KZ Ravensbrück: Historische Schätze von früheren Siemens-Zwangsarbeitern gefunden

Ravensbrück - Zwischen 1939 und 1945 starben im Konzentrationslager Ravensbrück Tausende Menschen - insbesondere Frauen. Siemens machte sich deren Arbeitskraft vorher zunutze. Das Unternehmen hatte nun Ausgrabungen veranlasst.

Bei Ausgrabungen im alten Siemenslager am Konzentrationslager Ravensbrück sind verschiedene Münzen und Werkteile gefunden worden.
Bei Ausgrabungen im alten Siemenslager am Konzentrationslager Ravensbrück sind verschiedene Münzen und Werkteile gefunden worden.  © Johanna Drefs/dpa

Dabei wurden verschiedene Münzen und Werkteile gefunden. Die Ausbeute sei jedoch überschaubar, sagte Claudia Theune (63), Universitätsprofessorin für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Wien und Leiterin der Ausgrabungen im Sommer.

Das liege daran, dass in der Nachkriegszeit das Gelände lange Jahre von der Roten Armee genutzt und viel überformt worden sei. Es seien "deutliche Veränderungen" durch Abtragungen vorgenommen worden.

Zudem könne sie sich vorstellen, dass Soldaten der Roten Armee auch einen Teil der Gegenstände vor Jahren mitgenommen haben.

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Das ehemalige Frauen-KZ Ravensbrück befindet sich etwa 90 Kilometer nördlich von Berlin. Ab 1942 bis zum Kriegsende mussten die Insassinnen laut Theune in einer von Siemens & Halske nahe am KZ errichteten Produktionsstätte für das Unternehmen Zwangsarbeit leisten.

Die Zwangsarbeiterinnen fertigten unter anderem Spulen, Kippschalter, Mikrofone, Telefone und Messinstrumente für U-Boote und die Luftwaffe. Im Zuge dessen errichtete man auch das Siemenslager direkt neben der Produktionsstätte.

Von diesem ist heute bis auf einzelne Fundamente nichts mehr zu sehen – das Gelände ist überwuchert, teils mit Wald bedeckt.

Historische Fundstücke in KZ Ravensbrück aufgetaucht

Blick auf das Krematorium mit dem dahinterliegenden Gefängnis in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück.
Blick auf das Krematorium mit dem dahinterliegenden Gefängnis in der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück.  © Carsten Koall/dpa

Als besondere Fundstücke bezeichnete Theune verschiedene Produkte und Bauteile, die während des Krieges in den Werkhallen produziert wurden und die die Frauen mit in ihre Unterkünfte genommen hatten.

Siemens stelle sich schon lange der eigenen NS-Geschichte, sagte Theune. Sie beobachte, dass "richtig große Firmen" wie IG Farben oder Bayer und eben auch Siemens sichtbar an einer Aufarbeitung interessiert seien. "Siemens hat da auch eine Vorreiterrolle."

Das begann, als in Deutschland ein Fonds für die Entschädigung von Zwangsarbeitern Anfange der 2000er eingerichtet wurde, wie Theune zurückblickt.

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Jedes Jahr schicke Siemens Azubis nach Ravensbrück, um dort Projekte wie den Aufbau von Beschilderungen und Informationstafeln durchzuführen. In diesem Jahr sei geplant, die Standorte der Baracken, von denen heute nichts mehr sichtbar ist, zu markieren.

Die Ausgrabungen seien erstmal eine einmalige Aktion gewesen, sagte Theune. 15 Siemens-Auszubildende hätten an der Aktion teilgenommen. Die bis zu 100 Fundstücke bleiben laut Theune in der Gedenkstätte Ravensbrück und könnten für Ausstellungen genutzt werden.

Titelfoto: Johanna Drefs/dpa

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