Harte UN-Kritik: Deutschland versagt im Kampf gegen wachsende Ungleichheit

Von Noah Tiaden

Genf (Schweiz) - Ein UN-Sonderberichterstatter sieht Ungleichheiten in Deutschland und fordert mehr Anstrengungen von der Bundesregierung zu ihrer Bekämpfung.

Ein UN-Sonderberichterstatter übt deutliche Kritik an Deutschland: Die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit habe in den vergangenen Jahren zugenommen.  © Salvatore Di Nolfi/KEYSTONE/dpa

UN-Sonderberichterstatter Surya Deva prangert in seinem Bericht sozioökonomische Ungleichheiten an - insbesondere mit Blick auf Menschen mit Behinderungen, Einwanderer, Flüchtlinge und Frauen. Deva sollte diese Ergebnisse heute Nachmittag im UN-Menschenrechtsrat vorstellen.

"Wirtschaftliche Ungleichheit ist ein großes Problem in Deutschland", schreibt Deva. "Seit 2010 haben die Einkommens- und Vermögensungleichheit zugenommen, was zu sozialer Verunsicherung beiträgt, vor allem in der unteren Mittelschicht."

Das treffe in Deutschland besonders Frauen, Kinder, Einwanderer, Ostdeutsche, Ruhrgebietler und Menschen mit Behinderung.

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Der Sonderberichterstatter fordert mehr Geld für bezahlbare Kinderbetreuung, Frauenhäuser und für die Erneuerung veralteter Infrastruktur.

Er schlägt vor, dazu unter anderem Reiche über die Erbschaftsteuer stärker zu besteuern. Der Bericht lobt ausdrücklich das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro.

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Die anderen Industriestaaten bezahlen Frauen gerechter

Der UN-Sonderberichterstatter kritisiert, dass die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen hierzulande größer ist als in fast allen anderen westlichen Industrienationen. (Symbolfoto)  © 123rf/kanghj103

Frauen verdienten in Deutschland durchschnittlich 16 Prozent weniger als Männer, schreibt Deva. Dieser Gender-Pay-Gap sei nicht nur zu groß, sondern vor allem größer als in fast allen anderen westlichen Industrienationen.

Hinzu komme, dass viele deutsche Unternehmen intensiv Lobbyarbeit betrieben, um "verbindliche Vorschriften zur Sorgfaltspflicht im Bereich der Menschenrechte auf nationaler und EU-Ebene" abzuschwächen.

Der Bericht analysiert auch die deutsche Entwicklungshilfe. Deutschland helfe bei Krisen im Ausland oft vorbildlich - doch die Bundesregierung kürze aktuell Gelder.

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"Dies wird wiederum Armut, Hunger, Ungleichheit, den Klimawandel und Instabilität in vielen Regionen der Welt verschärfen und Schutzbedürftige unverhältnismäßig stark treffen."

Das verstoße gegen internationale Absprachen und sei weder gut für Deutschland noch für den Rest der Welt.

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