Mehr Tote als Babys in Bayern! Innenminister verdreht Fakten und feiert sich selbst

München - Jahrelang stieg die Bevölkerungszahl in Bayern. Bis 2025. Seitdem sinkt sie. Als Vergleich wird aktuell mit Ende des vergangenen Jahres gerechnet: Am 30. Juni 2026, also innerhalb von rund sechs Monaten, schrumpfte die Zahl der Bürger um 17.190 Personen. Der Innenminister versucht das, als Erfolg zu verkaufen – das Gegenteil ist der Fall.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (69, CSU) versucht den Bevölkerungsrückgang in Bayern als Erfolg der Partei zu verkaufen.  © Peter Kneffel/dpa

"Die Erfolge der Migrationswende schlagen sich nun auch messbar in der Gesamteinwohnerzahl des Freistaats nieder", feiert sich und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (69, CSU).

So lautet die Überschrift der Meldung. Doch liest man nicht nur die Überschriften, sondern auch die Inhalte, entdeckt man erfahrungsgemäß wertvolle Details. So auch hier.

Die Zahl ist im genannten Zeitraum um 17.190 Personen gesunken. Stimmt. Zeitgleich haben wir aber einen Sterbeüberschuss – im Vergleich zu den Geburten – von 19.410 Personen.

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Das ist die eigentliche Meldung: In Bayern sterben mehr Menschen, als zur Welt kommen. 72.746 sind im ersten Halbjahr 2026 verstorben.

Babys kamen im gleichen Zeitraum nur 53.336 zur Welt. Natürlich sinkt allein dadurch die Bevölkerungszahl. Und das Durchschnittsalter steigt an. Ein weiteres Problem.

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Gut 19.400 Babys sind in Bayern im ersten Halbjahr 2026 zu wenig auf die Welt gekommen, um die Zahl der Sterbefälle auszugleichen.  © 123rf/jayakri

Diese Fakten völlig ignorierend lässt sich Herrmann weiter zitieren: "Darüber hinaus ist die Entwicklung auch für die Planungen (...) von großer Bedeutung, etwa mit Blick auf den Personal- und Platzbedarf bei der Kinderbetreuung und in Schulen." 

So kann man das Problem mit den fehlenden Versorgungsplätzen auch lösen: Wenn jährlich Tausende Kinder fehlen, hat man irgendwann genug Angebot.

Die Frage, warum die Bayern weniger Kinder bekommen (wollen), wird in der Mitteilung nicht aufgefasst.

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Auch nicht, wie viele Migranten durch den angeblichen CSU-Kurs nicht gekommen seien oder abgeschoben wurden. Der Fakt, dass es aber weiterhin Zuwanderung – ebenso wie Abwanderung – aus dem In- und Ausland gibt, lässt zumindest auch Grund zur Hoffnung.

Denn der Unterschied zwischen Bevölkerungsrückgang (17.190) und Sterbeüberschuss (19.410) räumt die Möglichkeit ein, dass zumindest 2220 Personen mehr in den Freistaat gekommen als abgewandert sind.

Bayern bleibt mit aktuell 13,23 Millionen Menschen hinter Nordrhein-Westfalen und vor Baden-Württemberg das Bundesland mit den zweitmeisten Einwohnern.

Herrmann hofft nun darauf, dass das Defizit auf dem Wohnungsmarkt zu spüren sein wird. Ein guter Ansatz. Schließlich hatte Ministerpräsident Markus Söder bis Ende 2025 ja auch 10.000 neue Wohnungen angekündigt – die bis heute nicht da sind.

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