Bayernweit 16 "Reichsbürger" im Staatsdienst, teilweise sogar bei der Polizei

München - Bei der bayerischen Polizei und dem bayerischen Verfassungsschutz sind derzeit sechs Beamte beschäftigt, die der sogenannten Reichsbürgerbewegung zugeordnet werden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (66) erklärte, dass gegen die Beamten, die sich zur Reichsbürgerbewegung zählen, Disziplinarklagen erhoben wurde.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (66) erklärte, dass gegen die Beamten, die sich zur Reichsbürgerbewegung zählen, Disziplinarklagen erhoben wurde.  © Matthias Balk/dpa

Das geht aus einer Antwort von Innenminister Joachim Herrmann (66, CSU) auf eine Anfrage der Landtagsgrünen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur in München vorliegt.

Allen sechs Personen sei die Führung ihrer Dienstgeschäfte verboten worden oder sie wurden bereits vorläufig aus dem Dienst enthoben.

Der Minister erklärte, wenn sich bestätigen sollte, dass die Beamten zur Reichsbürgerbewegung gehörten, werde Disziplinarklage erhoben - Ziel sei dann, die Beschäftigten aus dem Beamtenverhältnis zu entfernen.

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Zwei Polizeibeamte hätten bereits rechtskräftig ihren Beamtenstatus verloren. Bei vier Ruhestandsbeamten sei zudem das Ruhegehalt aberkannt worden. Ein weiterer Polizeibeamter sei auf eigenen Antrag hin nach der Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen ihn entlassen worden.

Bayernweit sind nach Angaben von Herrmann 13 Beamte und drei Arbeitnehmer bekannt, die beim Freistaat beschäftigt sind und in unterschiedlichem Maße Bezüge zur Reichsbürgerbewegung haben. "Es handelt sich um 13 Verdachtsfälle und drei bestätigte Fälle", betonte Herrmann unter Verweis auf die jüngste Erhebung aus dem März 2022.

"Reichsbürger haben im öffentlichen Dienst nichts verloren. Es ist doch absurd, wenn Personen, die unseren Staat ablehnen, für diesen arbeiten. Und es ist brandgefährlich, wenn diese dann auch noch Zugang zu Waffen haben", sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze (37).

Grünen-Fraktionschefin: Bayern ist Reichsbürger-Hotspot in Deutschland

Akzeptieren den deutschen Staat nicht, arbeiten aber teilweise im Staatsdienst: Bayernweit sollen - Kenntnisstand jetzt - 13 Reichsbürger als Beamte eingesetzt sein.
Akzeptieren den deutschen Staat nicht, arbeiten aber teilweise im Staatsdienst: Bayernweit sollen - Kenntnisstand jetzt - 13 Reichsbürger als Beamte eingesetzt sein.  © Christophe Gateau/dpa

Bei der Razzia kürzlich sei erkennbar gewesen, dass die Demokratiefeindlichkeit tief in der Mitte der Gesellschaft verankert sei. "Sie ist überall zu finden, in der Polizei, Bundeswehr, im Gesundheitswesen und auch in den Parlamenten mit der AfD, dem parlamentarischen Arm des Rechtsterrorismus."

Bayernweit wurden Ende September rund 5200 Personen der sogenannten Reichsbürgerszene zugeordnet - das bedeutet, dass knapp ein Viertel aller bundesweit bekannten Reichsbürger in Bayern lebt.

Deutschlandweit sehen sich laut Bundesamt für Verfassungsschutz 23.000 Personen als "Reichsbürger" - sie erkennen die Bundesrepublik und ihre demokratischen Strukturen nicht an, weigern sich oft, Steuern zu zahlen und stehen häufig im Konflikt mit Behörden.

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"Diese Entwicklung ist alarmierend. Trotz verschärfter Repressionen ist der Freistaat Bayern der Reichsbürger-Hotspot in Deutschland", sagte Schulze. Reichsbürger dürften nicht als "schrullige Opas" oder "verrückte Spinner" verniedlicht werden, dies verharmlose den Rechtsextremismus generell und sei für die Demokratie "brandgefährlich".

Die Bundesanwaltschaft hatte Anfang Dezember bei einer bundesweiten Razzia 25 Menschen festnehmen lassen, darunter auch frühere Offiziere und Polizeibeamte.

Sie sollen Mitglieder einer terroristischen Vereinigung gewesen sein, die das politische System stürzen wollte. 23 in Deutschland festgenommene Beschuldigte sind in Untersuchungshaft.

Herrmann hatte nach der Razzia mit vier Festnahmen in Bayern auch wiederholt gefordert, die Entwaffnung sogenannter Reichsbürger noch schneller voranzutreiben. Dies sei aber nicht in allen Fällen möglich, hieß es aus seinem Ministerium.

Titelfoto: Montage: Matthias Balk/dpa + Christophe Gateau/dpa

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