Leipzig - So etwas hat das Team von Thomas Lukas, wissenschaftlicher Grabungsleiter beim Landesamt für Archäologie Sachsen, auch noch nicht erlebt. Bei Grabungen in Leipzig-Möckern wurde eine menschliche Leiche entdeckt und die ist rund 7000 Jahre alt!
"Ich hätte damit nicht gerechnet. Ich habe einen Tag gebraucht, um das alles zu realisieren", sagte der Wissenschaftler am Mittwoch beim Pressetermin. Seit 20 Jahren arbeitet er nun schon in seinem Beruf, aber menschliche Überreste hat er noch nie gefunden.
"Das war ein bewegender Moment für mich", erklärte er.
Die Stelle galt als sogenanntes archäologisches Relevanzgebiet. Man war also davon ausgegangen, dass man dort etwas finden würde. Dass man eine 7000 Jahre alte Siedlung und das älteste Grab im Stadtgebiet entdecken würde, hätte man allerdings nicht gedacht.
Thomas Lukas sprach von einem "Glücksfall". In den meisten Teilen Sachsens ist der Boden sehr sauer und menschliche Knochen wurden mit der Zeit zersetzt. Gräber konnte man bisher nur anhand von Objekten, die mit ins Grab gelegt wurden, erkennen. Laut Lukas gibt es aus der Zeit generell nur sehr wenige Gräber.
In Leipzig hat man an der Seite eines uralten, rund 30 Meter langen Hausgrundrisses das menschliche Skelett gefunden, das auf der linken Seite mit angezogenen Beinen lag. Das ist typisch für Gräber zu dieser Zeit.
"Dass wir Knochen finden, ist normal. Wir finden relativ viele Schlachtabfälle, aber dann haben wir erkannt, dass es sich um eine eigenständige Probe handelt", erinnerte sich der Grabungsleiter zurück.
DNA-Analyse soll weitere Erkenntnisse bringen
Wer die bestattete Person war, kann man noch nicht genau sagen. "Das ist alles etwas schwierig, da die Erhaltung nicht so super ist. Der tonige Boden lässt uns nur schwer arbeiten", so Thomas Lukas. Im Juli hat das fünfköpfige Team angefangen zu graben. Mitte Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.
Sobald das Skelett vollständig geborgen wurde, sollen die Knochen untersucht werden. Man hofft, dass man noch DNA-Spuren nachweisen kann, denn so könnte man herausfinden, ob es sich bei der Leiche um einen Mann oder eine Frau handelt und wie diese Person aufgewachsen ist.
Was wir schon sicher wissen, ist, dass die Siedlung in die Zeit der Ackerbauern und Viehzüchter fällt. Die Menschen hatten sich den fruchtbaren Boden der Elsteraue zu Nutze gemacht, den Wald gerodet, Häuser gebaut und Tiere gehalten. Das weiß man anhand von Überbleibseln, wie beispielsweise Keramik.
Landesarchäologin Dr. Regina Smolnik betonte die Wichtigkeit solcher Ausgrabungen: "Mittlerweile längst im Stadtraum liegend und seit vielen Jahren überbaut, können selbst dort noch immer wichtige Zeugnisse der vor- und frühgeschichtlichen Besiedlung dokumentiert werden", teilte sie vorab mit.
"Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass wir bei jeder Grabung auf alles gefasst sein müssen", resümierte auch der Grabungsleiter.