Kommentar zur Merz-Ansprache: Chance vertan

Berlin/Schwerin - Die Analyse kam schnell und präzise: Für die CDU ist dieses Ergebnis tatsächlich "ein Desaster". Im Norden spielt sie keine Rolle, in der Hauptstadt nicht mehr die erste Geige. Was bringt den Bundeskanzler dazu, sich gerade jetzt in seinem Kurs bestärkt zu sehen?

Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) trat unmittelbar nach Schließung der Wahllokale vor die Presse, ohne jedoch etwas Signifikantes zu verkünden.  © Michael Kappeler/dpa

Mit ungläubigem Kopfschütteln dürfte die Reaktion der meisten Zuschauer noch sehr höflich ausgedrückt sein.

Merz steht spätestens seit dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt massiv unter Druck. Der häufigste Vorwurf: Sein Auftreten ist arrogant, sein Blick auf den Osten ignorant. Seine Ansprache war wie eine Bestätigung, dass diese Vorwürfe nicht ganz haltlos sind.

Selbstverständlich hat Merz recht: Deutschland braucht dringend Reformen. Dafür braucht es aber einen Kanzler mit Gestaltungskraft. Ob Merz den dafür nötigen Rückhalt in den eigenen Reihen noch hat, wird zunehmend fraglich. Daran ändert auch der demonstrative Schulterschluss mit den Länder-Chefs nichts.

Friedrich Merz Schicksals-Treffen im Kanzleramt: Stellt Friedrich Merz am Sonntag die entscheidende Frage?

Dieser Doppel-Wahlabend in Berlin und in Mecklenburg-Vorpommern wäre der richtige Zeitpunkt gewesen, um zumindest den CDU-Parteivorsitz abzugeben. Demut vorm Wählervotum zeigen, Kräfte bündeln und die Wichtigkeit von Reformen unterstreichen.

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TAG24-Redakteur Mario Adolphsen findet, dass es angemessen wäre, wenn Friedrich Merz wenigstens den Parteivorsitz abgegeben hätte.  © Steffen Füssel

Chance vertan, Kanzler! So zementiert sich das Bild eines Machtmenschen, der Willen zur Veränderung einfordert, ohne selbst Konsequenzen zu ziehen.

Für einen "Herbst der Reformen" - ja, auch dieser soll einer werden - ist das ein denkbar schwacher Start.

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