Tankrabatt im Bundestag beschlossen! Wann wird es billiger und wie viel?
Von Sascha Meyer
Belin / München - Der Bundestag hat am Freitag im Eilverfahren einen erneuten Tankrabatt wegen der hohen Spritpreise beschlossen. Mit dem Gesetz der schwarz-roten Koalition wird die Energiesteuer auf Diesel und Benzin von Oktober bis Ende Dezember um 14 Cent je Liter gesenkt.
Mit Mehrwertsteuer ergibt sich insgesamt eine Entlastung um 17 Cent pro Liter. Als letzte Hürde sollte das Gesetz noch am Freitag auch vom Bundesrat gebilligt werden, damit es zum 1. Oktober in Kraft treten kann.
Der CDU-Finanzpolitiker Stefan Korbach sagte, hohe Preise träfen private Haushalte und belasteten Betriebe. Der Tankrabatt sei "das beste schnell verfügbare Instrument", das ohne Anträge wirke. SPD-Fraktionsvize Armand Zorn wies auf viele Menschen hin, die auf das Auto angewiesen seien um zur Arbeit zu kommen.
Die Koalition hat auch einen "Spritpreisdeckel" verabredet, der den Spielraum der Mineralölkonzerne für Preiserhöhungen begrenzen soll.
Tankrabatt wird erst nach einigen Tagen spürbar sein
Die Tankstellen müssen die Steuersenkung nicht eins zu eins weitergeben. Aus der Erfahrung mit dem jüngsten, weitestgehend identisch angelegten Tankrabatt im Mai und Juni ist aber zu erwarten, dass die Preise in der Nacht zum 1. Oktober schnell fallen werden - oft schon um Mitternacht.
Das liegt vor allem an den Erwartungen der Kunden. Denn um Mitternacht haben die Tankstellen noch keinen Sprit mit Steuerrabatt in ihren Tanks. Der gilt nämlich nur für Kraftstoff, der nach Mitternacht die Raffinerien oder Großtanklager verlässt.
Bis überall steuerverbilligter Sprit im Lager ist, kann es also ein paar Tage dauern. Die Preise fallen durch den Wettbewerb aber voraussichtlich überall - genauso wie sie am Ende des Rabatts auch da steigen werden, wo noch steuerreduzierter Sprit in den Lagern ist.
Einen Grund früh aufzustehen gibt es jedoch nicht. Einerseits kann der Preis wegen der Vorgabe, dass eine Erhöhung nur täglich um 12 Uhr zulässig ist, bis Mittag ja nicht wieder steigen, sondern nur sinken. Typischerweise ist der späte Nachmittag der billigste Moment des Tages. Andererseits zeigt die Erfahrung aus dem letzten Rabatt, dass es etwas dauern kann, bis die Steuersenkung ganz oder weitgehend weitergegeben wird.
Wer noch ausreichend Sprit im Tank hat, kann sich mögliche Schlangen am ersten Tag des Rabatts also sparen.
Ein Blick in die Tank-App lohnt sich trotz Tankrabatt
Ob der genannte Rabatt zu 100 Prozent bei den Kunden ankommt ist umstritten. Beim Rabatt im Mai und Juni hatten unter anderem Ifo-Institut, Monopolkommission und Bundeskartellamt nur eine unvollständige Weitergabe errechnet. Die Mineralölwirtschaft bestreitet dies. Grundsätzlich ist die Weitergabe schwierig messbar, da der Spritpreis durch Einflüsse von außen deutlich schwankt.
Gerade zu Beginn des Rabatts kann es je nach Tankstelle große Unterschiede in der Weitergabe geben. Ein Preisvergleich lohnt in dieser Zeit noch mehr als sonst.
Autofahrer, die jetzt an die "gute Zeit" vor dem Nahost-Konflikt denken und hoffen, dass der Sprit wieder so günstig wie damals sein wird, werden jedoch enttäuscht sein. Am letzten Tag vor Kriegsausbruch Ende Februar kostete ein Liter Super E10 nach Daten des Autofahrerclubs ADAC im bundesweiten Tagesdurchschnitt 1,78 Euro, ein Liter Diesel 1,75 Euro - der Abstand zu den aktuellen Preisen ist damit sehr viel größer als der geplante Steuerrabatt.
Sorgen um einen eventuellen Engpass müssen sich Verkehrsteilnehmer gleichzeitig nicht machen.
Erstmeldung 8.45 Uhr.
Titelfoto: Sven Kaeuler/dpa
