Eine Landmarke fällt: Großes Finale beim Abriss des AKW-Kühlturms in Mühlheim-Kärlich

Mülheim-Kärlich - Erst wurde der Kühlturm des ehemaligen AKW Mülheim-Kärlich mühsam Stück für Stück abgetragen. Nun geht es zum großen Finale ganz schnell. Am Freitag soll die Betonkonstruktion zusammensacken.

Ein ferngesteuerter Bagger knabbert an der Betonkonstruktion.
Ein ferngesteuerter Bagger knabbert an der Betonkonstruktion.  © DPA

Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für das geplante Ende des einst mehr als 160 Meter hohen Kühlturms des früheren Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich.

Der große Tag wird der Freitag (9. August) sein: Voraussichtlich ab 14 Uhr wird ein ferngesteuerter Bagger gezielt mehrere Stützen am unteren Ende des Baus entfernen, bis die derzeit noch rund 80 Meter hohe Betonkonstruktion in sich zusammenstürzt.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) haben ihr Kommen angekündigt.

Sollte alles wie vorgesehen funktionieren, wird am Freitag am späten Nachmittag der jahrzehntelang das Neuwieder Becken nördlich von Koblenz dominierende Turm verschwunden sein. Er war einmal höher als der rund 90 Kilometer weiter nördlich stehende Kölner Dom.

Das Atomkraftwerk vor beginn der Abrissarbeiten (Archivbild).
Das Atomkraftwerk vor beginn der Abrissarbeiten (Archivbild).  © DPA

Eine Sprengung braucht es am Kühlturm in Mülheim-Kärlich nicht, wie die Sprecherin des Eigners RWE, Dagmar Butz, erklärt. Dafür sei der Turm "vorgeschwächt" worden. An mehreren Stellen wurden Schlitze in die Betonschale gesägt, der letzte Schnitt erfolgte am Montag.

Am Freitag wird der Bagger dann mindestens acht Stützen am Boden wegnehmen, auf denen der Turm ruht. Bei der neunten oder zehnten dürfte das Konstrukt der RWE zufolge dann fallen. Insgesamt steht der Turm auf 72 Stützen, angeordnet in 36 v-förmigen Paaren.

Rund 80 Meter an Turmhöhe hatte in den vergangenen Monaten bereits ein eigens dafür konstruiertes Gerät von oben weg entfernt. Es handelte sich um einen ferngesteuerten Abrissroboter.

Der sollte eigentlich schon 2017 seine Arbeit aufnehmen, letztlich drehte er dann ab Juni 2018 auf der Turmkrone langsam seine Runden und knabberte mit einer Zange samt Zacken Beton ab.

Nach dem Kühlturm-Sturz werden noch weiterer Gebäude des Kraftwerks abgebaut (Archivbild).
Nach dem Kühlturm-Sturz werden noch weiterer Gebäude des Kraftwerks abgebaut (Archivbild).  © DPA

Anfangs hieß es, der Turm könnte Ende 2018 verschwunden sein. Nun sind es ein paar Monate mehr geworden. Unter dem Strich habe sich das Verfahren trotz einiger Anlaufschwierigkeiten bewährt, bilanzierte RWE-Sprecherin Butz. Bis zum Boden konnte sich der Abrissroboter aber nicht vorarbeiten - vor allem, weil die Neigung des Baus zu groß geworden war.

Damit sich beim Einsturz am Freitag die Staubentwicklung einigermaßen in Grenzen hält, wird am Boden des Turms liegendes Abbruchmaterial kräftig gewässert. Per Laser wird bis Freitag auch jede Bewegung der Turm-Konstruktion registriert.

Mit dem Sturz des Turms nimmt der seit 2004 laufende Rückbau des AKW am Rheinufer eine entscheidende Hürde. Für den veranschlagt RWE rund eine Milliarde Euro. Komplett abgeschlossen sein dürfte der wohl erst in einem Jahrzehnt. Am Netz war das einst umgerechnet 3,5 Milliarden Euro teure Werk nur 13 Monate lang. 1988 ging es nach einer Verfügung des Bundesverwaltungsgerichts außer Betrieb. Bei den Planungen war die Erdbebengefahr nicht ausreichend berücksichtigt worden.

In weiteren Gebäuden des Kraftwerks, darunter der Reaktorraum, geht der Rückbau auch nach dem Kühlturm-Sturz weiter. An der Fassade des Kühlturms hatte einst ein Falke seinen Horst. Das Tier wurde schon vor Jahren umgesiedelt - und zwar auf einen Funkmast in der Nähe.

Titelfoto: DPA


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