"Warnung aus Gewaltmilieu": Vermissten-Fall wird immer mysteriöser

Rezan Cakici wurde von seinem Vater als vermisst gemeldet. Am 3. Juli wurde er das letzte Mal gesehen.
Rezan Cakici wurde von seinem Vater als vermisst gemeldet. Am 3. Juli wurde er das letzte Mal gesehen.  © Polizei Oldenburg

Bielefeld/Bremen - Seit Anfang Juli wird der ehemalige Rocker Rezan Cakici (29), der 2014 bei den "Nomads Turkey Bielefeld", einer Untergruppe der Hells Angels, rausgeworfen wurde, vermisst (TAG24 berichtete). Jetzt wird der Fall immer mysteriöser und gewalttätiger.

Nur wenige Wochen nach dem Verschwinden des 29-Jährigen wurde dessen 65-jähriger Onkel in einem Oldenburger Geschäftsgebäude erschossen. Der 38-jährige Tatverdächtige wurde noch am Tatort festgenommen. Mittlerweile wurde Anklage gegen ihn erhoben. Im Januar muss er sich vor Gericht verantworten.

Doch in der Rocker-Szene hat der Vermisste weitere Feinde. Wie er selbst in einem Video, das am 13. August 2014 veröffentlicht wurde, erzählt, wurde er wegen seiner politischen Haltung bei den "Nomads Turkey Bielefeld" rausgeworfen. Auf Facebook bezog er regelmäßig Stellung gegen den IS und für Kurden.

Die Gewalt-Exzesse rund um Rakici und nahe Angehörige haben nach dem Mord an dessen Onkel anscheinend nicht geendet. Stattdessen nehmen sie mittlerweile ganz neue Formen an.

Wie die Polizei bereits am 7. November berichtete, explodierte in der Nacht zu jenem Dienstag eine Handgranate an einem VW Passat in Bremen-Vahr. Erst waren die Hintergründe der Tat offen.

Zuletzt gab es in Bremen, wo auch der Cakici-Clan vertreten ist, eine Explosion an einem Auto. Steht sie im Zusammenhang mit dem Verschwinden des 29-Jährigen?
Zuletzt gab es in Bremen, wo auch der Cakici-Clan vertreten ist, eine Explosion an einem Auto. Steht sie im Zusammenhang mit dem Verschwinden des 29-Jährigen?  © Polizei Oldenburg

Nach ersten Ermittlungen prüft die Polizei Zusammenhänge zwischen der Sprengstoffexplosion und dem verschwundenen Rezan Cakici!

"Die Erstbewertung dieser Sprengstoffexplosion hat bei Beurteilung des Ortes und der Uhrzeit ergeben, dass es sich möglicherweise um eine 'Warnung aus dem Gewaltmilieu' und nicht um eine gezielte Tötungsabsicht einer Person handeln könnte", so die Polizei.

Es lägen momentan aber keine konkreten Hinweise vor, dass es zu weiteren Gewalttaten kommen solle. "Die Polizei Bremen wird aufgrund dieser Sicherheitslage aktuell neben den strafrechtlichen Ermittlungen an möglichen Gefahrenorten zur Gefahrenabwehr verstärkte Präsenzmaßnahmen und bei Verdacht gezielte Kontrollen vornehmen."

Bekannt ist laut verschiedenen Medien, dass ein Großteil des Rakici-Clans in Bremen ansässig ist. Auch der Vermisste selbst war dort bekannt. Ob er lediglich untergetaucht oder sogar tot ist, ist weiterhin unklar.

Wem galt die Handgranate? Aktuell lässt sich darüber nur spekulieren: Angeblich, so taz.de, sei auch der Cousin Cakicis in die Türkei abgehauen. Bevor er sich den Hells Angels zuwandte, gehörte er dem Rocker-Club "Bandidos" an.

Nach dem Verschwinden des 29-Jährigen sorgte auch dessen 60-jähriger Vater, der ihn als vermisst meldete, für viel Wirbel. Für Unbeteiligte soll laut Polizei keine Gefahr bestehen.

Titelfoto: Polizei Oldenburg


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