Von Jörg Schurig, Sebastian Kunigkeit-Will
Berlin/Dresden - BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht (57) hält die Debatte um das Singen der DDR-Hymne auf einer AfD-Veranstaltung für völlig überzogen.
"Wer die DDR-Hymne singen möchte, soll sie singen. Hier wird wieder ein Skandal herbeigeredet, wo keiner ist", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. "Die Ostdeutschen sollten sich die Erinnerung an ihre Hymne nicht nehmen lassen."
Die DDR-Hymne "Auferstanden aus Ruinen" war am Dienstag auf einer Wahlveranstaltung der AfD in Sachsen-Anhalt erklungen - angestimmt vom Kabarettisten Uwe Steimle (63).
Auch AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla (51) und der sachsen-anhaltische Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) sangen auf der Veranstaltung in Dessau-Roßlau zumindest Teile der Hymne mit. Im Anschluss daran wurde auch noch die Hymne der Bundesrepublik gesungen.
Der Vorfall sorgte für Kritik. Die SED-Opferbeauftragte Evelyn Zupke (64) beklagte eine "Verharmlosung der DDR". Für die Menschen, die zu Opfern des Systems wurden, sei eine solche Geschichtsvergessenheit unerträglich.
Sachsen-Anhalts Aufarbeitungsbeauftragter Johannes Beleites (59) sprach von einer Geringschätzung der Menschen, die für Freiheit und Demokratie ihr Leben riskiert oder lange Haftstrafen in Kauf genommen haben.
Uwe Steimle kontert: "Hab mir nichts vorzuwerfen"
Uwe Steimle wies die Kritik an seinem Auftritt bei einer AfD-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt unterdessen zurück.
"Ich hab mir nichts vorzuwerfen", sagte der 63-Jährige dem Internet-Radiosender "Kontrafunk". Er versuche, mit den Mitteln der Satire aufzurütteln. Er sei "ein alter Linker" und lasse sich nicht zu einem "neuen Rechten" machen.
Steimle erklärte, er sei überrascht, wie textsicher die Menschen gewesen seien. "Im Saal haben alle mitgesungen. Toll!" Er sei mit der DDR-Hymne groß geworden. Er singe auch "die andere Hymne" mit. Aber: "Ich bin nicht angekommen in der BRD."
Der Kabarettist kritisierte, dass viele Entscheidungsträger und Immobilienbesitzer aus dem Westen kämen. "Da kann von einer Wiedervereinigung nicht die Rede sein. Wir sind ein besetztes Land. Und das ist eine Schande", sagte er.