Nach Brandrede zur Impfpflicht: Emilia Fester von den Grünen erntet Shitstorm!

Berlin/Hamburg - Emilia Fester (23, Die Grünen) muss gerade viel aushalten. Die jüngste Abgeordnete im Bundestag wird wegen ihrer ersten Rede im Parlament Ziel von meist unsachlichen Angriffen.

Emilia Fester (23, Die Grünen) hielt am Donnerstag ihre erste Rede im Bundestag.
Emilia Fester (23, Die Grünen) hielt am Donnerstag ihre erste Rede im Bundestag.  © Michael Kappeler/dpa

Bei der Debatte um eine mögliche allgemeine Impfpflicht gegen das Coronavirus hielt die 23-Jährige aus Hamburg am Donnerstag eine emotionale Rede - es war ihre erste vor dem Deutschen Bundestag.

In den vergangenen zwei Jahren habe sie aus Vorsicht und aus Rücksicht auf vieles verzichtet und zählte es auf: "Ich war nicht in der Uni. Ich war nicht im Ausland. Ich habe kein Museum und auch kein Festival besucht. Ich habe nicht mal eine Person, die ich noch nicht kannte, geküsst oder meinen Geburtstag gefeiert. Ich war verdammt nochmal nicht einmal im Club", sagte Fester. All das sowie Tanzen und Feiern vermisse sie.

Damit sprach die 23-Jährige vielen jungen Menschen aus der Seele und gab ihnen eine wichtige Stimme im Parlament.

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Gleichzeitig griff sie in ihrer Brandrede die AfD scharf an, weil sie sich gegen eine Impfpflicht aussprach. "Wenn Sie sich einfach hätten impfen lassen, dann wären wir jetzt alle wieder frei."

Weiter fügte Fester hinzu: "Ihre persönliche Entscheidung, sich nicht impfen zu lassen, beeinflusst mein Leben, beeinflusst das Leben von Millionen von Menschen in dieser Bundesrepublik." Keine Impfpflicht sei eine Zumutung für die solidarische Mehrheit. "Ich will meine Freiheit zurück!"

Emilia Festers Rede im Bundestag zur Impfpflicht

Emilia Fester wird auch wegen eines alten Fotos kritisiert

Emilia Fester ist die jüngste Abgeordnete im Bundestag.
Emilia Fester ist die jüngste Abgeordnete im Bundestag.  © Kay Nietfeld/dpa

Nach ihrer Brandrede brach im Internet ein Shitstorm über Emilia Fester herein, der auch am Samstag noch immer anhielt.

Wegen ihres jungen Alters wurde ihr mangelnde Lebenserfahrung vorgeworfen. Außerdem wurde sie als "Göre" beschimpft, der Hashtag #goere wurde tausendfach verwendet. Bevor sie im Bundestag reden dürfe, solle sie doch eine Ausbildung machen.

Solche Vorwürfe strotzen nur so von Demokratie-, Jugend- und Frauenverachtung. Schließlich heißt es im Grundgesetz: "Wählbar ist, wer das Alter erreicht hat, mit dem die Volljährigkeit eintritt." Ab dem Alter von 18 Jahren dürfen sich Deutsche jederlei Geschlechts zur Wahl aufstellen lassen. Vom beruflichen Werdegang ist dort keine Rede.

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Die zahlreichen negativen - wie auch positiven - Reaktionen auf ihre Rede zeigen auf jeden Fall, dass Fester einen Nerv getroffen hat.

Hat Emilia Fester gelogen? Instagram-Foto wird ihr zum Vorwurf gemacht

Allerdings trat die 23-Jährige mit ihrer Rede auch in ein vermeidbares Fettnäpfchen: Auf ihrem Instagram-Profil befindet sich ein Foto, das am 28. Juli 2020 hochgeladen wurde.

Im Text dazu schrieb sie, dass sie gerade aus dem Dänemark-Urlaub zurückgekommen sei. Da sich diese Reise ins Ausland vor weniger als zwei Jahren abgespielt hat, wird die 23-Jährige der Lüge bezichtigt.

Denn in ihrer wütenden Rede hatte sie ja behauptet, in den vergangenen zwei Jahren nicht im Ausland gewesen zu sein. Wer eine Bundestags-Rede mit Privatem untermauert, muss wohl damit rechnen, dass jedes Wort auf die Goldwaage gelegt werden kann.

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa

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