. Die Reinigung bezahlt der Freistaat als Besitzer.
Das Bronze-Relief mit dem Titel "Aufbruch" hing bis vor 20 Jahren an einem Universitätsgebäude in der Leipziger Innenstadt. Zentrales Motiv in dem Kunstwerk ist der ungefähr vier Meter große Kopf eines starr nach links blickenden Karl Marx.
Nach dem Abriss des DDR-Baus wurde das Relief auf dem Sportcampus der Hochschule aufgestellt - nach langer, erbittert geführter Diskussion um den richtigen Umgang mit diesem monumentalen Zeugnis des Sozialismus.
"Für uns ist es universitätsgeschichtlich relevant", sagte Rudolf Hiller von Gaertringen, Leiter der Kustodie der Uni Leipzig. Natürlich sei das Werk ideologisch belastet. Der Bau mit dem Marx-Relief ersetzte damals die auf SED-Geheiß gesprengte Universitätsgeschichte St. Pauli. Aber das Kunstwerk sei eben auch Zeitgeschichte. Hiller von Gaertringen ist deswegen froh, dass es jetzt gründlich gepflegt wird.
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Über 200 Quadratmeter Fläche müssen geputzt werden
Das 14,4 mal 6 mal 3 Meter große und 33 Tonnen schwere Kunstwerk ist derzeit eingerüstet. Vier Mitarbeiter der Berliner Firma Haber & Brandner kratzen und schaben an Marx herum. "Es geht darum, schädliche Oxidationsschichten und Schmutzkrusten zu entfernen", sagte die Niederlassungsleiterin der Restaurierungsfirma, Jana Leukert. Die Oberfläche des Reliefs sei sehr rau, da habe sich der Schmutz über die Jahrzehnte ordentlich festgesetzt.
Die Metallrestaurierungsfirma Haber & Brandner hat auch schon die Quadriga auf dem Brandenburger Tor konserviert und zuletzt den Neptunbrunnen nahe dem Roten Rathaus in Berlin. Jedes Objekt sei anders - und deswegen besonders, sagte Leukert.
Durch die Reliefform hat das Kunstwerk viele Ein- und Ausbuchtungen. Daher sei die Reinigungsfläche über 200 Quadratmeter groß. Die Arbeiten werden laut Leukert etwa sechs bis sieben Wochen dauern. "Ziel ist es nicht, die typische schwarz-grüne Patina zu entfernen", erläuterte sie. Wenn am Ende mit Bürsten das schützende Wachs verrieben sein wird, werde das Kunstwerk weniger gräulich sein. "Es wird satter aussehen", sagte Leukert.
Neben der Bauunterhaltungsaufgabe, die die Pflege des Leipziger Marx erfülle, gebe es laut Fischer noch einen weiteren Aspekt: "Es ist kulturhistorisch wichtig, diese Dinge für spätere Generationen zu erhalten."
Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa

