Von Michael Donhauser, Marco Schimpfhauser
Mittenwald - Ein 23 Jahre alter Rekrut der Bundeswehr ist wenige Tage nach Dienstantritt im oberbayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen bei den Mittenwalder Gebirgsjägern während einer Sportausbildung zusammengebrochen und gestorben.
Dies teilte die Armee über den Vorfall beim Gebirgsjägerbataillon 233 mit. Demnach ereignete sich der Zwischenfall bereits am Montag.
Der junge Rekrut erlitt im Rahmen der Sportausbildung einen Schwächeanfall und sei später im Krankenhaus im Beisein seiner Angehörigen gestorben.
Zuvor wurde der Soldat durch sanitätsdienstlich qualifizierte Ausbilder versorgt und überwacht. Die zeitgleich alarmierten zivilen Einsatzkräfte brachten ihn in eine Klinik.
Der Vorfall sorgte bei den sogenannten "Mittenwalder Jager" für tiefe Bestürzung. "Der Vorfall wird mit allem Nachdruck und in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden untersucht", heißt es in einer Mitteilung der "233er".
Die Ausbildung zum Gebirgsjäger gilt als körperlich extrem anspruchsvoll. Nur Soldaten mit dem Tauglichkeitsgrad 1 ("T1") werden für derartige Kompanien zugelassen. Der Soldat brach laut Meldungen zum Ende der Sporteinheiten am Montag zusammen. Er soll erst am 1. Oktober seine Ausbildung angetreten haben.
Edelweiß-Kaserne schon mehrmals in den Schlagzeilen
Die Edelweiß-Kaserne war in den vergangenen Jahren bereits mehrfach in den Schlagzeilen – vor allem jedoch wegen des negativen Verhaltens der Militärkräfte.
2006 erreichten Fotos von Totenschändung die Öffentlichkeit, in denen Personen bei einem Einsatz in Afghanistan mit den menschlichen Gebeinen der Getöteten in teils ekelerregenden Posen fotografiert wurden.
Wenige Jahre später, 2010, wurde bekannt, dass in den Einheiten zum Teil erniedrigende Aufnahmerituale absolviert werden mussten.
Bei diesen sogenannten "Fuxtests" – also ritualisierter Gewalt – sollen Rekruten gezwungen worden sein, rohe Schweineleber zu essen oder Alkohol bis zum Rande einer Vergiftung zu trinken.
Nachdem als Reaktion die Führung des Hochgebirgsjägerzuges komplett durch die Bundeswehr ausgetauscht wurde, verstummten auch die negativen Schlagzeilen. Bis zu diesem tragischen Vorfall jetzt.
Hier wurde jedoch bereits eine vollumfängliche Aufklärung der Hintergründe angekündigt. Das Bataillon besteht aus insgesamt sieben Kompanien mit mehr als 880 Gebirgsjägern. Den Soldaten vor Ort, die um ihren verlorenen Kameraden trauern, wurde das psychosoziale Netzwerk der Bundeswehr zur Verfügung gestellt.