Von Biomüll zu Biogas: Wie aus altem Gemüse wertvolles Gas wird

Frankfurt am Main - Für Peter Dumin hat die Gaskrise auch etwas Gutes. "Wir blicken optimistisch in die Zukunft, die Energieproblematik spielt uns in die Karten", sagt der Chef der Rhein-Main Biokompost GmbH (RMB) in Frankfurt.

Ein Biogasspeicherballon auf dem Gelände des Unternehmens Rhein-Main Biokompost GmbH (RMB) in Frankfurt.
Ein Biogasspeicherballon auf dem Gelände des Unternehmens Rhein-Main Biokompost GmbH (RMB) in Frankfurt.  © Hannes P. Albert/dpa

In dem Betrieb am östlichen Stadtrand werden pro Jahr um die 50.000 Tonnen Biomüll und Grünschnitt von Wertstoffhöfen verwertet und in Biogas sowie Kompost umgewandelt.

Die Abfälle - die nicht nur aus Frankfurt, sondern auch aus dem benachbarten Kreis Offenbach stammen - vergären in der Anlage innerhalb von drei Wochen zu Biogas.

"Wir tun da keine Chemie rein, nur Wärme und Wasser, der Rest funktioniert von alleine und ganz biologisch", beteuert Dumin. Das Biogas wird dann via Kraft-Wärme-Kopplung in Strom und Wärme umgewandelt. "2021 haben wir siebeneinhalb Mal mehr Energie erzeugt, als die ganze Anlage verbraucht", sagt der Chef.

Kritik an Braunkohle-Folgekosten - Greenpeace warnt vor Geheimniskrämerei
Energiepolitik Kritik an Braunkohle-Folgekosten - Greenpeace warnt vor Geheimniskrämerei

Die aktuelle Gaskrise hat das Recycling-Verfahren zuletzt wieder stärker in das Bewusstsein gerückt. Geht es nach der Branche, könnte auch noch mehr passieren: Aktuell deckten die Biogasanlagen etwa ein Prozent des deutschen Gasbedarfs ab, erklärt Peter Kruth, der Präsident des Entsorgungswirtschaftsverbandes BDE, in Berlin.

"Diesen Wert könnten wir auf zwei Prozent erhöhen", sagt er - und betont: Biomethan könnte Erdgas in allen Anwendungsbereichen ersetzen.

"2021 haben wir siebeneinhalb Mal mehr Energie erzeugt, als die ganze Anlage verbraucht", sagt RMB-Chef Peter Dumin.
"2021 haben wir siebeneinhalb Mal mehr Energie erzeugt, als die ganze Anlage verbraucht", sagt RMB-Chef Peter Dumin.  © Hannes P. Albert/dpa

Rund 255.000 Tonnen Bioabfälle landen in den Vergärungs-Anlagen

Ein Bagger an der Sammelstelle für Biomüll: 41 Prozent der häuslichen Bio-Abfälle landen in Vergärung-Anlagen, wo das Biogas entsteht.
Ein Bagger an der Sammelstelle für Biomüll: 41 Prozent der häuslichen Bio-Abfälle landen in Vergärung-Anlagen, wo das Biogas entsteht.  © Hannes P. Albert/dpa

Auch das Land Hessen sieht in den Biogasanlagen einen wichtigen Beitrag "zum Klimaschutz und zu einer effizienten Ressourcenverwendung".

Laut des Umweltministeriums in Wiesbaden hat bislang etwa die Hälfte der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger in Hessen eine vollständige oder teilweise Bioabfall-Vergärung umgesetzt. Ziel sei, weitere Vergärungs-Anlagen zu schaffen.

Auch die aktuellen Zahlen des Ministeriums zeigen, dass es noch Potenzial gibt: Demnach landeten im vergangenen Jahr rund 255.000 Tonnen der über die häusliche Müllsammlung erfassten Bioabfälle in den Vergärungs-Anlagen, was etwa 41 Prozent entspricht.

In der Anlage im Osten Frankfurts bringen derweil die Lastwagen immer neue Mengen an Biomüll vorbei. In der riesigen Halle liegt ein beißender Geruch in der Luft.

Dort zerkleinert eine Maschine zunächst die Abfälle, dann werden metallische Fremdstoffe mithilfe von Magneten aussortiert, bevor die Masse dann gesiebt und beispielsweise von Kunststoffen befreit wird.

80 Prozent des freigesetzten Biogases wird zu Biomethan aufbereitet und ins Erdgasnetz eingespeist

In dieser Anlage wird aus Biomüll das Biogas.
In dieser Anlage wird aus Biomüll das Biogas.  © Hannes P. Albert/dpa

Jetzt im Dezember sind noch immer viele Blätter in den riesigen Biomüllbergen zu sehen. "Am Müll kann man auch die Jahreszeiten mitverfolgen", sagt der Sprecher der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES). Aktuell gebe es viel Laub, bevor dann im Januar die Weihnachtsbäume kämen.

Je nach Konsistenz kommt der gesiebte Bioabfall dann entweder in die Vergärung oder in die Kompostierung. Das beim Vergärungs-Prozess freigesetzte Biogas geht dann zum einen zu den betriebseigenen Blockheizkraftwerken. Der weitaus größerer Teil, etwa 80 Prozent, wird zu einer Aufbereitungsanlage weitergeleitet, wo Biomethan daraus hergestellt wird, das dann in das öffentliche Erdgasnetz eingespeist wird.

Sowohl die Branche, als auch die Politik ist sich einig, dass es Luft nach oben gibt: "Noch immer landen zu viele Bioabfälle im Restmüll", moniert der BDE.

Oder eben Restmüll in der Biotonne. Besonders Kunststoffe könnten zu einer Verunreinigung des Bodens durch Mikroplastik führen, warnt das Umweltministerium. "Oberstes Ziel sollte daher sein, die Erfassung der Bioabfälle weiter zu steigern und gleichzeitig aber auch die Qualität zu verbessern."

Was darf in die Biotonne?

Prinzipiell alle biologisch abbaubaren Abfälle aus privaten Haushalten dürfen in die Biotonne, heißt es bei der FES.

Dazu gehören also Obst- und Gemüseabfälle, rohe und gekochte Speise- und Lebensmittelreste, Kaffee- und Teesatz, Filtertüten, Eierschalen,
Blumenerde, Grünschnitt und Laub.

Noch immer landet viel Bio- in der Restmüll- oder Restmüll in der Biotonne.
Noch immer landet viel Bio- in der Restmüll- oder Restmüll in der Biotonne.  © Peter Steffen/dpa

Was darf nicht in die Biotonne?

Küchen- und Speiseabfälle aus dem gewerblichen Bereich, Plastiktüten, Verpackungen aus Kunststoff und Metall dürfen nicht in die Biotonne.

Auch Kehricht, Sand und Staubsaugerbeutel, Zigarettenkippen, Windeln und andere gebrachte Hygieneartikel, Kleintierstreu, Flüssigkeiten wie beispielsweise Suppen, Soßen, Getränke sowie kompostierbares Plastik (etwa aus Maisstärke) haben nichts im Biomüll zu suchen.

Titelfoto: Bild-Montage: Peter Steffen/dpa, Hannes P. Albert/dpa

Mehr zum Thema Energiepolitik: