Nach Belästigungsvorwürfen an Uniklinik: Jetzt schlagen Fakultätsmitglieder Alarm
Magdeburg - Die schweren Belästigungs- und Machtmissbrauchsvorwürfe gegen einen Oberarzt der Uniklinik Magdeburg sorgen weiter für Wirbel. Jetzt wächst auch innerhalb der Universität der Druck.
Wie die "Volksstimme" berichtet, haben sich mehrere Mitglieder des Gremiums bereits Mitte Oktober mit einer umfangreichen Anfrage an Uni-Rektor Jens Strackeljan und den Senat gewandt.
Darin wurde deutliche Kritik am bisherigen Umgang mit den Anschuldigungen geübt. Offenbar bestehen erhebliche Zweifel daran, ob die Betroffenen ausreichend geschützt und ihre Beschwerden gründlich untersucht wurden.
Hintergrund sind die schweren Vorwürfe gegen einen leitenden Oberarzt der Neurochirurgie. Drei Assistenzärztinnen und ein Assistenzarzt hatten von jahrelanger Schikane, Machtmissbrauch und sexuellen Übergriffen berichtet.
Der Oberarzt soll einen Mediziner beim Umziehen fotografiert und die Bilder anschließend einer Kollegin gezeigt haben. Eine junge Ärztin wurde zudem aufgefordert, ihm ihre Tattoos und Piercings am Körper zu zeigen. Einem weiteren Kollegen soll er wissenschaftliche Forschungsergebnisse gestohlen und als seine eigenen ausgegeben haben.
Der beschuldigte Oberarzt bestreitet sämtliche Anschuldigungen. Über seinen Anwalt sprach er von einer "Rufmordkampagne".
Wurden Beschwerden nicht ernst genug genommen?
Die mutmaßlichen Geschädigten sollen sich bereits an verschiedene zuständige Stellen gewandt haben. Eine daraufhin eingeleitete interne Untersuchung bestätigte die Vorwürfe allerdings nicht.
Damit sei die Sache für die Betroffenen jedoch längst nicht geklärt. Sie werfen den Verantwortlichen vor, wichtige Beteiligte bei der Untersuchung nicht ausreichend einbezogen zu haben.
Besonders dreist: Nach den ersten Beschwerden soll innerhalb der Klinik versucht worden sein, die betroffenen Mitarbeitenden gezielt in ein schlechtes Licht zu rücken.
Zudem seien sie später auch vom Klinikbetrieb ausgeschlossen worden. Inzwischen arbeitet keiner der vier Mediziner mehr an der Uniklinik. Die Mitglieder des Fakultätsrats verlangen daher eine unabhängige Kommission, die auch die bestehenden Schutzmechanismen innerhalb der Universitätsmedizin unter die Lupe nehmen soll.
Außerdem fordern sie, dass die Ergebnisse der Untersuchung unter anderem dem Senat, dem Fakultätsrat, der Ärztekammer und den Betroffenen zugänglich gemacht werden.
Uni-Rektor sieht Grenzen bei der Aufklärung
Die Vorwürfe beschäftigen mittlerweile auch die Universitätsspitze. Allerdings kann diese nicht einfach selbst in die Ermittlungen eingreifen. Der Grund: Die Klinik ist rechtlich eigenständig und damit selbst für die Untersuchung der Anschuldigungen verantwortlich. Dafür wurde bereits eine Anwaltskanzlei aus Hamburg eingeschaltet.
Uni-Rektor Strackeljan will dennoch Konsequenzen ziehen. Eine neue Arbeitsgruppe werde sich damit beschäftigen, wie Mitarbeiter künftig besser geschützt werden können.
Ob die laufende Untersuchung auch Folgen für den beschuldigten Oberarzt haben wird, ist derzeit noch unklar.
Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

