Tankrabatt kommt nur teilweise an: Diesel besonders betroffen

Von Christof Rührmair und Paulina Sternsdorf

München - Das Münchner Ifo-Institut sieht beim Tankrabatt in den ersten drei Tagen nur eine unvollständige Weitergabe an den Zapfsäulen. Die inzwischen geltende Steuersenkung von 16,7 Cent pro Liter komme nicht bei den Autofahrern an - im Gegenteil: Zuletzt stiegen die Spritpreise erneut an.

Für Autofahrer ist die Belastung weiterhin spürbar. (Archivfoto)  © Michael Brandt/dpa

"Beim Diesel haben die Tankstellen in den ersten drei Tagen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 4 Cent weitergegeben. Beim Superbenzin waren es durchschnittlich 12 Cent von den 17 Cent Steuersenkung", sagt Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft.

Basis der Berechnungen des Ifo-Experten sind die Spritpreise in Deutschland und Frankreich und ihre Bewegungen. Der Grundgedanke dabei: Weil die Spritpreise am Markt schwanken, ist es schwierig, zu beurteilen, ob eine Veränderung lediglich diesen Schwankungen folgt oder auf eine Maßnahme wie den Tankrabatt zurückzuführen ist.

Vergleicht man die Preisänderungen mit einem Land ohne eine solche Maßnahme, lässt sich dies besser sehen. 

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Zudem begannen die Ifo-Forscher ihren Vergleich nicht erst am letzten Tag vor dem Inkrafttreten des Tankrabatts, sondern am 23. April, dem letzten Tag vor dem Beschluss des Tankrabatts in Deutschland. So wollten die Forscher ausschließen, dass mögliche Preiserhöhungen vor dem Start deren Effekte verzerren.

Dies spielt vor allem bei Diesel eine entscheidende Rolle, da der Preis für diesen Kraftstoff in Deutschland zwischen Beschluss und Umsetzung des Tankrabatts deutlich zulegte. 

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Tankrabatt sei "grundsätzlich angekommen"

Diesel ist besonders betroffen bei fehlender Rabattweitergabe. (Archivfoto)  © Peter Kneffel/dpa

Bei Diesel gibt es Unsicherheiten bei den Vergleichswerten wegen eines verschärften Preisdeckels beim französischen Mineralölkonzern Total am Wochenende. Neumeier schließt nicht aus, dass das die Zahlen beeinflusst, sagt aber, dass sich Österreich ähnlich wie Frankreich entwickelt habe. Auch wenn man das berücksichtigt, bleibe die Rabattweitergabe bei Diesel schlechter als bei Benzin.

"Die geringe Weitergabe beim Diesel könnte damit zusammenhängen, dass Deutschland Diesel importiert", sagt Neumeier. "Was am Wochenende getankt wurde, unterlag vermutlich noch der vollen Steuer."

Der Verband Fuels und Energie (en2x) nennt Übergangseffekte und steigende Weltmarktpreise als Gründe: "In einer Übergangszeit war noch regulär versteuertes Benzin an den Tankstellen, hinzu kommen steigende Weltmarktpreise insbesondere bei Diesel", sagte ein Sprecher. Trotzdem sei der Rabatt grundsätzlich angekommen: "Ohne die Steuersenkung wären die Preise rund 17 Cent höher. Die Energiesteuersenkung wird somit umfänglich weitergegeben."

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Seit 1. Mai gilt ein Rabatt von 16,7 Cent pro Liter. ADAC und Verbraucherzentrale Bundesverband kritisieren dennoch, dass er nicht vollständig bei den Autofahrern ankommt.

Maßnahme hilft nicht, weniger Sprit zu verbrauchen

Das Ifo führt die Preise in einem öffentlichen "Tankrabatt-Tracker" weiter. Die Forscher sehen den Rabatt kritisch. "Auch wenn die Politik kurzfristig einen günstigeren Benzinpreis an den Zapfsäulen erzielt hat, werden hiermit die falschen Anreize gesetzt", sagt Neumeier.

Die Maßnahme helfe nicht, den Verbrauch von Diesel und Benzin zu senken.

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