Parteitag in Essen: AfD-Politiker Stefan Hrdy beißt Demonstrant und erklärt, warum!

Essen - Ein Mitglied der AfD hat am Rande des Bundesparteitags in Essen einen Demonstranten gebissen - angeblich aus Notwehr. Stefan Hrdy (67) schilderte am Sonntag, wie sich die "eskalierende Situation" aus seiner Sicht entwickelt hat.

Stefan Hrdy (67, AfD) sah sich dazu gezwungen, einem Gegendemonstranten ins Bein zu beißen.
Stefan Hrdy (67, AfD) sah sich dazu gezwungen, einem Gegendemonstranten ins Bein zu beißen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Pensionär führte aus, er sei auf dem Weg zur Grugahalle auf eine Blockade von AfD-Gegnern gestoßen. Als er aus seinem Auto ausgestiegen sei, um einen Polizisten zu bitten, den Weg für ihn freizumachen, sei er plötzlich attackiert worden.

Der Parteitagsdelegierte aus Nordrhein-Westfalen schilderte im Anschluss seine Sicht: "Dann bekam ich einen Tritt in die rechte Wade, fiel hin und zwei oder drei sind auf mich drauf gefallen, ich sage mal gefallen, und dann kam ein Tritt von rechts, ich konnte ein bisschen ausweichen, habe mich dann in das Bein verklammert und zugebissen, damit ich nicht noch einen Tritt abbekomme."

In dem Moment hätten Polizeibeamte eingegriffen. Er habe aufstehen und dann weiterfahren können.

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Die "Bild"-Zeitung veröffentlichte ein Video des Vorfalls. Darin ist zu sehen, wie Hrdy auf eine Polizeiabsperrung zugeht. Mehrere Demonstranten stellen sich ihm in den Weg, es kommt zu einem Tumult und Hrdy geht zu Boden.

AfD tritt aus ID-Verbund aus

Die AfD tritt aus dem europäischen Parteienverbund ID aus. Die Entscheidung des Bundesvorstands gab der stellvertretende Parteichef Peter Boehringer (55) am Sonntag bekannt.

Der Schritt war erwartet worden. Zuvor hatten die Delegierten mit Zweidrittelmehrheit dem Bundesvorstand die Kompetenz für solche Entscheidungen gegeben.

Die ID - kurz für Identität und Demokratie - ist ein Zusammenschluss rechtspopulistischer und nationalistischer Parteien.

AfD-Politiker Stefan Hrdy beißt Demonstrant: Polizei ermittelt

Stefan Hrdy will nach dem Vorfall womöglich Anzeige erstatten.
Stefan Hrdy will nach dem Vorfall womöglich Anzeige erstatten.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Das Video deckt sich in Teilen dabei nicht mit Hrdys Darstellung - so ist dort lediglich zu sehen, dass ein Demonstrant mit dem Bein auf ihm liegt, dem Hrdy in die Wade beißt. Der geschilderte Tritt in die Wade ist nicht zu erkennen, allerdings ist die Sicht auf die Szene zwischenzeitlich auch entsprechend verdeckt.

Eine Sprecherin der Polizei Essen erklärte, dass man von dem Sachverhalt aus den Medien wisse. Ob der Gebissene eine Anzeige erstattet habe, sei jedoch noch unklar. Die Ermittlungen dauerten derzeit an.

Hrdy selbst sagte, er habe die Absicht, Anzeige zu erstatten. Der AfD-Delegierte erklärte, während seiner Zeit bei der GSG 9, der Spezialeinheit der Bundespolizei, habe er zwar gelernt, sich körperlich zur Wehr zu setzen. Der Mann, mit dem er es zu tun gehabt habe, sei allerdings deutlich jünger als er gewesen als er und habe zudem Stiefel getragen.

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Er war nach eigenen Angaben 2016 in die AfD eingetreten. Sichtbare Blessuren von dem Vorfall hat er nicht.

Der AfD-Parteitag war am Samstag von massiven Protesten begleitet worden. Zehntausende demonstrierten gegen die AfD. Dabei war es auch zu Gewalt gekommen. Bei Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Aktivisten wurden nach Polizeiangaben 28 Beamte verletzt, einer davon schwer. Am Sonntag wurde der Parteitag wie geplant fortgesetzt.

AfD setzt Parteitag in Essen fort

Co-Vorsitzende Alice Weidel (45) ließ sich auch am Sonntag auf dem AfD-Bundesparteitag blicken.
Co-Vorsitzende Alice Weidel (45) ließ sich auch am Sonntag auf dem AfD-Bundesparteitag blicken.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Debattiert wird etwa über die außenpolitische Ausrichtung der Partei etwa mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

In einer Resolution, hinter der Parteichefin Alice Weidel (45) steht, heißt es, Deutschland müsse sich stärker von der US-Außenpolitik emanzipieren, gefordert wird ein Ende der Waffenlieferungen.

Auf der voraussichtlichen Tagesordnung steht auch ein Antrag, im AfD-Vorstand den Posten eines Generalsekretärs zu schaffen. Das soll aber dem Antrag zufolge erst ab dem Jahr 2025 möglich sein.

Bis 2026 ist der neue Vorstand im Amt, der am Samstag beim Parteitag gewählt wurde. Diesen Tagesordnungspunkt hatten die Delegierten mit einer Wiederwahl von Weidel und Tino Chrupalla (49) an der Spitze schneller als erwartet abgeräumt.

Nach den massiven Protesten am Samstag blieb es am verregneten Sonntagmorgen rund um die Essener Grugahalle zunächst ruhig. An einer Mahnwache in Sichtweite der Grugahalle nahmen nach Schätzung eines dpa-Reporters am Vormittag rund 150 Menschen teil. Veranstalter war das Bündnis Essen stellt sich quer.

AfD gegen schärfere Regeln für Russland-Reisen

Auch die Akte Maximilian Krah (47) wurde auf dem Parteitag indirekt aufgegriffen.
Auch die Akte Maximilian Krah (47) wurde auf dem Parteitag indirekt aufgegriffen.  © Britta Pedersen/dpa

Die AfD will ihren Abgeordneten keine strengeren Regeln für Auslandsreisen oder Interviews mit ausländischen Medien verpassen. Der Parteitag in Essen lehnte es am Sonntag ab, sich mit einem entsprechenden Antrag mehrerer Delegierter zu befassen.

Dieser sah vor, Abgeordnete künftig parteiintern zu bestrafen, wenn sie ohne Absprache mit der Parteispitze ausländischen Medien Interviews geben, Auslandsreisen "mit politischem Bezug" machen oder sich dort öffentlich mit Politikern treffen.

Hintergrund sind wiederholte Russland-Reisen und Auftritte von AfD-Politikern auch in russischen Medien.

Der bayerische Landtagsabgeordnete Florian Köhler und Befürworter des Antrags kritisierte "Besuche bei Regionaldiktatoren oder Autokraten". Man solle sich eher auf die eigene Heimat konzentrieren, um beim Wähler nicht als Erfüllungsgehilfe fremder Staaten wahrgenommen zu werden. "Wir sollten uns nicht zum Büttel für zwielichtige Staaten machen."

Mit dem Antrag sei auch AfD-Europaspitzenkandidat Maximilian Krah (47) gemeint, hatte es vor dem Parteitag auf Seiten der Antragssteller geheißen. Krah hatte in einer italienischen Zeitung umstrittene Äußerungen zur nationalsozialistischen SS gemacht.

Erstmeldung: 12.20 Uhr, aktualisiert: 16.49 Uhr

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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