Berlin – SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (47) will Berlin nach der Wahl umkrempeln. Im TAG24-Interview spricht er über sein erstes Vorhaben als Regierender Bürgermeister, Dealer im Görlitzer Park – und verrät, in welchem Club er tanzte.
Wenn Krach am ersten Tag im Roten Rathaus das Sagen hätte, wäre seine erste Entscheidung klar: Das Handyverbot an Grundschulen soll kommen.
Er findet es falsch, wenn Kinder auf dem Schulhof lieber am Smartphone hängen, statt miteinander zu reden und zu spielen. Auch im Unterricht sollten sich die Schüler nur aufs Lernen konzentrieren.
Der Politiker will Berlin familienfreundlich machen: mit gebührenfreier Kita, verkehrsberuhigten Schulstraßen und einem neuen Kinderkrankenhaus.
Eine der größten Baustellen Berlins ist für den SPD-Spitzenkandidaten der Wohnungsmarkt.
Krach will deshalb mehr bauen, illegale Ferienapartments bekämpfen und mit einer Mietenpolizei gegen Abzocke-Vermieter vorgehen.
Er möchte unter anderem leerstehende Büroflächen nutzen. In Berlin gebe es rund 1,8 Millionen Quadratmeter freie Bürofläche. Diese könnten unter anderem in Wohnungen für Studenten und Auszubildende umgewandelt werden. Bei Neubauten soll nach Krachs Vorstellungen eine Sozialquote von 30 Prozent gelten. Wenn staatliche Gelder fließen, will er den Anteil sogar auf 50 Prozent erhöhen.
Steffen Krach fordert "klare Kante" bei Drogen-Dealer
Eine Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne lehnt Krach dagegen ab.
Sein Argument: Das koste Milliarden und dauere ewig. Das Wohnungsproblem müsse jetzt gelöst werden und nicht erst in einigen Jahren.
Beim Thema Drogen setzt der 47-Jährige auf eine Mischung aus Prävention und härterem Vorgehen gegen Dealer. "Den Suchtkranken will ich helfen, sie aus den Hauseingängen, von der Straße holen", betont er. Aber für die Dealer und die Kriminalität fordert er "klare Kante" und "Null Toleranz".
Eine Umzäunung des Görlitzer Parks hält Krach dagegen nicht für die entscheidende Lösung. Stattdessen setzt er auf mehr Polizeipräsenz, Prävention und eine bessere Gestaltung der Parks.
Bei all der Politik wird es im Gespräch auch plötzlich persönlich. Der Politiker lebt seit 2002 in Berlin – im weltberühmten Berghain war er nur einmal. Der Grund? "Mich hat diese lange Schlange abgeschreckt, ich stand da schon mal um 7 Uhr morgens", erklärt er. Die Clubs Szene sei wichtig für Berlin, sagt er und wird wieder politisch: "Das müssen wir fördern."
Bei der Frage nach dem möglichen Koalitionspartner wird er nochmal deutlich: "Wenn ich es mir aussuchen dürfte, mit den Grünen", sagt der SPD-Spitzenkandidat. SPD und Grüne seien aus seiner Sicht die Parteien, die Berlin zusammenführen könnten.
Und eine Zusammenarbeit lieber mit CDU oder Linken? Krach schließt nichts aus. Nach der Wahl müsse man schauen, mit wem man die SPD Punkte für Berlin am besten umsetzen kann.