Berlin-Wahl: Machtpoker ums Rote Rathaus! Dicke Luft bei den Berliner Grünen

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Berlin - Jetzt beginnt der große Poker um das Rote Rathaus! Nach ihrem historischen Wahlsieg drückt die Berliner Linke bei der Regierungsbildung aufs Tempo. Noch in dieser Woche sollen SPD und Grüne zum ersten politischen Beschnuppern vorbeikommen.

Siegerfoto: Elif Eralp (45, Linke, r.) schnappt sich den Wahlsieg.
Siegerfoto: Elif Eralp (45, Linke, r.) schnappt sich den Wahlsieg.  © Sebastian Gollnow/dpa

Schon kommende Woche könnte die entscheidende Sondierungsrunde starten. Dann geht es um das Eingemachte, wenn um die Macht gefälscht, um Posten und Projekte gerungen wird.

Die aktuellen Zahlen dazu sind ziemlich ergiebig: Nach dem vorläufigen Ergebnis kommt die Linke auf 25,7 Prozent, die CDU auf 18,8 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent, die Grünen auf 14,3 Prozent und die SPD schmierte auf auf 12,1 Prozent ab.

Im neuen Abgeordnetenhaus ergeben sich 47 Sitze für die Linke, 34 für die CDU, 29 für die AfD, 26 für die Grünen und 22 für die SPD.

22. September, 20.06 Uhr: Kristin Brinker bleibt an der Spitze der Berliner AfD-Fraktion

Nach der Abgeordnetenhauswahl wurde sie ohne Gegenkandidaten erneut zur Fraktionschefin gewählt, wie die Fraktion mitteilte.

Auch Parlamentarischer Geschäftsführer Rolf Wiedenhaupt und der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Alexander Bertram behalten ihre Posten. Beide wurden ebenfalls ohne Gegenkandidaten bestätigt.

Bei der Wahl am Sonntag kam die AfD auf 16,3 Prozent und wurde damit drittstärkste Kraft hinter Linken und CDU.

22. September, 18.42 Uhr: Dicke Luft bei den Berliner Grünen

Bei den Berliner Grünen wächst nach dem Wahlergebnis die Kritik an der eigenen Parteiführung. Aus dem Kreisverband Mitte werden personelle Konsequenzen gefordert.

In einer internen Auswertung zur Wahl, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, wird ein Rücktritt der Führungsspitze verlangt. Diese müsse die Verantwortung für die personelle Aufstellung und das Abschneiden bei der Wahl übernehmen. Zuvor hatte der "Tagesspiegel" über das Papier berichtet.

Auch mit Blick auf eine mögliche rot-grün-rote Koalition werden Veränderungen gefordert. Der künftige Senat solle etwa mit mehr Personal aus den Bezirken besetzt werden, das über praktische Erfahrung in der Verwaltung verfüge.

Werner Graf (46) und Bettina Jarasch (57) fordern nun Konsequenzen.
Werner Graf (46) und Bettina Jarasch (57) fordern nun Konsequenzen.  © Annette Riedl/dpa

22. September, 13.03 Uhr: "Grüße mit Respekt": Ferat Koçak gerät wegen Chat mit Remmo-Sohn unter Druck

Am Montag wurde ein Chat zwischen dem Linken-Abgeordneten Ferat Koçak und Firas Remmo, dem Sohn von Issa Remmo (58) öffentlich

Darin bittet Koçak ihn, ein Bundestagsvideo zu verbreiten, zuvor richtet er seinem Vater "Grüße mit Respekt" aus.

Koçak bezeichnete den Kontakt später als Fehler und entschuldigte sich. Offen bleibt, warum Remmo den Chat gerade nach der Distanzierung der Linken von seinem Vater veröffentlichte.

Ferat Koçak (47) ist seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. (Archivfoto)
Ferat Koçak (47) ist seit 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages. (Archivfoto)  © Bernd von Jutrczenka/dpa

22. September, 12 Uhr: Linke lädt Grüne und SPD zu "Vorgesprächen" ein

Nach ihrem Wahlsieg will die Berliner Linke schnell Nägel mit Köpfen machen und die Weichen für eine neue Regierung stellen.Dafür sollen noch in dieser Woche Vertreter von SPD und Grünen zu ersten "Vorgesprächen" eingeladen werden, wie die Landesvorsitzenden Kerstin Wolter (40) und Maximilian Schirmer (36) mitteilten.

