Bleibt von den Entlastungen nichts übrig? Lars Klingbeil: "Wir werden den Menschen etwas abverlangen müssen"

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Berlin - Es klang zu schön, um wahr zu sein: Um bis zu mehrere Hundert Euro sollten geringe und mittlere Einkommen ab 2027 entlastet werden. Mittlerweile scheint selbst Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (48) nicht mehr so wirklich daran zu glauben.

Steigende Sozialabgaben könnten einen großen Teil der steuerlichen Entlastungen direkt wieder zunichte machen. Darüber ist sich auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (48) im Klaren.
Steigende Sozialabgaben könnten einen großen Teil der steuerlichen Entlastungen direkt wieder zunichte machen. Darüber ist sich auch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (48) im Klaren.  © Fabian Sommer/dpa

Mit ihrer großen Steuerreform versprach die Bundesregierung noch vor wenigen Tagen spürbare Entlastungen.

Nach Angaben des Finanzministeriums könnte eine Familie mit zwei Kindern und einen Haushaltseinkommen von 76.800 Euro um 642 Euro entlastet werden, ein Alleinerziehender von zwei Kindern mit 60.000 Euro Jahreseinkommen um 496 Euro.

Am Ende wird davon jedoch höchstwahrscheinlich nicht viel übrig bleiben: Höhere Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung könnten einen Großteil der Steuerersparnis wieder aufzehren. Die nicht enden wollende Inflation tut ihr Übriges.

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Im ARD-Sommerinterview darauf angesprochen, sagte Klingbeil: "Wir werden den Menschen etwas abverlangen müssen, wenn wir dieses Land stark halten wollen. Für mich ist wichtig, dass es gerecht zugeht."

Ein weiteres Mal verteidigte der Finanzminister zwar das Reformpaket - wirklich überzeugend klang das jedoch nicht.

Schon jetzt zeigen Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft, dass Singles mit mittleren und höheren Einkommen trotz Steuerreform ab 2028 teilweise sogar weniger Geld zur Verfügung haben könnten. Familien profitieren zwar stärker durch Kindergeld und Kinderfreibeträge, doch auch hier dürfte die tatsächliche Entlastung deutlich geringer ausfallen als angekündigt.

Im ARD-Sommerinterview stellte sich Lars Klingbeil den Fragen von Moderator Matthias Deiß (48).
Im ARD-Sommerinterview stellte sich Lars Klingbeil den Fragen von Moderator Matthias Deiß (48).  © Fabian Sommer/dpa

Steuerreform: Versprochene Entlastung fällt geringer aus als angekündigt

Kritik an der Einkommensteuerreform kommt sowohl von Wirtschaftsexperten als auch aus der Opposition. Sie bemängeln, dass die kalte Progression nicht vollständig ausgeglichen und die steigenden Sozialabgaben nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Die Bundesregierung verweist hingegen auf noch geplante Reformen bei der Renten- und Krankenversicherung, um die Belastungen künftig zu begrenzen.

Ob die Steuerreform den Bürgern am Ende tatsächlich mehr Geld im Portemonnaie lassen wird, bleibt daher offen.

Titelfoto: Fabian Sommer/dpa

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