Von Frank Christiansen
Köln - Nordrhein-Westfalen könnte nach Ansicht von Energieökonomen in den Wintern 2031 und 2032 Probleme mit der Stromversorgung bekommen, wenn die geplanten Gaskraftwerke bis dahin nicht am Netz sind. Droht dann etwa die Unterversorgung zahlreicher Haushalte?
Bis 2030 plant NRW aus der besonders klimaschädlichen Braunkohle-Verstromung auszusteigen.
"Der Ausstieg kann meines Erachtens nicht funktionieren, wenn wir nicht riskieren wollen, dass die Versorgungssicherheit leidet und die Strompreise weiter steigen", sagte ein Experte vom Leibniz-Institut in Essen.
Die Praxis werde dafür sorgen, dass die Kohlekraftwerke nicht 2030 abgeschaltet werden. Niemand wolle Stromknappheiten und explodierende Strompreise riskieren. Der Zeitplan ist ins Wanken geraten, weil der Ausbau der ersatzweise geplanten Gaskraftwerke stockt.
Die Kraftwerke könnten erst rund zwei Jahre nach dem geplanten Kohle-Aus ans Netz gehen.
SPD erhöht Druck auf NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst
Skeptisch ist auch Energieökonom Andreas Löschel, Berater von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (53, CDU). Nach den Ausschreibungen für die Reserve-Gaskraftwerke werde man genau hinschauen müssen, wie die Versorgungssicherheit in den Wintern 2031 und 2032 aussehe. Löschel rät der schwarz-grünen NRW-Landesregierung, ihr Vorgehen zu überdenken.
Auch SPD-Fraktionschef Jochen Ott (52) ist alarmiert. "Hendrik Wüst hat jetzt die letzte Gelegenheit, den Menschen reinen Wein einzuschenken und offen zu sagen, wohin die Reise geht", sagte er.
Wenn die Landesregierung versuche, die Entscheidung bis nach der Landtagswahl hinauszuzögern, verschärfe sie die bestehende Unsicherheit und riskiere weiteres Chaos. Die Unternehmen benötigten Planungssicherheit.