Droht die Erde bald zu verbrennen? Forscher warnen vor gewaltiger Hitzephase

Von Simone Humml

Corvallis (USA)/Potsdam - Ein internationales Forscherteam warnt eindringlich vor einer beschleunigten Erderwärmung, die zu einer dauerhaften Hitzephase führen könnte.

Seit rund 11.700 Jahren ist das Klima vergleichsweise stabil, was die Entstehung vieler Ökosysteme erst möglich machte. (Symbolfoto)
Seit rund 11.700 Jahren ist das Klima vergleichsweise stabil, was die Entstehung vieler Ökosysteme erst möglich machte. (Symbolfoto)  © -/Theundertow Ocean & Divers for Climate/AAP/dpa

"Das Klima der Erde entfernt sich gerade von den stabilen Bedingungen, die die menschliche Zivilisation über Jahrtausende hinweg getragen haben", heißt es im Fachjournal "One Earth". Mehrere Teile des Erdsystems könnten bereits näher an einer Destabilisierung sein als angenommen.

Die Forschenden zeigen das Zusammenspiel der Faktoren, das die Erde in ein sogenanntes Hothouse verwandeln könnte - eine für den Menschen gefährliche, dauerhafte Heißphase.

Werde dieser Pfad einmal beschritten, lasse er sich kaum noch stoppen, schreibt das Team um William Ripple von der Oregon State University in Corvallis.

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Zu den Mitgliedern zählen der frühere und ein aktueller Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber (75) und Johan Rockström (60). Sie sehen aber noch ein kurzes Zeitfenster zum Gegensteuern.

Um die Bedingungen zu bewahren, wurde im Klimaabkommen von Paris vereinbart, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Bereits in zahlreichen Regionen herrscht Dürre, eine extreme Hitze und Wassermangel. (Symbolfoto)
Bereits in zahlreichen Regionen herrscht Dürre, eine extreme Hitze und Wassermangel. (Symbolfoto)  © 123RF/tongpatong321

Bereits 2024 lag die Erderwärmung rund 1,5 Grad über dem gewünschten Wert

Ein Teil des jüngsten Temperaturanstiegs sei auf den Rückgang der Aerosole zurückzuführen - wie etwa Ruß. Dieser habe möglicherweise Einfluss auf die Wolken, die dann weniger Sonnenlicht ins All abstrahlen. (Symbolfoto)
Ein Teil des jüngsten Temperaturanstiegs sei auf den Rückgang der Aerosole zurückzuführen - wie etwa Ruß. Dieser habe möglicherweise Einfluss auf die Wolken, die dann weniger Sonnenlicht ins All abstrahlen. (Symbolfoto)  © Ramon Espinosa/AP/dpa

Für zwölf Monate hintereinander seien die 1,5 Grad Erwärmung bereits im Jahr 2024 überschritten gewesen - einhergehend mit Hitzerekorden, Waldbränden, Überschwemmungen und anderen Extremen.

Viele Klimamodelle hätten einen späteren Zeitpunkt vorhergesagt, was unterstreiche, wie rasch der Klimawandel voranschreite, schreibt das Team.

"Die Überschreitung von Temperaturgrenzen wird üblicherweise anhand von 20-Jahres-Durchschnitten bewertet", sagte Co-Autor Christopher Wolf von den Terrestrial Ecosystems Research Associates (Tera) in Corvallis (Oregon/USA).

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Doch der jüngste zwölfmonatige Überschreitungszeitraum könne darauf hindeuten, dass auch der langfristige durchschnittliche Temperaturanstieg bereits bei oder nahe 1,5 Grad liege.

Wenn sich das Klima verändert, könne es verstärkende Rückkopplungen geben, die das Risiko einer beschleunigten Erwärmung erhöhen.

Trotz der guten Anpassungsgabe vieler Tiere fehlt dennoch ein wichtiger Bestandteil - Trinkwasser. (Symbolfoto)
Trotz der guten Anpassungsgabe vieler Tiere fehlt dennoch ein wichtiger Bestandteil - Trinkwasser. (Symbolfoto)  © 123rf/schan

Experten sind sich sicher, dass der derzeitige Klimaschutz unzureichend ist

Der grönländische Eisschild zeige bereits Anzeichen von Destabilisierung und sei wahrscheinlich anfällig für ein Kippen bei einer Erwärmung zwischen 0,8 und 3,4 Grad Celsius. (Symbolfoto)
Der grönländische Eisschild zeige bereits Anzeichen von Destabilisierung und sei wahrscheinlich anfällig für ein Kippen bei einer Erwärmung zwischen 0,8 und 3,4 Grad Celsius. (Symbolfoto)  © Steffen Trumpf/dpa

Zunehmende Hinweise deuteten darauf hin, dass viele Kippelemente nach dem Überschreiten bestimmter Schwellen eine sich selbst verstärkende Erwärmung auslösen könnten, die die Erde in Richtung Hothouse treibe, erklärte Rockström.

Kippelemente können sich abrupt und dann unaufhaltsam verändern, sobald kritische Temperaturschwellen überschritten werden. Für einige könnte das Kippen bereits im Gange sein oder in naher Zukunft eintreten, schreibt das Team.

Dazu zähle: das Schmelzen des grönländischen und des westantarktischen Eisschilds, der auftauende Permafrost in den nördlichen Wäldern der Erde, schmelzende Gebirgsgletscher sowie das Sterben von Teilen des Amazonas-Regenwaldes.

Solche Prozesse könnten die globalen Temperaturen weiter erhöhen, den Meeresspiegelanstieg beschleunigen, gewaltige Kohlenstoffspeicher freisetzen und Ökosysteme destabilisieren.

Auch wenn das genaue Risiko für die Kipppunkte ungewiss sei, sei klar, dass die derzeitigen politischen Klimaschutzzusagen - die uns auf einen Pfad von etwa 2,8 Grad maximaler Erwärmung bis zum Jahr 2100 bringen - unzureichend seien und deutlich mehr Klimaschutz erforderlich machten.

Titelfoto: Fotomontage/Ramon Espinosa/AP/dpa/123RF/schan/Steffen Trumpf/dpa

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