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Aussteigerin berichtet: "Die Zeugen Jehovas haben mir meine Familie genommen"

Sophie Jones (23) aus Leipzig über ihren Ausstieg bei den Zeugen Jehovas

Sophie Jones (23) ist bei den Zeugen Jehovas aufgewachsen. Sie berichtet von Einsamkeit, dem Missbrauch durch ihre Mutter und dem langen Weg aus der Sekte.

Von Saskia Weck

Sachsen - Sophie Jones' Leben wurde ihr von den Zeugen Jehovas gestohlen. Ihre gesamte Jugend verbrachte die 23-jährige Sächsin in der Sekte. Durch ihren mutigen Schritt, die religiöse Gemeinschaft zu verlassen, versucht sie nun, sich Schritt für Schritt ein neues Leben aufzubauen. Gleichzeitig will sie anderen Aussteigern und all jenen, die es werden wollen, auf ihrem Weg begleiten.

Sophie Jones' (23) Jugend war alles andere als einfach. Heute kann die junge Frau wieder lachen.
Sophie Jones' (23) Jugend war alles andere als einfach. Heute kann die junge Frau wieder lachen.

Im Jahr 2006 wurden die Zeugen Jehovas gerichtlich als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Sophie Jones sieht das kritisch, lenkt ihrer Meinung nach diese öffentliche Legitimierung der Religionsgemeinschaft von den sektenähnlichen Zuständen hinter den Fassaden ab. Ihr selbst wurde nicht nur die Familie genommen, sondern auch ihre Freiheit sowie eine normale Jugend und Schulzeit.

Sophie wuchs mit ihren Eltern in der Nähe von Zwickau (Sachsen) auf. Sowohl Vater als auch Mutter waren Mitglieder bei den Zeugen Jehovas und integrierten die Tochter in der Religionsgemeinschaft. Dort fand Sophie Freunde, mit denen sie in ihrer Freizeit gemeinsam musizierte oder grillte. Zu diesen Zusammenkünften waren Nicht-Mitglieder nicht erwünscht. „Andere Jugendliche waren 'schlechter Umgang'“, erzählt die heute 23-Jährige im Gespräch mit TAG24. Wie eingefahren die Gemeinschaft gewesen ist, merkte sie aber erst mit zunehmenden Alter.

Sophie ging auf eine normale staatliche Schule. Dort durfte sie nicht den Religionsunterricht besuchen, sich im Sport nicht an Kampfsportarten beteiligen, keine Weihnachtslieder singen. So lauteten die Regeln der Zeugen Jehovas. „Die Lehrer haben oft nicht verstanden, warum ich den Unterrichtsstoff verweigert habe.“ Geburtstage feierte Sophie – entgegen ihrer Klassenkameraden – nicht. „Ich wurde dann oft angesprochen und gefragt 'Warum feierst du deinen Geburtstag denn gar nicht?' Ich wusste es selbst nicht so genau.

Während ihrer Teenagerjahre fand sie auch den ein oder anderen Jungen in ihrer Klasse interessant, doch nie hätte sie es gewagt, etwas mit jemandem außerhalb der Zeugen Jehovas anzufangen. Stattdessen ging sie brav zum Predigtdienst und spielte Flöte im Orchester der Kirche. „Man durfte mit niemandem vom anderen Geschlecht allein sein. Ich hatte dann eine Art Beziehung mit einem Dienstamtgehilfen, aber so richtig ernst nehmen konnte ich das nicht. Es hat sich angefühlt, als sei es arrangiert“, so Sophie.

Wenn sich ein Junge aus der Schule mit der bildhübschen Sächsin treffen wollte, schob sie immer Gründe vor, warum das nicht ginge, da sie der Gemeinde gegenüber Schuldgefühle hatte. Sex vor der Ehe? Bei den Zeugen Jehovas ausgeschlossen. „Man bleibt zusammen, bis einer stirbt oder fremdgeht. Wenn man dann ins Paradies kommt, stehen beide auf und sind wieder verheiratet“, erklärt die Sächsin.

Als sie 10 Jahre alt war, trennten sich Sophies Eltern. Doch Scheidung wird bei den Zeugen Jehovas nicht gerne gesehen. „Es gab ja keinen biblischen Scheidungsgrund wie Hurerei oder Tod“, erzählt sie. Also wurde Sophies Vater darum gebeten, die Gemeinde zu verlassen. Das ist eine Beschönigung für das, was wirklich vorfiel: Sophies Vater wurde von den Gläubigen verstoßen. Obwohl er jahrelang alles für die Gemeinschaft getan und geglaubt hatte, mit den Gemeindemitgliedern befreundet zu sein, wurde ihm der Kontakt verwehrt. Auch zu seiner Tochter.

