Nach Jugendprotesten: Özdemir wirbt weiter für Pflichtjahr
Von Martin Oversohl
Stuttgart - Nach den Jugendprotesten in Stuttgart, Frankfurt und anderen deutschen Städten dringt Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (60) weiter auf einen allgemeinen Pflichtdienst.
Statt die Debatte über die Wehrpflicht zu führen, sollten Politik und Gesellschaft über "ein Jahr für die Gesellschaft" sprechen, sagte der Grünen-Politiker dem "Kölner Stadt-Anzeiger".
Die Idee eines "republikanischen Jahres" hatte er unter anderem bereits im Oktober 2025 geäußert.
Junge Menschen sollten selbst entscheiden, ob sie den Dienst im sozialen Bereich, im Natur- oder Katastrophenschutz oder bei der Bundeswehr leisten.
"Wir brauchen kein Jahr, das von jungen Menschen als Zwang empfunden wird, sondern eines, auf das sie stolz sind", sagte Özdemir der Zeitung. Als Anreiz schlug er unter anderem einen kostenlosen Führerschein vor.
Nicht über die Köpfe hinweg entscheiden
Der baden-württembergische Regierungschef warnte davor, eine Wehrpflicht "über die Köpfe hinweg" anzuordnen.
"Die Gerechtigkeitsfrage verläuft heute bei weitem nicht mehr nur zwischen Arm und Reich, sondern auch zwischen Jung und Alt", sagte er weiter. "Wer das übergeht, vertieft den Graben zwischen den Generationen."
Außerdem hätten nicht erst die Gen-Z-Proteste gezeigt, dass junge Leute nicht mit Druck, sondern mit einem guten Angebot zu gewinnen seien.
Wer ein Jahr für andere da sei, nehme etwas für das ganze Leben mit.
Titelfoto: Bernd Weißbrod/dpa

