Deutschland - Der Bundestag hat die Apothekenreform der schwarz-roten Koalition beschlossen. Ziel ist es, Apotheken zu stärken und die medizinische Versorgung insbesondere in ländlichen Regionen zu sichern.
Künftig sollen Apotheken deutlich mehr Leistungen anbieten dürfen - darunter Impfungen, Vorsorgeangebote und in bestimmten Fällen auch die Abgabe verschreibungspflichtiger Medikamente ohne Rezept.
Hintergrund der Reform sind zunehmender Personalmangel und wirtschaftliche Probleme vieler Apotheken. Die Zahl der Betriebe ist auf den niedrigsten Stand seit 1977 gefallen.
Zu den wichtigsten Neuerungen gehört, dass Apotheken unter bestimmten Voraussetzungen rezeptpflichtige Medikamente ohne vorherigen Arztbesuch ausgeben dürfen. Das gilt etwa für bereits bekannte Medikamente, wenn eine laufende Therapie dringend fortgesetzt werden muss. Ausgeschlossen bleiben jedoch Antibiotika sowie Arzneimittel mit hohem Missbrauchsrisiko.
Außerdem sollen Patienten schneller Ersatz erhalten, wenn verordnete Medikamente nicht verfügbar sind. Apotheken dürfen künftig einfacher auf vorrätige Alternativen zurückgreifen.
Auch das Impfangebot wird erweitert: Neben Corona- und Grippeschutzimpfungen sollen künftig weitere Impfungen mit Totimpfstoffen - etwa gegen Tetanus oder FSME - direkt in Apotheken möglich sein. Zusätzlich sind neue Schnelltests auf verschiedene Viruserkrankungen geplant.
Erstmals dürfen Apotheken künftig auch bestimmte Blutentnahmen durchführen, etwa zur Kontrolle von Medikamentenwirkungen. Zudem sollen sie Präventionsangebote etwa zu Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Raucherentwöhnung ausbauen.
Apothekenreform stößt auf Lob und Kritik
Für Entlastung im Alltag sorgen weitere Änderungen: Erfahrene pharmazeutisch-technische Assistenten dürfen zeitweise Apotheken leiten, und die Öffnungszeiten sollen flexibler gestaltet werden können.
Die Apothekerverbände begrüßen die erweiterten Kompetenzen grundsätzlich, fordern jedoch bessere finanzielle Rahmenbedingungen. Ärztevertreter kritisieren dagegen, dass medizinische Aufgaben zunehmend aus Arztpraxen in Apotheken verlagert würden.