Ansturm auf Dresdner JVA: Darum wollten so viele Sachsen freiwillig in den Knast

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Von Thomas Staudt, Stefan Häßler

Dresden - Das Interesse am "Tag der offenen Tür" in der Justizvollzugsanstalt Dresden am Wochenende war rekordverdächtig. Aber warum wollen so viele Sachsen unbedingt in den Knast?

Auf dem Gefängnishof konnten die Besucher Fahrzeuge für den Gefangenentransport in Augenschein nehmen.
Auf dem Gefängnishof konnten die Besucher Fahrzeuge für den Gefangenentransport in Augenschein nehmen.  © Stefan Häßler

Ein Blick in die knasteigene Polsterei, Gefangenentransportfahrzeuge zum Anfassen auf dem Gefängnishof, dann weiter zu den Zellen, die hochoffiziell "Hafträume" heißen, und zum Abschluss in den Besucherbereich mit Einzelbesuchsräumen, Familienzimmern und einem sogenannten Trennscheibenraum. Dieses Angebot in der JVA Dresden wollten sich am Samstag 278 Besucher, aufgeteilt in zehn Gruppen, nicht entgehen lassen.

Irre, denn eigentlich will ja niemand wirklich freiwillig in den Knast. TAG24 wollte deshalb von den Besuchern wissen, was sie dorthin treibt. Die Antworten fielen fast erwartungsgemäß heterogen aus (siehe unten).

Die angeführten Gründe reichen von reiner Neugier bis hin zu einem ausgeprägten beruflichen Interesse. Manch einer wollte einfach nur mal sehen, wo er unter Garantie niemals landen möchte.

Die Unterbringung in der Justizvollzugsanstalt Dresden erfolgt in der Regel in Einzelhafträumen mit einer Größe von rund elf Quadratmetern.
Die Unterbringung in der Justizvollzugsanstalt Dresden erfolgt in der Regel in Einzelhafträumen mit einer Größe von rund elf Quadratmetern.  © Stefan Häßler
Das ist die Grundausstattung, die jeder Gefangene bei Einzug in seine Zelle erhält. Mehr gibt's nicht.
Das ist die Grundausstattung, die jeder Gefangene bei Einzug in seine Zelle erhält. Mehr gibt's nicht.  © Stefan Häßler
In der hauseigenen Polstereiwerkstatt konnten sich die Besucher ein Bild vom Arbeitsalltag der Gefangenen machen.
In der hauseigenen Polstereiwerkstatt konnten sich die Besucher ein Bild vom Arbeitsalltag der Gefangenen machen.  © Stefan Häßler
735 Gefangene sind aktuell in der Justizvollzugsanstalt Dresden untergebracht.
735 Gefangene sind aktuell in der Justizvollzugsanstalt Dresden untergebracht.  © Stefan Häßler

735 Gefangene sind etwa wegen Diebstahls oder Körperverletzung in der JVA untergebracht

Selbstverständlich war Anstaltsleiterin Rebecca Stange (45) am Samstag auch vor Ort.
Selbstverständlich war Anstaltsleiterin Rebecca Stange (45) am Samstag auch vor Ort.  © Stefan Häßler

Eigentlich war das Interesse an der Besichtigungstour noch deutlich größer. "Wir hatten insgesamt 545 Personen, die sich für eine Führung angemeldet haben und darüber hinaus noch eine Reihe direkter Anfragen", sagte Sprecherin Anja Rücker.

Mehr als die zehn Touren seien aber aus organisatorischen Gründen nicht machbar gewesen. Für 2028 plane die Leitung aber eine Neuauflage des Angebots, so Rücker.

Übrigens: Derzeit sind 735 Gefangene etwa wegen Diebstahls, Unterschlagung, und Körperverletzung in der JVA untergebracht - 223 Untersuchungsgefangene, 494 Strafgefangene und 18 Personen in Zivilhaft.

Den Mitarbeitern begegneten die Besucher natürlich schon, den Gefangenen allerdings nicht.

Besucher-Umfrage

Rico Fröhner: "Mich treibt die Neugier! Man fährt oft dran vorbei und macht sich so seine Vorstellungen, jetzt wage ich mal den Blick hinter die Mauern."

Rico Fröhner
Rico Fröhner  © Stefan Häßler

Uwe: "Na ich war einfach mal neugierig, wie das mit der Unterbringung wirklich aussieht. Sehr interessant."

Uwe
Uwe  © Stefan Häßler

Anna-Maria Biener: "Mein Interesse liegt beim Recht, habe Praktika bei Anwälten und im Gericht gemacht. Und nun, da ich 16 bin, darf ich an dieser Führung teilnehmen."

Anna-Maria Biener
Anna-Maria Biener  © Stefan Häßler
Andreas Kraetzel
Andreas Kraetzel  © Stefan Häßler

Andreas Kraetzel: "Ich gucke mir an, wo ich nicht hin will, und bin schon das zweite Mal dabei. Waldheim habe ich mir auch schon angesehen. Gott sei Dank bin ich draußen!"

Titelfoto: Fotomontage: Stefan Häßler