Streiken statt Unterricht: Hunderte Schüler demonstrieren in Leipzig gegen Wehrpflicht
Leipzig - Hunderte Schülerinnen und Schüler sind am Freitag wieder auf die Straße gegangen und haben gegen die Pläne der Bundesregierung zur Wiedereinführung der Wehrpflicht demonstriert.
Gegen 12 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung. Zuvor gab es mehrere Zubringerdemos aus verschiedenen Stadtteilen. Die Stadt hatte am Freitagmorgen Verkehrseinschränkungen angekündigt.
Ersten Schätzungen zufolge sollen 500 bis 700 Schülerinnen und Schüler dem Aufruf gefolgt sein. Statt im Unterricht zu lernen, gingen sie auf die Straße.
Mit Plakaten und Bannern machten sie auf ihr Anliegen aufmerksam. Es wurde auch ein Banner mit der Aufschrift "Covenant verpiss dich" hochgehalten, das sich an die bald in Leipzig eröffnende Raketen-Fabrik richtet.
Die sächsische Schulbehörde hatte im Vorfeld erklärt, dass die Schulpflicht weiterhin gilt. Wer an der Demonstration teilgenommen und deswegen unentschuldigt im Unterricht gefehlt hat, muss mit möglichen Konsequenzen rechnen.
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Schüler sprechen von "tiefgreifendem Einschnitt in ihr Leben"
Deutschlandweit wurde heute unter dem Motto "Schulstreik gegen Wehrpflicht" demonstriert. Die Leipziger Gruppe hatte vorab auf Instagram erklärt, dass ihr Protest sich auch gegen die aktuellen Entwicklungen zur Musterung richtet.
Eigentlich sieht das neue Gesetz vor, dass erst ab Sommer 2027 flächendeckend alle jungen Männer - unabhängig davon, ob sie zur Bundeswehr wollen oder nicht - gemustert werden sollen. Laut dem Bundesverteidigungsministerium führt man diese verpflichtenden Musterungen aber teilweise schon seit Juli 2026 durch.
"Der ohnehin tiefgreifende Einschnitt in unser Leben wird noch größer", schrieb die Leipziger Gruppe vorab und sagte weiter: "Das lassen wir nicht mit uns machen. Wir können uns nicht auf den Staat verlassen."
Seit diesem Jahr erhalten alle 18-jährigen Männer und Frauen einen Fragebogen, den die Männer verpflichtend ausfüllen müssen. Die Bundeswehr prüft so ihre Eignung und Motivation. Man wolle beim neuen Wehrdienst "so lange wie möglich" auf Freiwilligkeit setzen.
Falls sich nicht genügend Menschen finden, könnte die sogenannte Bedarfswehrpflicht per Gesetz kommen.
Titelfoto: EHL Media/Björn Stach

