Zoff am Olympia-Stützpunkt: Schwere Vorwürfe gegen Eisschnelllauftrainer

Chemnitz - Zerstört ein Eislauftrainer am Olympiastützpunkt Chemnitz die Karrieren junger Sportlerinnen? Den Vorwurf erheben die Eltern von Babett Unger (16) aus Crimmitschau und Sarah König (13, Chemnitz). Trainer Harald Harnisch (40) sieht sich zu Unrecht am Pranger: "Ihre Leistungskurven sind zu Ende. Das wollen die Eltern nicht verstehen."

Wehrt sich gegen Kritik: Eisschnelllauftrainer Harald Harnisch.
Wehrt sich gegen Kritik: Eisschnelllauftrainer Harald Harnisch.  © Toni Stöll

Am Olympiastützpunkt Chemnitz unterrichten drei Trainer rund 50 junge Eisschnellläufer. Das Ziel: Olympia. Doch nur die Besten kommen so weit.

Anke Unger (53) und Manuela König (48) finden: Ihre Töchter waren auf einem guten Weg. Den habe Harald Harnisch zerstört. Anke Unger: "Er bestand bei Babett auf die falsche Schuhmarke, sorgte durch Trainingsfehler für eine Verletzung, mobbte sie und sortierte sie aus - obwohl sich meine Tochter wieder an die Spitze herangekämpft hatte."

Ähnliche Vorwürfe erhebt Manuela König: "Der Trainer behandelt seine Sportler wie Boxsäcke. Er beschimpft sie, demütigt sie. Wir ziehen deshalb von Chemnitz nach Dresden, damit Sarah weiter trainieren kann."

Harald Harnisch nennt die Vorwürfe "eine Schlammschlacht". Er sagt: "Für Sarah waren die Leistungsvorgaben zu viel. Und bei Babett ist die Leistungskurve zu Ende. Schade, aber so ist das im Leistungssport. Nur die Eltern wollen das nicht wahrhaben." Rückendeckung erhält der Trainer durch Heiko Schinkitz (62), Koordinator am Olympiastützpunkt: "Harnisch liefert trainingsmethodisch solide Arbeit."

Die Beschwerden der Eltern erreichten den Spitzenverband, die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft. Sportdirektor Matthias Kulik (35) ist alarmiert: "Wir werden alle Beteiligten an einen Tisch bringen. Natürlich ist ein Trainer gefordert, im Leistungssport zu selektieren. Aber der Eisschnelllauf in Chemnitz darf keinen Schaden nehmen."

Trainingswissenschaftler Heiko Schinkitz arbeitet am Olympiastützpunkt.
Trainingswissenschaftler Heiko Schinkitz arbeitet am Olympiastützpunkt.  © Uwe Meinhold
Enttäuscht: Eisschnellläuferin Babett Unger (16) mit Vater Ralf (54).
Enttäuscht: Eisschnellläuferin Babett Unger (16) mit Vater Ralf (54).  © Kristin Schmidt
Da war die Welt noch in Ordnung: Eislauftalent Sarah König 2014 mit Superstar Claudia Pechstein.
Da war die Welt noch in Ordnung: Eislauftalent Sarah König 2014 mit Superstar Claudia Pechstein.  © dpa/Daniel Naupold
Heftige Vorwürfe gegen einen Eisschnelllauftrainer gibt es von zwei Familien.
Heftige Vorwürfe gegen einen Eisschnelllauftrainer gibt es von zwei Familien.  © Kristin Schmidt

Titelfoto: Kristin Schmidt

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