Sexuelle Belästigung, Machtmissbrauch und heimliche Fotos: Schwere Vorwürfe gegen Oberarzt in Magdeburg
Magdeburg - Derzeit werden schwere Vorwürfe gegen einen leitenden Mediziner des Magdeburger Uniklinikums erhoben. Ehemalige Assistenzärzte beschuldigen den Oberarzt, Kollegen über Jahre erniedrigt und sexuell belästigt zu haben.
Besonders heftig ist der Fall eines ehemaligen Assistenzarztes. Der beschuldigte Mediziner soll ihn laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" beim Umziehen in einer Umkleide fotografiert und die Aufnahmen später einer Kollegin gezeigt haben. Dabei wurde immer wieder der Körper des abgebildeten Mannes kommentiert.
Der betroffene Assistenzarzt soll sich demnach gegen den Vorfall nur schwer gewehrt haben, da der Beschuldigte sein leitender Oberarzt und Doktorvater gewesen sei.
Auch im OP soll der Mediziner keinen Halt gemacht haben. In einem weiteren Fall geht es dem Bericht zufolge um eine Assistenzärztin, die während einer Operation von dem Oberarzt immer wieder an der Brust berührt wurde. Er sei ihr dabei so nahegekommen, dass sie sich während des Eingriffs nur schwer auf ihre Arbeit konzentrieren konnte, heißt es weiter.
Einer jungen Medizinerin soll der Mann zudem nahegelegt haben, ihm Stellen ihres Körpers mit Tattoos oder Piercings zu zeigen. Außerdem habe er sie aufgefordert, ihm sexuell eindeutige "Memes" zu schicken. Einer anderen Ärztin soll er ungefragt von seinem Sexualleben erzählt haben.
Oberarzt soll Teile wissenschaftlicher Arbeit geklaut haben
Der Oberarzt soll als Doktorvater zudem Teile der Arbeit des fotografierten Assistenzarztes für sich selbst verwendet haben. Die Beschwerden mehrerer Angestellter landeten im Herbst 2025 bei der Klinikleitung. Zunächst wurde der Fall intern im Rahmen eines Compliance-Verfahrens untersucht. Nach Angaben der "Volksstimme" wurde der beschuldigte Oberarzt jedoch von den Vorwürfen entlastet.
Die Anschuldigungen werden von dem Mediziner zurückgewiesen. Über seinen Anwalt spricht er von einer "Rufmordkampagne" und "frei erfundenen Verdächtigungen". Er hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen die Beschwerdeführer gestellt.
Universitätsmedizin Magdeburg äußert sich zu Vorwürfen
Inzwischen hat sich auch die Unimedizin selbst zu den Vorwürfen geäußert. In einem Statement auf Instagram heißt es, man nehme die Anschuldigungen und die damit verbundenen Fragen "sehr ernst".
Die Unimedizin betont zugleich, für "ein respektvolles, tolerantes und offenes Arbeitsumfeld" zu stehen. Um den Fall umfassend und unabhängig aufzuklären, wurde eine externe Anwaltskanzlei mit der Prüfung beauftragt.
Das Ergebnis steht noch aus. Die Prüfung solle sowohl der ergebnisoffenen Aufklärung als auch dem Schutz der Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten dienen.
Auch die Ärztekammer Sachsen-Anhalt beschäftigt sich inzwischen mit dem Fall und hat nach eigenen Angaben ein berufsrechtliches Prüfverfahren eingeleitet.
Titelfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

