Rentner schmuggeln Drogen um die halbe Welt und wollen von nichts wissen

Lissabon (Portugal)/Havanna (Kuba) - Ein britisches Paar ließ sich Kreuzfahrten bezahlen und transportierte im Gegenzug angeblich leere Koffer um die halbe Welt. Doch dem war nicht so.

Mit solchen Schiffen fanden die Kreuzfahrten statt (Symbolbild).
Mit solchen Schiffen fanden die Kreuzfahrten statt (Symbolbild).  © Carmen Jaspersen/dpa

Roger (72) und seine Frau Susan Clarke (71) sollen seit dem Jahr 2017 auf mehreren Kreuzfahrten kofferweise Kokain von Zentralamerika nach Europa geschmuggelt haben.

Nach Angaben der beiden Eheleute, die sie gegenüber der Polizei in Portugal getätigt haben, soll ein Mann namens Lee auf sie zugekommen sein. Er soll sich bereit erklärt haben, die insgesamt rund 20.000 Euro teuren Kreuzfahrten zu bezahlen, berichtet die britische Zeitung The Sun.

Dafür, so die beiden, sollten sie lediglich ein paar leere Koffer von den zentralamerikanischen Inseln Kuba, St. Maarten, Antigua und Barbados nach Europa überführen.

Roger und Susan soll dabei nichts komisch vorgekommen sein.

Sie freuten sich über das Angebot, da sie von knapp 1.000 Euro im Monat leben mussten und sich diese teuren Kreuzfahrten sonst nicht leisten konnten, weiß Sun zu berichten.

Ermittler hefteten sich allerdings auf der letzten Kreuzfahrt im März dieses Jahres besonders nah an die Fersen des älteren Paares. Sie fuhren die Kreuzfahrt mit, um das Pärchen ganz genau beobachteten zu können.

Hohe Haftstrafe droht: eigenes Tagebuch schuld

In Koffern soll das Kokain geschmuggelt worden sein (Symbolbilder).
In Koffern soll das Kokain geschmuggelt worden sein (Symbolbilder).  © Federico Gambarini/dpa, EUROPOL/KEYSTONE/dpa

Normalerweise hätten die Ermittler sie nur für die letzte Reise belangen können, da die Beweise für Schmuggel bei vorherigen Kreuzfahrten nicht ausreichten.

Jedoch sind komplett alle Touren aufgeflogen und nun vor Gericht gelandet, weil die beiden ein sehr detailliertes Tagebuch führten, wo sie nicht nur jeden Stopp notierten, sondern auch ganz genau aufschrieben, was dort passierte.

Das Tagebuch wurde auch beim Prozess am heutigen Dienstag in Lissabon verlesen.

In einem portugiesischen Polizeibericht soll deshalb zu lesen sein, dass "kein Zweifel besteht, dass Roger und Susan Clarke während zweier Reisen im Jahr 2017 und einer im Jahr 2018 Kontakt zu Drogenhandelsorganisationen hatten."

Sie sollen demnach auch in südamerikanische Länder gebracht worden sein, die Erfahrung mit dem Drogenhandel nach Europa haben.

"Während sie ihre erste Reise Anfang 2017 mit dem Flugzeug unternahmen, traten sie nachfolgende Reisen mit Kreuzfahrtschiffen an. Dies ermöglichte es ihnen, eine größere Menge an Drogen mitzunehmen", soll im portugiesischen Polizeibericht stehen, weiß The Sun.

Seit ihrer Verhaftung im März sitzen Roger und Susan nun in Haft.Eine Gefängnisstrafe von bis zu 12 Jahren steht im Raum. Vermutlich werden die beiden Eheleute diese anfechten, berichtet die britische Zeitung.

Drogenschmuggel auf hoher See führte schon einmal ins Gefängnis

Bereits im Jahr 2004 wurden die beiden Briten in Norwegen verhaftet. Auf mindestens 16 Drogenschmuggel-Reisen sollen sie damals in 15 Monaten Cannabis für insgesamt über eine Million Euro geschmuggelt haben, berichtet der Mirror. Roger saß dafür für fünf Jahre und Susan für drei Jahre und neun Monate ein.

The Sun berichtet ebenfalls von Drogenschmuggel während einer Norwegen-Kreuzfahrt im Jahr 2010. Allein auf dieser Tour sollen die beiden 240 Kilogramm Haschisch transportiert haben.

Trotz all diesen Indizien streiten sie gerade in Lissabon alles ab und wollen nichts von dem Kokain in den Koffern gewusst haben. Ein Urteil steht zurzeit noch aus.

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