Überzeugungen statt Trend-Gepolter: Weber fordert CSU zu mehr Ernsthaftigkeit auf

Von Michael Donhauser

München - CSU-Vize Manfred Weber (53) hat in einem an zahlreiche Mandatsträger verschickten Brief eine ernsthaftere und am Gemeinsinn orientierte Politik gefordert - und seinem Parteichef Markus Söder (59) eine verbale Breitseite verpasst.

CSU-Vize Manfred Weber (53) greift Söder in einem fünf Seiten langen Pfingstbrief scharf an.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

"Es waren die besten Jahre für die CSU, als wir nicht dem Zeitgeist gefolgt sind, sondern unseren Überzeugungen", heißt es in dem fünf Seiten langen Schreiben. Zuerst hatte der "Münchner Merkur" berichtet.

Viele der Zeilen wurden in der CSU als Frontalangriff auf Söder verstanden. "Wir müssen das Gemeinwohl wieder visionär ins Zentrum unserer Politik rücken", heißt es in dem Brief.

"Dieses Gemeinschaftsgefühl werde ich aber weder mit Schlagzeilen noch mit Klickzahlen, sondern nur mit Kreativität, Mut und Ideen erreichen."

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Söder hat den Ruf, über seine Social-Media-Kanäle gerne die schnelle Schlagzeile zu generieren. Allerdings war er zuletzt deutlich zurückgerudert und ernsthaftere Töne angestimmt. 

Als eines der wichtigsten Themen skizzierte Weber die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas in Zukunft. "Eine Drohnen-Armee, eine Satelliten-Aufklärung, einen Raketenabwehrschirm und auch eine Cyber-Brigade dürfen kein Wunschtraum, sondern müssen der Kern europäischer Streitkräfte werden", forderte er.

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Zurück zum Mindset von Franz Josef Strauß

Markus Söder (59) möchte National- und Bayernhymne wieder verpflichtend an Schulen singen lassen - was ihm einmal mehr Kritik einbringt.  © Uhlíø Patrik/CTK/dpa

Für viele in der CSU war das Kritik an Söders Vorstoß, künftig die National- und Bayernhymne wieder verpflichtend an Schulen singen zu lassen.

Man solle "von der Verteidigung bis zur Zukunft des Freihandels [...] an das Erbe von Franz Josef Strauß anknüpfen", fordert Weber, der in Brüssel Vorsitzender der Europäischen Volkspartei ist, und führt weiter aus: 

"Seine Reden - viele stehen heute online zur Verfügung - waren alles andere als Folklore, waren keine Show, waren streckenweise nicht mal unterhaltsam. Er mutete seiner Partei einiges an politisch schwerer Kost zu. Sind wir heute dazu auch noch bereit?"

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Es reiche nicht, allein eine Hightech-Agenda 2.0 aufzulegen. "Wir brauchen eine Debatte über unsere Kultur. Mit der Kernfrage: Was hält uns heute zusammen? Wir brauchen wieder eine kraftvolle Bayernerzählung, die das Miteinander in den Mittelpunkt denkt: weniger Schulterklopfen, mehr Ambition."

Politik dürfe nicht einzelnen Gruppen hinterherlaufen. "Wir müssen die Menschen vielmehr überzeugen, dass wir miteinander weiterkommen." Die CSU dürfe nicht dem Mainstream folgen. Sie müsse stattdessen den Mainstream prägen. Die Partei müsse eine "kraftvolle Erzählung" entwickeln, wohin man Bayern führen wolle.

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