CDU-Landeschef Sven Schulze: Was ich von Reiner Haseloff gelernt habe

Von Christopher Kissmann

Magdeburg - Sven Schulze (46) will Reiner Haseloff (71, beide CDU) als Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt ablösen. Welche Erfahrungen und Werte er von seinem Vorgänger mitnimmt – und was er anders machen will.

Sven Schulze (46, l.) soll Reiner Haseloff (71, r.) als CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt ablösen. (Archivbild)
Sven Schulze (46, l.) soll Reiner Haseloff (71, r.) als CDU-Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt ablösen. (Archivbild)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Es ist ein paar Jahre her, da hat Reiner Haseloff einmal grob skizziert, was sein Nachfolger mitbringen muss. Dieser müsse den Nachweis erbringen, dass er es kann, stellte der Regierungschef nüchtern fest.

In diese Rolle will CDU-Landeschef Sven Schulze nun bereits im Januar schlüpfen und den aktuell dienstältesten Ministerpräsidenten Deutschlands vorzeitig im Amt beerben.

Zuletzt hat Haseloff betont, dass Schulze "Erfahrung und Format" mitbringe, um den Übergang hinzubekommen. Außerdem stehe Schulze wie er selbst für eine klare Abgrenzung zur AfD. Doch was hat sich Schulze von Haseloff abgeguckt?

Auffällig ist, dass Schulze in Gespräche ähnlich einsteigt wie der Ministerpräsident. "Wo kommen Sie her?", fragt Haseloff gerne.

Diese Frage stellt inzwischen auch Schulze häufig. Anschließend reden beide gerne in aller Ausführlichkeit über die Vorzüge des Landes.

"Wir beide brennen für unsere Heimat Sachsen-Anhalt. Manchmal schießen wir damit vielleicht ein Stück übers Ziel hinaus", sagt Schulze. "Aber lieber so, als wenn man sich irgendwo vorwerfen lassen muss, dass man zu wenig macht."

Schulze hat sich in der Politik zielstrebig nach oben gearbeitet. Ende 2016 schuf die CDU Sachsen-Anhalt die Position des Generalsekretärs neu und wählte den damals 37-Jährigen in die Funktion

Haseloff sagte damals: "Dieser Generalsekretär ist auch ein Zeichen, dass wir sukzessive auch die junge Generation ins politische Geschäft einbeziehen und dafür sorgen, dass wir Profil zeigen."

Vor Entscheidungen noch mal eine Nacht darüber schlafen

Beide Politiker haben jahrelang Erfahrungen in der Wirtschaftspolitik gesammelt. (Archivbild)
Beide Politiker haben jahrelang Erfahrungen in der Wirtschaftspolitik gesammelt. (Archivbild)  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Im März 2021 wurde Schulze Parteichef, nach der Landtagswahl schmiedete er geräuschlos die Koalition aus CDU, SPD und FDP - und sein Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten. Auch Haseloff war einst Wirtschaftsminister des Landes gewesen.

"Ich habe von ihm gelernt, dass man vielleicht über manche Dinge noch mal eine Nacht schläft, bevor man sie entscheidet", sagt Schulze über Haseloff.

"Gleichermaßen habe ich von ihm auch gelernt, dass man auch jungen Leuten Vertrauen schenken muss. Er hat mir sein Vertrauen gegeben – dafür bin ich ihm sehr dankbar."

Der 46-Jährige betont das über die Jahre gewachsene Vertrauen. "Auch über die Zeit hinaus, wenn er nicht mehr Ministerpräsident ist, wird es dieses enge Vertrauensverhältnis zwischen ihm und mir immer geben. Ich weiß, dass ich ihn Tag und Nacht anrufen kann."

Sollte Schulze Ministerpräsident werden, wird er aber auch seine eigenen Wege gehen. "Ich bringe allein aufgrund meines Alters – ich könnte ja sein Sohn sein – andere Dinge mit ein", sagt er.

"Ich habe drei Kinder, die in Schule und Ausbildung gute Ergebnisse erzielen wollen, das prägt einen natürlich."

Titelfoto: Bildmontage: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

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