Grünen-Spitzenkandidatin besorgt um Hitze-Opfer: "Riesiges Problem"
Magdeburg - 40,5 Grad bedeuteten am 30. Juli 2026 den heißesten Juli-Tag Sachsen-Anhalts aller Zeiten. Zuvor war mit 41,8 Grad im Jerichower Land Ende Juni ein neuer Allzeit-Hitzekord aufgestellt worden. Flüsse wie die Elbe führen aufgrund ausbleibender Niederschläge Niedrigwasser. TAG24 hat mit Grünen-Politikerin Susan Sziborra-Seidlitz (48) über die Hitze der vergangenen Wochen und deren Folgen gesprochen.
"Zuallererst mache ich mir Sorgen. Ich mache mir Sorgen um die Menschen, die in der Hitze sterben, die durch Hitze krank werden. Als Krankenschwester kenne ich das aus dem Krankenhaus von Hitzephasen", berichtet die gelernte Krankenpflegerin von eigenen Erfahrungen mit extremen Temperaturen.
"Und mir werden auch Fälle berichtet von Senioren, die ins Krankenhaus kommen mit Fieber, und dann ist es das Zimmer im Seniorenheim, in dem es viel zu heiß wird wenn draußen solche Temperaturen sind", schildert die Spitzenkandidatin des Landes Sachsen-Anhalt bedrückende Klinik-Erlebnisse.
Schwer treffe der Klimawandel auch die heimischen Landwirte.
"Auch um unsere Landwirtschaft mache ich mir natürlich Sorgen. Die Ernten bei Weizen, Raps und Karotten brechen gerade massiv ein", schlägt die 48-Jährige auch wegen der Landwirtschaft Alarm.
TAG24 wollte von der Grünen-Politikerin wissen, was passiert, wenn man in den nächsten etwa 25 Jahren nicht die Hitze-Notbremse zieht.
"Es gibt Kipppunkte beim Klima, die bei einem weiteren Temperaturanstieg erreicht werden. Dann gäbe es kein Zurück in die frühere Normalität mehr. Das müssen wir als Menschheit unbedingt verhindern. Deshalb ist es auch so problematisch, dass wir inzwischen so weit weg vom 1,5 Grad-Pfad sind", spielt Sziborra-Seidlitz auf das im Pariser Klimaabkommen von 2015 angepeilte Ziel an, den menschengemachten globalen Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen.
"Wenn es uns nicht gelingt, möglichst dicht an diesen Pfad zurückzukommen, dann werden wir diese Kipppunkte erreichen und dann wird sich das Klima dauerhaft massiv verändern", verdeutlicht die grüne Spitzenkandidatin, dass sich die Menschheit auf einem gefährlichen Weg befindet.
Klimaneutral bis 2035: Grünen-Politikerin sieht Sachsen-Anhalt gut aufgestellt
Während Deutschland anstrebt, bis 2045 klimaneutral zu werden, will die Politikerin dies in Sachsen-Anhalt wegen der "Dringlichkeit der Klimakrise" schon bis 2035 schaffen.
"Sachsen-Anhalt hat besonders gute Voraussetzungen im Bereich der Energieerzeugung", sieht sie sehr gute Voraussetzungen in ihrem Bundesland, das bei den erneuerbaren Energien noch immer führend sei.
"Wir haben viel Sonne, wir haben viel Wind, wir haben die Technologie hier", zählt Sziborra-Seidlitz verschiedene Vorzüge des Standorts Sachsen-Anhalt auf.
Windparks im Wald müssten es ihrer Ansicht nach deshalb nicht geben.
Aufgrund von Hitze und Trockenheit habe sich jedoch in manchen Regionen der Borkenkäfer ausgebreitet. Womöglich könne Windenergie dort genutzt werden, "wo mal Forst war, der durch die Borkenkäfer nicht mehr da ist".
Für Landwirte könnten auch Photovoltaik-Anlagen "sinnvoll" sein.
Titelfoto: Ralf Seegers