„Ich wohnte bei meiner Mutter, wollte aber immer zu meinem Vater ziehen. Doch der war von da an 'schlechter Umgang'“, erinnert sich die 23-Jährige. „Das habe ich nicht gut verkraftet. Wenn Gott doch ein Gott der Liebe ist und er die Familie geschaffen hat, warum darf man dann keinen Kontakt zu ausgeschlossenen Familienmitgliedern haben? In der Bibel steht, man soll seine Eltern ehren. Was ist das für eine Ehre, wenn ich meinen eigenen Vater auf der Straße treffe und dann nicht einmal richtig 'Hallo' sagen darf?“

Doch Sophie wollte nach eigenen Aussagen „Gott gefallen“, weshalb sie bei ihrer Mutter blieb. „Mit ihr kam ich aber gar nicht klar.“ Ihre Mutter erzog Sophie ganz nach dem Prinzip: „Wer sein Kind liebt, der züchtigt es.“ Um ihr „die Dämonen auszutreiben“, schlug Sophies Mutter sie. „Mit 16 bin ich ausgezogen.“ Zwei Jahre später trat Sophie aus der Glaubensgemeinschaft aus. „Ich habe gewartet, bis ich volljährig bin, damit ich die Zustimmung meiner Mutter nicht einholen muss. Religionsmündig ist man eigentlich ab 14. Es ging mir eher um rechtliche Sachen wie die Wohnung, damit ich nicht mehr an meine Mutter gebunden bin.“

Da lebte sie schon seit über zwei Jahren in der Nähe von Leipzig. Dort absolvierte sie eine Ausbildung und genoss die Ruhe in ihrer eigenen Wohnung. Zu den Zeugen Jehovas brach sie den Kontakt völlig ab. Auch zu ihrer Mutter, die mittlerweile wieder verheiratet ist.

Die 23-Jährige lebt und arbeitet seit einigen Jahren bei Leipzig.
Die 23-Jährige lebt und arbeitet seit einigen Jahren bei Leipzig.

Doch obwohl Sophie nun eigentlich ihre neugewonnene Freiheit hätte genießen können, waren die Regeln, die ihr jahrelang eingebläut wurden, nach wie vor in ihren Gedanken. „Ich hatte immer Schuldgefühle. Alles, was verboten war, fand ich reizvoll. Ich fing an ab und zu zu rauchen, einfach nur so, aus Protest. Doch die erste Zeit hatte ich immer Angst, dass mich jemand dabei sieht, deswegen habe ich mich im Wald versteckt, wenn ich mir eine Zigarette angesteckt habe. Ich war total paranoid und litt unter Verfolgungswahn. Es dauerte nach dem Ausstieg mindestens ein Jahr, bis ich alles machen konnte, was ich will, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.“

Ihren Geburtstag feiert Sophie Jones jetzt jedes Jahr mit einer Freundin unter Palmen. Gezwungenermaßen fährt die 23-Jährige zu ihrem Ehrentag in den Urlaub. „Mit wem soll ich denn eine Party feiern? Meine Familie fehlt ja. Ich bin nicht so glücklich an dem Tag. Genauso wenig wie an Weihnachten. Ich hatte noch nie einen Baum zu Hause stehen und die Bräuche sind mir unklar. Die Zeugen Jehovas haben mir meine Familie genommen.“

Doch Sophie hat eine Mission: „Als ich ausstieg, habe ich mich weltfremd gefühlt. Mit meinen Artikeln und Videos arbeite ich meine Vergangenheit auf. Ich will nicht, dass sich jemand sein Leben so verbaut, wie ich es getan habe. Anderen zu helfen hilft mir, mit dem, was geschehen ist, abschließen zu können. Die Menschen sollen aus meinen Fehlern lernen und verstehen, dass die Leute, die da an der Tür klingeln, nicht so harmlos sind. Die Gesellschaft sollte die Zeugen Jehovas nicht einfach so tolerieren. Die Menschen in den Gemeinden haben keine theologische Ausbildung genossen. Das sind Bauarbeiter, Zahnärzte – niemanden interessiert es, was sie gelernt haben. Und diese Leute maßen sich an, über das Leben anderer zu urteilen!“

Sophie Jones hilft in dem Verein JW Opfer Hilfe mit und spricht in YouTube-Videos über ihre Erfahrungen. Rächen will sie sich nicht für das, was geschehen ist. „Die Zeugen Jehovas sagen ja selbst immer 'Gott regelt das'“, schmunzelt sie.

Fotos: Saskia Weck, privat

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