Von Lea Marie Kläsener, Simone Rothe, Stefan Hantzschmann, Thomas Struk, Sebastian Haak, Christian Rüdiger
Erfurt - Trotz Protesten und Blockaden hat der AfD-Bundesparteitag in Erfurt ohne Verzögerungen begonnen. Erste Blockaden wurden inzwischen selbst beendet von den Demonstranten. Das Geschehen verlagert sich Richtung Messegelände.
Zahlreiche der rund 600 Delegierten waren bereits Stunden vor dem offiziellen Beginn angereist, um mögliche Straßenblockaden zu vermeiden. Die Halle war anders als bei früheren Parteitagen bereits lange vor dem geplanten Beginn gut gefüllt. Einem Sprecher zufolge waren vor 5 Uhr bereits 540 Delegierte auf dem Messegelände. Die wiedergewählte Co-Parteichefin Alice Weidel (47) bedankte sich auf ihrem X-Account bei den Sicherheitskräften.
Der Parteivorsitzende Tino Chrupalla (51) hatte in seiner Begrüßungsrede Berichte über Rivalitäten an der Parteispitze, insbesondere zwischen ihm und der Co-Vorsitzenden Alice Weidel (47), zurückgewiesen. "Unsere Partei ist einig wie nie zu vor." Es sei gut, dass die Parteitagsdelegierten schon vor Beginn der Gegendemonstrationen zur Erfurter Messe gefahren seien. "Der frühe Vogel fängt den Wurm. Die Randalierer von der Antifa haben ihr eigenes Störmanöver verschlafen", so Chrupalla.
Begleitet wird der Bundesparteitag von zahlreichen Protesten: Mehrere tausend Demonstranten hatten einen Abschnitt der A71 bei Erfurt blockiert. Die Blockaden auf der Autobahn wurden größtenteils von den Teilnehmenden selbst beendet, erklärte die Polizei Thüringen. Allerdings ist die A71 noch nicht freigegeben.
In der Innenstadt fanden sich mehrere tausend Menschen zu Protesten und Demonstrationen zusammen. Sitzblockaden wurden errichtet, Rettungswege jedoch freigehalten. Einzelne Menschen klebten sich auch auf Straßenbahngleisen fest, teilten die Beamten mit.
Polizei spricht von 31.000 Demonstranten
Wie die Polizei Thüringen berichtet, haben sich bislang rund 31.000 Menschen an den Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag beteiligt.
Aktuell verlagert sich das Geschehen in Richtung Messegelände. Mehrere Aufzüge seien noch auf dem Weg. Der Aufzug vom Gothaer Platz darf weiterhin Richtung Messe ziehen, teilten die Einsatzkräfte mit.
An der DGB-Kundgebung am Messeparkplatz nehmen inzwischen über 10.000 Personen teil. Die maximale Höchstzahl liegt bei 15.000 Teilnehmern.
Zwei Journalisten seien im Bereich "Straße des Friedens" durch Flaschenwürfe verletzt worden. Die Ermittlungen der Polizei laufen. Protest aus der Luft gab es ebenfalls. Leichtflugzeug mit dem Banner "Nazis nerven" flog über den Bereich der Messegelände wo aktuell der AfD-Bundesparteitag stattfindet.
Am Rande der Proteste konnte die Polizei verbotene Pyrotechnik und Waffen sicherstellen. Zwei Männer und zwei Frauen hätten vor dem Mittag versucht, vor den Einsatzkräften zu fliehen, hieß es. Bei einer Kontrolle wurden unter anderem kurze Schlagstöcke - sogenannte Kubotans - sowie pyrotechnische Erzeugnisse entdeckt. Ermittelt wird nun wegen möglicher Verstöße gegen das Versammlungsrecht und das Sprengstoffgesetz.
Die Polizei Thüringer spricht von einer "dynamischen Lage". Bislang verlief es jedoch meist friedlich. Im Bereich "Binderslebener Knie" kann es kurzfristig zu weiteren Sperrungen kommen. Eine Blockade in der Binderslebener Landstraße besteht weiterhin, hieß es.
Erstmeldung um 8.15 Uhr, aktualisiert um 15.11 Uhr