Klettern statt beten: Wie Kirchen neu genutzt werden

Köln – Ungenutzte Gebäude drücken auf die Finanzen der Kirchen. Für eine neue Nutzung der Kirchenräume gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wie man sakrale Räume kreativ neu erfinden kann, zeigen fünf Beispiele aus Nordrhein-Westfalen.

Kletterhalle

In St. Peter in Mönchengladbach geht es hoch hinaus, denn die Kirche ist im Jahr 2009 zu einer Kletterhalle umgebaut worden. Damals entdeckte Geschäftsführerin Simone Laube das Gebäude zufällig. Nach anfänglicher Skepsis der Gemeinde überzeugte Laubes Plan. In ihrer neuen Gestalt ist die Halle jetzt auch ein sozialer Treffpunkt für Familien geworden.

Die Kirchengemeinde überließ den Kletterern das Gebäude in Erbpacht. Sollte die Kirche das Gebäude doch wieder benötigen, könnten die Umbauten rückgängig gemacht werden. Bis dahin können sich Groß und Klein auf einer Fläche von 1300 Quadratmetern austoben. Bis zu 13 Meter hoch sind die Kletterwände.

Die ehemalige Pfarrkirche St. Peter wurde zu einer Kletterkirche umgebaut.
Die ehemalige Pfarrkirche St. Peter wurde zu einer Kletterkirche umgebaut.  © Roland Weihrauch/dpa

Turnhalle

Die Münsteraner Kirche St. Elisabeth ist 2014 als Turnhalle der benachbarten Montessorischule wieder eröffnet worden. "Wir konnten die Halle also sehr gut gebrauchen", erzählt Eva Grindel, Mitglied der Schulleitung. Jetzt findet hier der Sportunterricht von der ersten bis zur zehnten Klasse statt.

Umziehen können sich die Schüler in den ehemaligen Seitenschiffen. "Es ist eben Sportunterricht in einem besonders schönen Ambiente", sagt Grindel.

Seit 2014 wird die umgbaute Elisabethkirche in Münster als Sporthalle genutzt.
Seit 2014 wird die umgbaute Elisabethkirche in Münster als Sporthalle genutzt.  © Carolin Koschitzki/dpa

Kulturzentrum mit Tango

Die Kirche St. Helena in Bonn wird seit 1999 als sogenannter "Dialograum" neu genutzt. In dem Gebäude finden nun kulturelle Veranstaltungen statt – von Fotoausstellungen über Konzerte bis hin zu Klanginstallationen. Getragen wird das Konzept von einem eigens dafür gegründeten Verein, in dem Kulturfreunde verschiedenster Glaubensrichtungen Mitglied sind. Bis zu 100 Veranstaltungen organisiert der Verein jedes Jahr in St. Helena.

Ein besonderes Ereignis ist dabei der Tangoabend, der an jedem letzten Sonntag im Monat stattfindet. Begleitet von DJs oder einer Liveband tanzen die Tangopaare dann durch den sakralen Raum.

© 123rf/Gema Ibarra

Wohnhaus

Nach einer Gemeindefusion wurde die Kirche St. Maria Königin in Dülmen 2008 geschlossen. Die Heilig-Geist-Stiftung ließ in dem Gebäude barrierefreie Wohnungen für Senioren einbauen. Auf zwei Etagen entstanden 15 Mietwohnungen mit einer Größe von je 47 bis 66 Quadratmetern. Die ersten Bewohner konnten 2012 in die "Kirchwohnungen" einziehen, im selben Jahr gewann das Projekt den Landespreis für Architektur-, Wohnungs- und Städtebau.

Der Kirchturm wurde beim Umbau erhalten, dort entstand ein Gemeinschaftsbereich für die Bewohner. Auch die alte Kapelle wurde erhalten. Sie wird weiter von der Gemeinde genutzt.

In einer ehemaligen Kirche in Dülmen sind Kirchwohnungen entstanden.
In einer ehemaligen Kirche in Dülmen sind Kirchwohnungen entstanden.  © Guido Kirchner/dpa

Stadtteilzentrum

Aus der Friedenskirche im Bochumer Westend ist ein Stadtteilzentrum mit dem Namen "Q1" geworden. Seit 2015 dient das Gebäude als Treffpunkt des Viertels. Die Trägerschaft teilen sich die evangelische Kirchengemeinde und der Bochumer Verein für multikulturelle Kinder- und Jugendhilfe und Migrationsarbeit Ifak.

Im Eingang des Gebäudes ist ein Café mit offener Küche eingerichtet worden. In einem anderen Teil des Hauses hat eine Künstlerin ihr Atelier eingerichtet. Der alte Altarraum ist als Andachtsraum erhalten worden. Der Raum dürfe von allen genutzt werden, die einen Ort der Stille suchten. So gebe es auch einige muslimische Besucher, die dort hin und wieder ihre Gebete verrichten.

© 123rf/Dusan Zidar

Titelfoto: Roland Weihrauch/dpa


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