Leipzig - Nach mehr als 8500 Herzoperationen an Kindern und 1500 an Erwachsenen begibt sich der Leipziger Chirurg Prof. Martin Kostelka (68) in den verdienten Ruhestand. Er blickt auf insgesamt 28 Jahre als Chefarzt am Herzzentrum Leipzig zurück.
Eigentlich sollte Prof. Kostelka nur für zwölf Monate am Leipziger Herzzentrum bleiben, als er 1998 in die Messestadt kam. Dieser Plan hat sich dann allerdings geändert: "Ich habe hier ein herausragendes Team vorgefunden. Deshalb bin ich geblieben."
Nicht nur seine Arbeit am OP-Tisch, sondern auch die Ausbildung junger Chirurgen lag ihm während seiner Zeit in Leipzig besonders am Herzen: "Meine chirurgische Schule lebt durch sie weiter."
Da er angeborene Herzfehler operiert, hatte er es in seiner Karriere vorrangig mit sehr jungen Patientinnen und Patienten zu tun - teilweise noch im Säuglingsalter. Eine Geschichte habe ihn dabei besonders berührt, wie er nun zu seinem Abschied berichtet.
So sei er kürzlich von einem jungen Mann besucht worden, welcher vor 16 Jahren von ihm operiert worden war - damals habe der kleine Patient nur drei Kilo gewogen. "Es war damals eine sehr komplexe und schwierige Operation", erinnert sich der Mediziner bis heute. "Nun stand er vor mir, größer als ich, vollkommen fit und kurz vor dem Abitur. (...) Das hat mich sehr berührt."
Ebenfalls niemals vergessen werde Dr. Kostelka demnach die Behandlung eines stark unterkühlten Zweijährigen, welcher zuvor in einem eiskalten Bach vorgefunden und lange reanimiert worden war. "Die Situation erschien nahezu aussichtslos", so der Mediziner. "Aber mithilfe der Herz-Lungen-Maschine konnten wir ihn schrittweise erwärmen und seinen Kreislauf wiederherstellen. Dass der Junge das unbeschadet überlebt hat, grenzt an ein Wunder."
Chefarzt der Leipziger Kinderherzchirurgie: "Habe meinen Beruf zu 101 Prozent gelebt"
"Ich habe meinen Beruf über all die Jahre zu 101 Prozent gelebt. Die Patientinnen und Patienten und die Klinik standen für mich immer an erster Stelle." In seinem Ruhestand wolle sich der 68-Jährige nun aber endlich voll auf seine Familie konzentrieren.
So wolle er in den nächsten Jahren viel reisen, sich ausgiebig seinen Hobbys abseits der Arbeit widmen und den Fokus auf kulturelle Veranstaltungen legen.
Prof. Kostelkas Nachfolge als Leitung der Kinderherzchirurgie wird sein langjähriger Kollege Dr. Marcel Vollroth ab Ende September antreten.
"Ich weiß, dass die Abteilung bei ihm und dem Team bestens aufgehoben ist", zeigt sich der 68-Jährige zuversichtlich.