Gysi gegen Wagenknecht: "Liebe Sahra, ich bin entsetzt"

Berlin - Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht (52) gibt nicht nur oft ihre Ansichten über die Corona-Impfung zum Besten, auch außenpolitisch fühlt sie sich stets berufen. Ihre Äußerungen über Putins Angriffskrieg in der Ukraine stoßen vielen bitter auf. Auch Parteikollege Gregor Gysi (74) kann ihre Sicht auf die Putin-Welt nicht verstehen und schießt scharf.

Der Politiker und Rechtsanwalt Gregor Gysi (74) war 2005 bis 2015 Vorsitzender der Fraktion Die Linke. Nun erregt ihn die Stellungnahme der eigenen Genossen.
Der Politiker und Rechtsanwalt Gregor Gysi (74) war 2005 bis 2015 Vorsitzender der Fraktion Die Linke. Nun erregt ihn die Stellungnahme der eigenen Genossen.  © Dorothee Barth/dpa

"Liebe Sahra, ich bin über eure Erklärung entsetzt" - so deutlich erklärt der gestandene Politiker seine Meinung. Der Ukrainekrieg sorgt also für neuen Streit bei der Linken.

Mit klaren Worten an Sahra Wagenknecht und andere Linke-Genossen, die sich in einer "Erklärung" zu Wort meldeten, hat sich Gysi über deren Nato-Kritik beschwert. Wagenknecht blieb nicht still, schlug via Twitter zurück.

Genossinnen und Genossen der Linken vertreten die Meinung, die russische Aggression sei durch "das Säbelrasseln" der Nato zu rechtfertigen bzw. entstanden – bis russische Truppen dann unprovoziert in die Ukraine einmarschierten.

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Außerdem würden die USA einen Angriff "herbeireden".

Zwar verurteilt Wagenknecht den Krieg, aber will dennoch, dass man Putin "entgegenkommen" müsse und "Angebote unterbreiten" solle, die er "annehmen" könne.

Gysi vs. Wagenknecht: Per Brief auf Konfrontation

Sahra Wagenknecht (52, Die Linke) hat in einer Stellungnahme für Irritationen innerhalb der Linken-Partei gesorgt.
Sahra Wagenknecht (52, Die Linke) hat in einer Stellungnahme für Irritationen innerhalb der Linken-Partei gesorgt.  © Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Der Konflikt bei den Linken scheint momentan gewaltig. Das zeigt der Brief, den der außenpolitische Sprecher und ehemalige Fraktionschef Gregor Gysi an eben die sieben Kolleg*innen in seiner Bundestagsfraktion richtet.

Darin zeigt sich der Linke-Politiker "entsetzt" und kritisiert die Erklärung scharf.

Die Einstellung des "Wagenknecht-Lagers" würde die Fraktions- und Parteispitze konterkarieren, wie er schreibt. Die Gruppe habe ihn "als außenpolitischen Sprecher weder gefragt noch einbezogen, was wohl ebenso eure Absicht war".

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Er werde nun über seine Rolle "neu nachdenken" müssen.

"Die völlige Emotionslosigkeit hinsichtlich des Angriffskrieges, der Toten, der Verletzten und dem Leid", so Gysi, mache ihn offenbar fassungslos. "Ihr seid nur daran interessiert, eure alte Ideologie in jeder Hinsicht zu retten. Die Nato ist böse, die USA sind böse, die Bundesregierung ist böse und damit Schluss für euch", heißt es in dem Brief.

Aus seiner Sicht sei das Völkerrecht entscheidend, auch er kritisiere zwar die Nato. In diesem Fall habe das Bündnis "keinen einzigen Fehler begangen", der den Krieg rechtfertige.

"Putin hat unsere Position gegen eine Osterweiterung der Nato – was ihr nicht im Mindesten erkennt – insoweit widerlegt, als er die Ukraine nicht angegriffen hätte, wenn sie Mitglied der Nato gewesen wäre."

"Ich bin insgesamt über eure Erklärung entsetzt und wollte euch das wissen lassen", steht am Ende des Briefes.

Und wie reagiert Wagenknecht? Sie spricht in leicht zickigem und ebenso entsetztem Ton von Rufmord.

"Ich bin entsetzt über den Brief von Gregor Gysi, der den Eindruck erweckt, es gäbe in der linken Bundestagsfraktion Mitglieder, mich eingeschlossen, die Putins völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht unmissverständlich verurteilt hätten", schrieb sie am wenige Stunden nach Erhalt der Gysi'schen Worte.

Ihre gesamte Stellungnahme könnt Ihr auf ihrer Homepage nachlesen.

Titelfoto: Dorothee Barth/dpa/Britta Pedersen

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