Gamescom gestartet, Bundespräsident warnt: Leidet Gamingbranche noch an schlechtem Ruf?
Von Wolf-Dietrich von Dewitz
Köln - Kaum hat Frank-Walter Steinmeier (70) die Gamescom betreten, warnt der amtierende Bundespräsident vor den Schattenseiten der Branche.
"Gerade weil Computer- und Videospiele so allgegenwärtig geworden sind, müssen wir auch über die Schattenseiten dieser Entwicklung sprechen, sachlich, ehrlich und differenziert", erklärte der 70-Jährige bei der Eröffnung des Kongressprogramms.
Computerspielsucht sei eine von der Weltgesundheitsorganisation anerkannte Erkrankung, die schwerwiegende Folgen für Betroffene habe.
"Und es gibt ja einige Computerspiele, in denen junge Menschen mit Brutalität und roher Gewalt in Berührung gebracht werden, mit Sexismus, Rassismus, mit menschenverachtendem Denken und extremistischen Ideologien." Es war der erste Besuch des deutschen Staatsoberhaupts bei der weltgrößten Gamingmesse, die noch bis Sonntag dauert.
"Es braucht klare Regeln, um die Gewaltverherrlichung, die Verbreitung von extremistischen und demokratiefeindlichen Inhalten zu verhindern - auch in Video- und Computerspielen -, und das gerade in einer Zeit, in der auch unsere Demokratie stärker bedroht ist und angefochten wird."
Allein in Deutschland spielten mehr als 40 Millionen Menschen - "manche regelmäßig, einige exzessiv, viele nur gelegentlich". Es seien Frauen und Männer gleichermaßen, Junge und "nicht mehr ganz so Junge". "Games sind längst in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen."
Die Gamescom läuft seit Mittwoch und endet am Sonntag (30. August). Mehr als 350.000 Besucherinnen und Besucher werden erwartet.
Titelfoto: Christoph Reichwein/dpa
