Renten-Schock! Wissenschaftler fordern, dass Arbeitnehmer bis 70 arbeiten sollen

Köln - Schock für Arbeitnehmer: Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schlägt auf lange Sicht einen Rentenbeginn mit 70 Jahren vor.

Rente mit 68? Das reiche nicht - meint zumindest das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). (Symbolbild)
Rente mit 68? Das reiche nicht - meint zumindest das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). (Symbolbild)  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

"Mit einer fortgesetzten Anhebung der Regelaltersgrenze bis auf 70 Jahre ab 2052 ließe sich der Beitragsanstieg [...] bremsen und gleichzeitig das Sicherungsniveau stabilisieren", heißt es in einem Kurzbericht des IW.

Als eine Möglichkeit wird genannt, den Rentenbeginn im Zeitraum nach 2031 pro Jahr um zwei Monate anzuheben. Begründet wird dies mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen.

Das IW hat schon vor einigen Jahren die Rente mit 70 gefordert, nun untermauert es diese Haltung mit neuen Modellberechnungen. Kürzlich hatte der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums eine Anhebung des Renteneintrittsalters auf 68 Jahre bis zum Jahr 2042 vorgeschlagen, was bei Union und SPD aber auf Ablehnung stieß.

Aus Sicht des IW geht der Beiratsvorschlag nicht auf. "68 reicht nicht", heißt es von dem Institut.

In anderen Ländern ist späterer Rentenbeginn längst beschlossen

Wer im Alter genug Rente haben will, sollte das schon zuvor bei der Berufswahl bedenken, sagt der Studienautor. (Symbolbild)
Wer im Alter genug Rente haben will, sollte das schon zuvor bei der Berufswahl bedenken, sagt der Studienautor. (Symbolbild)  © picture alliance / Felix Kästle/dpa

Studienautor Jochen Pimpertz verweist auf andere EU-Staaten: In Dänemark gelte ab dem Jahr 2030 eine Altersgrenze von 68 Jahren und in den Niederlanden sei die Rente mit 67 schon heute Realität. "Außerdem passen beide Länder das Rentenalter bei weiter steigender Lebenserwartung regelgebunden an", heißt es in der Kurzstudie.

Mit Blick auf Deutschland schreibt Pimpertz: "Was ökonomisch unvermeidbar erscheint, würde den Bürgern hierzulande vor allem Planungssicherheit verschaffen - sowohl mit Blick auf die ergänzende Privatvorsorge als auch bei der Berufswahl und der (Weiter-)Bildungsentscheidung."

Dem Sender ntv sagte Pimpertz am Donnerstag, die Menschen lebten heute nun mal immer länger und blieben im Alter länger gesund und fit. Sollte man in der Zukunft statt 20 gleich 30 Jahre im Ruhestand leben, wäre das "in einer alternden Gesellschaft dauerhaft nicht zu finanzieren". Wenn die demografische Entwicklung berücksichtigt werde, sei die Rente "im Prinzip stabil", sagte Pimpertz.

"Wir müssen uns bei längerer Lebenserwartung darauf einstellen, dass wir eben die hinzugewonnene Lebensspanne auch anteilig im Erwerbsleben verbringen und nicht nur im wohlalimentierten Ruhestand", so der Autor der Studie.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

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