Von Nico Pointner, Marco Krefting
Stuttgart - Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (53, parteilos) mahnt im Wirbel um frühere Aussagen von CDU-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Manuel Hagel (37), zur Fairness im Wahlkampf.
Inhaltlich gebe er der Grünen-Politikerin und Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer zwar recht. Ihr Vorgehen sei kritisch, sagte Palmer in einem Facebook-Post. "Es gibt in der Politik viele konkurrierende Ziele. Die Kunst besteht darin, diese in Einklang zu bringen. Das berechtigte Anliegen, das Zoe Mayer umtreibt, hätte auch in zwei Wochen Aufmerksamkeit gefunden", so der Oberbürgermeister.
Ein acht Jahre altes Video so kurz vor der Wahl zum Thema zu machen, erwecke bei vielen unweigerlich den Eindruck, es gehe gar nicht um die Sache, sondern nur darum, dem politischen Gegner zu schaden. "Die Betonung liegt auf acht Jahre altes Video", fügte Palmer hinzu.
Der frühere Grünen-Politiker warnte vor den Folgen, die die Grünen Stimmen kosten könnten. "Es kann eine Koalition mit der CDU erschweren. Ein belastetes Klima kostet Einfluss, vor allem, falls man die Wahl verliert und in einer Koalition als Juniorpartner darum kämpfen muss, eigene Positionen zu sichern", sagte Palmer.
Das Problem sei, dass ausgerechnet eine Bundestagsabgeordnete der Grünen zwölf Tage vor der Wahl ein acht Jahre altes Video kommentiert und damit den Kandidaten der CDU für das Ministerpräsidentenamt zu beschädigen versucht.
"Sie sagt ausdrücklich, dass sie das nicht mit Cem Özdemir abgestimmt und ihn nicht gefragt hat. Ich finde, es wäre besser gewesen, sie hätte das getan und mit ihrer berechtigten Kritik zwei Wochen gewartet."
Hagel wegen sexistischer Aussagen am Pranger
Hagel steht derzeit wegen seiner früheren Aussagen in der Kritik. Rückendeckung bekam er aus den eigenen Reihen. Mayer hatte die Debatte angestoßen. Die Grünen-Politikerin aus Karlsruhe hatte auf X und Instagram ein Video gepostet, in dem der Ausschnitt eines Interviews mit Hagel zu sehen ist.
Der Clip zeigt Hagel in einer Ulmer Gaststätte, er war im Frühjahr 2018 auf YouTube veröffentlicht worden. Hagel war damals 29 Jahre alt, Landtagsabgeordneter und Generalsekretär der CDU.
Hagel berichtet in der Szene von einem Besuch an einer Realschule. In der Klasse hätten damals 80 Prozent Mädchen gesessen. "Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen", sagt Hagel.
Dann geht er auf eine Schülerin näher ein, die die erste Frage gestellt habe: "Ich werd's nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen."