Farb-Geheimnis des Blauen Wunders gelüftet

Dresden - Die Loschwitzer Brücke wurde als "Blaues Wunder" im Volksmund berühmt. Doch bis heute hält sich das Gerücht, dass die gusseiserne Elbquerung zwischen Blasewitz und Loschwitz nie einen richtigen blauen Anstrich erhalten hatte. Jetzt entdeckte eine Restauratorin nach aufwendiger Suche endlich die Ur-Farbe.

Grau, türkis, grün oder blau: War das Blaue Wunder jemals wirklich blau?
Grau, türkis, grün oder blau: War das Blaue Wunder jemals wirklich blau?  © Juliane Jacobs

Grau, türkis, grün oder blau? Tatsächlich schimmert das Blaue Wunder heute in verschiedenen Farbtönen. Auch darum hört man immer wieder, dass unser Wahrzeichen nie wirklich blau gewesen sei.

Nur wieso erhielt sie dann ihren volkstümlichen Namen, nachdem sie 1893 als eine der ersten Hängebrücken Europas ohne Strompfeiler im Fluss eröffnet wurde?

Da die Stadt bei der geplanten Sanierung des Denkmals die historische Farbe nutzen will, schickte sie Metallrestauratorin Annegret Michel vom Landesamt für Denkmalpflege auf die Brücke.

"Meine Aufgabe war es, die Originalfarbe zu finden. Dafür bin wochenlang auf der ganzen Brücke herumgeturnt", sagt die Restauratorin. Mit einem Skalpell kratzte sie Materialproben ab, analysierte sie im Labor.

"Ich fand bis zu zehn Farbschichten übereinander. Teils wurde über rostende Stellen einfach drübergestrichen. Auch beim letzten für uns nachweisbaren Anstrich 1984 ging die Farbe aus, wurde mit einer anderen weitergestrichen."

Restauratorin stößt auf originale Farbe

Metallrestauratorin Annegret Michel untersucht am Mikroskop einen historischen Pfeiler der Turmbekrönung.
Metallrestauratorin Annegret Michel untersucht am Mikroskop einen historischen Pfeiler der Turmbekrönung.  © Petra Hornig

Schließlich wurde sie fündig. "Die originale Farbe ist nur noch an wenigen Stellen vorhanden."

An einer Wendeltreppe in einem Brückenpfeiler fand sie die historische Farbe, ebenso wie in einem Pfeiler der Turmbekrönung.

Mit Laboranalysen konnte ein Querschliff der Farbfassung erstellt werden, dank historischer Farbpigmente der genaue Blauton bestimmt werden. Hatten die historischen Quellen also Recht?

So schrieb eine Dresdner Tageszeitung am 12. Juli 1893 von einem Anstrich im "hellblauen Farbenton." Auch auf einer Elbethaler-Münze von 1893 heißt es "Blaues Wunder".

Das historische Blau der Brücke und weitere Schätze des Landesamtes können Sie morgen am Tag des offenen Denkmals erstmals öffentlich sehen: Im Ständehaus (Schloßplatz 1) von 11 bis 17 Uhr, Eintritt frei.

Als der Übergang noch Maut kostete

Wer das Blaue Wunder passieren wollte, musste um 1910 wurde noch ein Brückengeld zahlen.
Wer das Blaue Wunder passieren wollte, musste um 1910 wurde noch ein Brückengeld zahlen.  © Sammlung H. Naumann

Das Blaue Wunder (147 Meter Spannweite) verbindet Schillerplatz und Körnerplatz, wurde nach Plänen des Bauingenieurs Claus Koepcke (1831-1911) errichtet.

1891 bis 1893 erbaut, wurde es bis 1912 „König-Albert-Brücke“ genannt, galt als technisches Wunderwerk.

Die Baukosten betrugen rund 2,25 Millionen Mark. Um diese wieder reinzuholen, wurde bis 1921 ein "Brückengeld" verlangt: Fußgänger, Radler und Straßenbahnfahrgäste mussten fürs Passieren jeweils 2 Pfennig zahlen, Pferde und Esel kosteten sogar 10 Pfennig.

Wer mit einem Kraftfahrzeug fuhr, musste bis 1924 noch 20 Pfennig blechen.

Aktuell wird der Fußweg mit Geländer erneuert. Die geplante mehrjährige Generalsanierung verzögerte sich zuletzt jedoch, da die Finanzierung (27 Millionen Euro) wackelt. Ein Starttermin ist weiterhin nicht in Sicht.

Die historische Aufnahme zeigt Arbeiter am Brückenanker auf der Blasewitzer Seite.
Die historische Aufnahme zeigt Arbeiter am Brückenanker auf der Blasewitzer Seite.  © Repro: Petra Hornig

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