Der Landesvorstand hat sich bereits für Sondierungen mit beiden Parteien ausgesprochen. Am Freitag soll der Parteitag darüber abstimmen. Gibt es grünes Licht, könnten die Gespräche über eine mögliche Koalition schon kommende Woche starten.

"Die Berlinerinnen und Berliner haben sich am Sonntag für ein neues Kapitel für unsere Stadt entschieden", ergänzten Wolter und Schirmer. "Wir nehmen diesen Auftrag voller Demut und Vorfreude an." 

22. September, 10.22 Uhr: Ex-Trigema-Chef Grupp kritisiert Enteignungspläne der Linken

Wolfgang Grupp (84) hat die Pläne der Berliner Linken zur Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen kritisiert.

"Wohnungsunternehmen einfach zu enteignen, kann nicht sein", sagte der 84-Jährige der "Bild". Der ehemalige Textil- und Bekleidungs­unter­nehmer meint: "In einer Marktwirtschaft kann man niemanden enteignen, nur weil sein Unternehmen gut läuft."

Zugleich forderte Grupp mehr Verantwortung großer Wohnungsgesellschaften und mahnte mit Blick auf Wohnkosten: "Es muss gerecht sein."

Firmenpatriarch Wolfgang Grupp (84) hält mit seiner Meinung nur selten hinter dem Berg - auch nicht nach dem Wahlerfolg der Linken in Berlin. (Archivfoto)
Firmenpatriarch Wolfgang Grupp (84) hält mit seiner Meinung nur selten hinter dem Berg - auch nicht nach dem Wahlerfolg der Linken in Berlin. (Archivfoto)  © Marijan Murat/dpa

22. September, 7.49 Uhr: Israels Botschafter sieht jüdisches Leben in Berlin in Gefahr

Israels Botschafter Ron Prosor (67) sieht nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin eine "unmittelbare Existenzgefahr" für die jüdische Gemeinschaft.

Das starke Abschneiden der Partei müsse jeden beunruhigen, dem jüdisches Leben in der Hauptstadt am Herzen liege, sagte Prosor der dpa.

Er warf der Linken ein tief verwurzeltes Antisemitismusproblem vor und forderte einen konkreten Plan gegen Israel- und Judenhass in den eigenen Reihen.

Der israelische Botschafter Ron Prosor (67) sorgt sich um die jüdische Gemeinschaft in Berlin.
Der israelische Botschafter Ron Prosor (67) sorgt sich um die jüdische Gemeinschaft in Berlin.  © Carsten Koall/dpa

22. September, 7.40 Uhr: Linke steht nach Wahlsieg vor schwieriger Regierungsbildung

Nach ihrem Wahlsieg will die Berliner Linke die nächste Landesregierung anführen und Gespräche mit Grünen und SPD aufnehmen.

Spitzenkandidatin Elif Eralp (45) sagte, der geschäftsführende Landesvorstand habe empfohlen, beiden Parteien Sondierungsgespräche anzubieten. Sie erwarte dafür ein "klares Mandat" vom Parteitag am Freitag.

In möglichen Koalitionsverhandlungen will Eralp die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne zum zentralen Thema machen. "Für mich ist ganz klar, dass in einer Regierung auch vergesellschaftet werden muss", sagte sie. Die Berlinerinnen und Berliner hätten mit dem Volksentscheid von 2021 einen "demokratischen Auftrag" dazu erteilt. Die Vergesellschaftung solle als Instrument gegen die Mietenkrise und die Spekulation mit Wohnraum eingesetzt werden. Zugleich betonte Eralp: "Natürlich werden wir auch Kompromisse eingehen müssen."

Ob es tatsächlich zu einem rot-grün-roten Bündnis kommt, ist allerdings offen. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (47) kündigte zwar sachbezogene Gespräche an. Über Themen wie Enteignungen und die Finanzplanung müsse man "sachlich" sprechen, "das sollte unter Demokraten möglich sein". Zugleich forderten SPD und Grüne nach umstrittenen Vorfällen bei Linken-Wahlpartys ein klares Vorgehen der Partei gegen Antisemitismus.

