Kann die Hochzeit Özdemir Prozente kosten? Ein Experte klärt auf

Von David Nau

Stuttgart - Die geplante Hochzeit von Cem Özdemir (60, Grüne) und seiner Partnerin Flavia Zaka mitten im Landtagswahlkampf könnte aus Sicht eines Politikforschers auch negative Auswirkungen auf den Wahlkampf des Grünen-Spitzenkandidaten haben.

Cem Özdemir (60, Grüne) und Flavia Zaka (40) werden laut Medienberichten an Valentinstag heiraten.  © Daniel Karmann/dpa

Dessen Wahlkampagne sei ohnehin schon sehr stark auf Özdemir als Person zugeschnitten und mit einem Promifaktor versehen, sagte Frank Brettschneider, der als Kommunikationswissenschaftler an der Universität Hohenheim in Stuttgart lehrt. "Es besteht die Gefahr, dass die Wählerinnen und Wähler sagen: Das ist jetzt zu viel des Guten, das ist eine Überinszenierung."

Der Wissenschaftler glaubt nicht, dass Özdemir mit Blick auf die Wahl von der Hochzeit stark profitieren kann. "Seine Bekanntheit muss Özdemir nicht erhöhen, insofern glaube ich nicht, dass es ihm viel hilft", sagte Brettschneider der Deutschen Presse-Agentur.

Zudem wisse man aus der Forschung, dass Spitzenkandidaten bei Wahlen nicht entlang privater Fragen bewertet würden, sondern dass die Themenkompetenz, die den Kandidaten zugeschrieben werde, entscheidend sei.

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"Über das Unpolitische wie die Frisur, die Kleidung oder das Privatleben wird im Wahlkampf geredet, in der Wahlkabine spielt es aber keine Rolle", sagte Brettschneider der dpa.

Indirekt habe die Hochzeit und die Berichterstattung aber Folgen für den Wahlkampf - zumindest kurzfristig. "Wenn über das berichtet wird, dann wird über anderes nicht berichtet, etwa über Wohnungsbau-, Verkehrs- oder Gesundheitspolitik. Es gibt also einen indirekten Effekt der Verdrängung anderer Themen", sagte Brettschneider.

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Der Politikexperte Frank Brettschneider analysierte die Einflussnahme der bevorstehenden Hochzeit auf das Wahlgeschehen.  © Bernd Weißbrod/dpa

Özdemir und Zaka geben sich in Tübingen das Jawort

Das große Interesse an der persönlichen Nachricht zeige aber auch, dass der Wahlkampf bisher keine großen inhaltlichen Themen habe, analysiert der Politik- und Kommunikationsforscher. "Wenn es große Streitthemen gäbe, über die die Parteien viel debattieren, dann hätte eine solche private Meldung keine so große Resonanz über den unterhaltenden Glamour-Faktor hinaus."

Der 60 Jahre alte Özdemir und seine 20 Jahre jüngere Partnerin wollen sich in Tübingen im kleinsten Kreis das Jawort geben. Medienberichten zufolge findet die Hochzeit am Samstag, dem Valentinstag, statt.

Einer Sprecherin Özdemirs zufolge bekommt das Paar einen prominenten Standesbeamten: Rathauschef Boris Palmer (53, parteilos) wird die Trauung demnach durchführen. Er sei ein langjähriger Freund der Familie, so die Sprecherin. Eine größere Feier solle erst im Sommer stattfinden.

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