Ohne Brille besser sehen: Einfache Übungen können dem Auge helfen!

Deutschland - Einen Augenfehler durch Sehtraining wie einen Muskelkater wegzutrainieren und damit eine Brille überflüssig zu machen - davon träumen viele. Für selbsternannte "Augentrainer" ist es sogar ein Geschäftsmodell.

"Gutes Sehen bedeutet gesteigerte Lebensqualität": Dr. Fabian Magerl (45), Landesgeschäftsführer der BARMER in Sachsen.
"Gutes Sehen bedeutet gesteigerte Lebensqualität": Dr. Fabian Magerl (45), Landesgeschäftsführer der BARMER in Sachsen.  © Paul Kuchel/PYKADO PHOTOGRAPHY

Der Berufsverband der Augenärzte ist skeptisch und verweist darauf, dass die allermeisten Fehlsichtigkeiten ein genetischer "Baufehler" des Auges sind: "Das ist dann so, als würde man die Schuhgröße trainieren wollen."

Die BARMER übernimmt als erste gesetzliche Krankenkasse die Kosten einer Therapie, wenn bei Kindern eine funktionelle Sehschwäche vorliegt.

"Die kleinen Patienten können mit der 'App auf Rezept' am heimischen Computer ihr schwaches Auge gezielt spielerisch und mit Spaß trainieren", erklärt Dr. Fabian Magerl (45), Landesgeschäftsführer der BARMER in Sachsen.

Erwachsenen helfen Entspannungsübungen gegen überlastete Augen - vor allem, wenn Stress die Kurzsichtigkeit verstärkt.

Leichte Mittel, um die Augen fit und gesund zu halten

"Office-Eye"-Syndrom (Büro-Auge): In Deutschland leiden 40 von 100 Menschen, die täglich länger als drei Stunden vor dem Rechner sitzen, unter Augenbeschwerden.
"Office-Eye"-Syndrom (Büro-Auge): In Deutschland leiden 40 von 100 Menschen, die täglich länger als drei Stunden vor dem Rechner sitzen, unter Augenbeschwerden.  © 123RF

Fernblick: Wer lange in die Nähe, auf Bildschirme und Displays starrt, sollte ab und zu aufblicken und in die Ferne sehen.

"Empfehlenswert ist es dann, einfach mal aus dem Fenster zu schauen, auf den Baum und die vom Wind bewegten Blätter, die fahrenden Autos oder vorübergehenden Menschen“, empfiehlt Dr. Fabian Magerl.

"Eine Augen-Erholzeit von fünf bis zehn Minuten nach einer Arbeitszeit von einer bis zwei Stunden unterstützt die Entspannung der Augen."

Blinzeln: Bei längerer Bildschirmarbeit können die Augen austrocknen. Bewusstes, schnelles Blinzeln sorgt für Feuchtigkeit.

Gähnen: Auch durch Gähnen, bei dem man die Augen zusammenkneift, werden die Augen mit Tränenflüssigkeit versorgt. Zudem entspannt Gähnen die Gesichtsmuskulatur und steigert die Sauerstoffzufuhr.

Mythen und Märchenüber Augen & Sehen

Sich mit Karotten die Brille förmlich wegzuknabbern, das funktioniert leider nicht: Die allermeisten Fehlsichtigkeiten kommen nicht durch einen Mangel an Vitamin A.
Sich mit Karotten die Brille förmlich wegzuknabbern, das funktioniert leider nicht: Die allermeisten Fehlsichtigkeiten kommen nicht durch einen Mangel an Vitamin A.  © 123RF/Larry Ratt
  • Im Dunkeln lesen verdirbt die Augen.

Jein! Bei Kindern kann das Auge in die Länge wachsen und dadurch kurzsichtig werden, wenn sie mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen. Erwachsene strengt das zwar an, ist aber unproblematisch.

  • Brille tragen macht die Augen schlechter.

Nein. Eine Brille hat keinerlei Einfluss auf die Sehfähigkeit. Weder werden die Augen dadurch schlechter noch besser.

  • Die Augen können beim Schielen stehen bleiben, wenn man erschreckt wird.

Entwarnung: Beim absichtlichen Schielen drehen die Muskeln, die auch für die normalen Augenbewegungen zuständig sind, den Augapfel zur Seite. Auch wenn man sich erschrickt, können diese Muskeln nicht dauerhaft verkrampfen.

  • Möhren sind gut für die Augen.

Nein, Möhren können leider keine Sehfehler korrigieren. Die Annahme kommt wohl daher, dass Vitamin A (steckt übrigens auch in Spinat, Grünkohl und Feldsalat) einer Austrocknung der Hornhaut und einer Nachtblindheit vorbeugen kann.

  • Mit Kontaktlinsen soll man nicht schlafen.

Stimmt und gilt übrigens auch für den Mittagsschlaf. Durch mangelnden Austausch von Tränenflüssigkeit können sich besonders bei weichen Kontaktlinsen Mikroorganismen vermehrt anheften, die bei offenen Augen sonst über den Tränenkanal herausgespült werden. Das Infektionsrisiko erhöht sich um das 6,5-fache.

  • Die Kontaktlinse kann hinters Auge rutschen.

Anatomisch unmöglich. Sie kann sich schlechtestenfalls zum Beispiel durch Augenreiben an den Lidrand verirren, aber niemals hinters Auge verschwinden.

  • Durch Laserpointer kann man blind werden.

Ja, leider. Laserlicht kann die Netzhaut verbrennen und dauerhaft zerstören - unheilbar für jeden Augenarzt.

Wer schlecht sieht, fährt volles Risiko

Es gibt zwar kein Gesetz, das vorschreibt, wie oft Autofahrer zum Sehtest müssen. Wer wegen Sehproblemen einen Unfall baut, trägt aber eine Mitschuld.
Es gibt zwar kein Gesetz, das vorschreibt, wie oft Autofahrer zum Sehtest müssen. Wer wegen Sehproblemen einen Unfall baut, trägt aber eine Mitschuld.  © 123RF

Sind Deine Augen noch fit genug für den Straßenverkehr?

Der Berufsverband der Augenärzte schätzt, dass jährlich 300.000 Verkehrsunfälle auf schlechtes Sehen zurückzuführen sind. Doch außer als Berufskraftfahrer muss man nur einmal im Leben einen Sehtest machen - im Rahmen der Fahrerlaubnisprüfung.

Doch wer schlecht sieht oder seine Brille nicht aufsetzt, den trifft bei Unfällen eine Mitschuld. Denn eine Mindestsehschärfe von 70 Prozent ist Pflicht, um laut Fahrerlaubnisverordnung fahrtüchtig zu sein. Du solltest einen Augenarzt einschalten, wenn Du...

  • Verkehrszeichen, Personen und Fahrzeuge erst spät erkennst oder unscharf siehst.
  • Fahrzeuge scheinbar aus dem Nichts auftauchen siehst.
  • Gefahrensituationen erst im letzten Moment wahrnimmst.
  • nachts deutlich schlechter als am Tag siehst.
  • Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge stark blenden.
  • beim Autofahren Kopfschmerzen bekommst, ständig gähnen musst und Deine Augen tränen oder schmerzen.
  • über akute Sehstörungen wie Augenflimmern, Lichtblitze oder Doppelbilder klagst.

So findest Du die richtige Brille

Damit man bei der Brillenauswahl beim Optiker nicht den Durchblick verliert: Was ist wirklich wichtig für gutes Sehen und was nur überflüssiger, teurer Luxus?
Damit man bei der Brillenauswahl beim Optiker nicht den Durchblick verliert: Was ist wirklich wichtig für gutes Sehen und was nur überflüssiger, teurer Luxus?  © 123RF/Andrey N. Cherkasov

Nach unseren Tests hast Du festgestellt, dass Du eine (neue) Brille brauchst? Doch muss sie unbedingt entspiegelt und getönt sein, welche Veredelungen sind wirklich sinnvoll?

"Eine Entspiegelungsschicht sorgt oft für weniger Kopfschmerzen", sagt Augen-Experte Dr. Wolfgang Wesemann (65). "Zusätzliche Funktionen wie eine Selbsttönung oder ein Blaufilter sind jedoch nicht zwingend erforderlich."

Kunststoffgläser sind erheblich leichter als Gläser aus echtem Glas, aber bei Weitem nicht so kratzfest. Sie sollten deshalb gehärtet werden (Härtelack-Überzug). Polarisierende Gläser blocken Reflexionen durch Wasser oder Schnee ab. Vorteil: blendfreies, kontrastreicheres und verbessertes Farbsehen - sinnvoll für Autofahrer und Wassersportler.

Noch ein Tipp: Man sollte möglichst vormittags zum Optiker gegen, wenn die Augen noch entspannt sind. "Wenn die Augen nach stundenlanger Computerarbeit verkrampft sind, werden manchmal falsche Werte für die Brillengläser ermittelt", warnt Dr. Wesemann.

Brille oder Kontaktlinsen?

Kontaktlinsen eignen sich in vielen Fällen, bergen aber auch Risiken.
Kontaktlinsen eignen sich in vielen Fällen, bergen aber auch Risiken.  © 123rf/Lukas Gojda

Jedes zehnte Kind in Deutschland hat eine Sehschwäche.

Spezielle Kontaktlinsen können eine Kurzsichtigkeit nicht nur korrigieren, sondern das Fortschreiten auch verlangsamen. Je früher die Linsen getragen werden, desto größer der Erfolg.

Bei Erwachsenen ermöglichen Linsen oft erst Sport, können auch in der Sauna und unter handelsüblichen Sonnenbrillen getragen werden.

Gegen Kontaktlinsen und für eine Brille spricht dagegen der Preis. Werden die Linsen zu lange getragen oder schlecht vertragen, kann sich ein Kontaktekzem bilden. Die Lidentzündung wird meist durch das Reinigungsmittel ausgelöst. Auch für Pollen-Allergiker sind Kontaktlinsen ungeeignet. Sie fallen schlicht heraus, wenn sich zu viel Tränenflüssigkeit bildet.

Der Nah-Seh-Check

Mit diesem Test lässt sich Weitsichtigkeit entdecken.

Lies den Text bei guter Beleuchtung (Tageslicht) aus zirka 40 Zentimeter Entfernung. Nutzt Du gewöhnlich eine Lesebrille, setze diese auf.

Achtung: Musstest Du den Abstand zum Papier verändern, um die kleinere Schrift lesen zu können, ist das ein Anzeichen für Weitsichtigkeit bei Nicht-Brillenträgern oder eine Veränderung der Sehstärke bei Nutzern von Lesebrillen.

Du solltest dann unbedingt Deinen Augenoptiker aufsuchen. Weitere Seh-Checks findest Du unter seh-check.de.

Augentraining oder einfach nur mal in die Ferne schauen, fördert die Flexibilität der Augenlinse und lockert die angespannten Ziliarmuskeln. Unsere Seh-Checks helfen Ihnen, eigene Sehfehler zu erkennen.
Augentraining oder einfach nur mal in die Ferne schauen, fördert die Flexibilität der Augenlinse und lockert die angespannten Ziliarmuskeln. Unsere Seh-Checks helfen Ihnen, eigene Sehfehler zu erkennen.  © 123RF

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