Eralp distanzierte sich von den Vorfällen und sagte: "Gewaltverherrlichung und Terrorverherrlichung sind absolut inakzeptabel." Sie stehe "für den Schutz von jüdischem Leben genauso wie für den Schutz jedes anderen Lebens". Ihre "oberste Aufgabe" sei, dafür zu sorgen, dass sich die Menschen in Berlin wieder sicher fühlten.

Auch innerhalb der SPD steht nach dem historischen Wahldebakel eine Aufarbeitung an. Krach sprach vom "Wiederaufbau der Berliner SPD". Die CDU will sich derweil alle Optionen offenhalten.

In möglichen Koalitionsverhandlungen will Elif Eralp die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne vorantreiben. SPD und Grüne stehen dem Vorhaben kritisch gegenüber.
In möglichen Koalitionsverhandlungen will Elif Eralp die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne vorantreiben. SPD und Grüne stehen dem Vorhaben kritisch gegenüber.  © Britta Pedersen/dpa

22. September, 7.32 Uhr: Berliner CDU schlägt Stefan Evers für Fraktionsvorsitz vor

Der Berliner CDU-Landesvorstand hat Stefan Evers (46) einstimmig für den Fraktionsvorsitz im Abgeordnetenhaus nominiert.

Evers war bislang Finanzsenator im schwarz-roten Senat. Die bisherige Parlamentspräsidentin Cornelia Seibeld (52, CDU) soll nach dem Willen des Landesvorstands Vizepräsidentin werden.

Die CDU bekräftigte zudem ihre Bereitschaft zu Gesprächen mit Parteien der "gesellschaftlichen Mitte". Bei der Wahl am Sonntag kam die CDU auf 18,8 Prozent.

22. September, 7.25 Uhr: Krach irritiert über Clan-Oberhaupt bei Linken

Nach der Wahlniederlage der Berliner SPD hat Spitzenkandidat Steffen Krach (47) sachliche Gespräche über eine mögliche Koalition mit den Linken angekündigt.

Themen wie Enteignungen von Immobilienfirmen und die Finanzplanung müssten auf den Tisch.

Zugleich zeigte sich Krach irritiert über den Besuch eines Oberhaupts eines arabischstämmigen Clans bei der Linken in Neukölln. Die SPD müsse nun ihr eigenes Profil schärfen und sich personell neu aufstellen.

21. September, 19.07 Uhr: Sondierungen in Berlin könnten nächste Woche beginnen

Die Berliner Linke setzt auf einen zügigen Beginn von Sondierungsgesprächen zur Regierungsbildung mit Grünen und SPD.

Sollte der dazu am Freitag geplante Parteitag zustimmen, könnten die Gespräche in der kommenden Woche beginnen, sagte Linke-Landesgeschäftsführer Bjoern Tielebein am frühen Abend vor einem Treffen des Landesvorstands. 

Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen Sonntag war die Linke laut dem vorläufigen Ergebnis mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden.
Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen Sonntag war die Linke laut dem vorläufigen Ergebnis mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden.  © Fabian Sommer/dpa

21. September, 17.25 Uhr: Clan-Mitglied bei Linken-Party - Grüne sehen Klärungsbedarf

Die Grünen haben nach dem Besuch eines führenden Clan-Mitglieds und eines propalästinensischen Aktivisten auf einer Wahlparty der Linkspartei eine klare Distanzierung von ihrem möglichen Koalitionspartner eingefordert. "Eine Koalition mit uns gibt es nicht als Blankoscheck", sagte Grünen-Chef Felix Banaszak.

Berlin müsse eine Stadt bleiben, in der Jüdinnen und Juden ebenso wie Menschen muslimischen Glaubens und Menschen mit palästinensischer Familiengeschichte frei und sicher leben könnten, fügte Banaszak hinzu. Das müsse auch in möglichen Koalitionsverhandlungen klar verankert werden. 

Titelfoto: Britta Pedersen/dpa

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