Dramatische Dänen-Wahl: Linke Mini-Mehrheit und Regierungsrücktritt

Kopenhagen - Dänemark steht nach einer dramatischen Wahlnacht vor der Suche nach einer neuen Regierung. Trotz einer Last-Minute-Mehrheit für das linksgerichtete Lager um ihre regierenden Sozialdemokraten kündigte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (44) in der Wahlnacht an, noch am Mittwoch den Rücktritt ihrer Minderheitsregierung einzureichen.

Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (44) will noch am Mittwoch den Rücktritt ihrer Minderheitsregierung einzureichen.
Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (44) will noch am Mittwoch den Rücktritt ihrer Minderheitsregierung einzureichen.  © dpa/Martin Sylvest

Damit will sie den Weg freimachen, um die Möglichkeiten für eine von ihr angestrebte breite Regierung mit Parteien aus beiden politischen Blöcken ausloten zu können. Solch eine Regierungsform ist in Dänemark selten – nach Ansicht von Frederiksen angesichts der aktuellen Krisen aber genau das Richtige.

Die Sozialdemokraten wurden bei der Wahl mit 27,5 Prozent erneut klar stärkste Kraft. Sie hätten ihr bestes Wahlergebnis seit 20 Jahren eingefahren, sagte Frederiksen am frühen Mittwochmorgen vor Parteianhängern in Kopenhagen. Aber: "Es ist auch klar, dass hinter der Regierung in ihrer jetzigen Form keine Mehrheit mehr steht."

Sie wolle deshalb am Mittwoch zu Königin (82) gehen und den Rücktrittsantrag ihrer Regierung einreichen. Wähle eine Mehrheit der Parteien sie als Sondierungsbeauftragte aus, werde sie prüfen, ob sich die Bildung einer breiten Regierung machen lasse. Eine solche Konstellation würde Dänemark guttun, bekräftigte Frederiksen.

Gas-Deal mit Katar: Hört auf, Zeichen zu setzen, macht endlich mal was!
Internationale Politik Gas-Deal mit Katar: Hört auf, Zeichen zu setzen, macht endlich mal was!

Zuvor hatte Deutschlands nördlicher Nachbar einen der dramatischsten Wahlabende seiner Geschichte erlebt. Prognosen und Hochrechnungen hatten lange Zeit angezeigt, dass weder das rote linksgerichtete Lager noch das blaue Mitte-rechts-Bündnis auf eine Mehrheit kommen würde. Die Schlüsselrolle zwischen den Blöcken hatte zu dem Zeitpunkt der frühere Regierungschef Lars Løkke Rasmussen (58) mit seiner neuen zentristisch-liberalen Partei 'Die Moderaten' inne.

Nach Auszählung aller im Land abgegebenen Stimmen kippte das Bild dann in allerletzter Minute nach links: Der rote Block sprang auf 87 Mandate, während der blaue Block auf 72 kam, 16 entfallen auf Løkkes Moderate.

Titelfoto: dpa/Martin Sylvest

Mehr zum Thema Internationale Politik: