Wilde Zwanziger, Nackte und ein Philosoph: NRW präsentiert seine Ausstellungen für 2023

Düsseldorf – Die Museen in NRW haben 2023 viel vor. Das LWL-Kunstmuseum in Münster zeigt nackte Haut: eine ganze Kunstschau mit Aktdarstellungen. Wuppertal vereint die Arbeiten der Klassiker Pablo Picasso und Max Beckmann. Die Auswahl unter den Ausstellungen ist groß.

Im Düsseldorfer Kunstpalast kommen die Ölstudien groß raus – Skizzen, die nie als Endprodukt gedacht waren.
Im Düsseldorfer Kunstpalast kommen die Ölstudien groß raus – Skizzen, die nie als Endprodukt gedacht waren.  © picture alliance / dpa

Ein Blick zurück in die Zeit der Wilden Zwanziger vor 100 Jahren und die Entdeckung der Druckgrafik als Kunstform: Die Museen in Nordrhein-Westfalen haben ihre Programme für 2023 festgezurrt. Überraschend ist eine Ausstellung über das wenig bekannte Format der Künstler-Ölstudien, sicher lehrreich eine Schau über den Philosophen der Aufklärung Immanuel Kant. Mehrere Ausstellungen sind Kooperation mit anderen Häusern.

ÖLSTUDIE:
Ein kleines Format kommt im Kunstpalast in Düsseldorf groß raus. Ab 1820 fertigten Künstler unter freiem Himmel Ölstudien. Sie waren für den privaten Gebrauch gemalt, fast nie signiert, eine Sammlung von Motiven auf Pappe. Die Erfindung der Farbtube 1841 erleichterte das Malen im Freien.

Zu sehen sind 170 Bilder von 75 Künstlern, darunter Caspar David Friedrich und Camille Corot. Die Themen kommen aus der Natur: schlechtes Wetter, die Farbe Grau in allen Schattierungen, der Auf- und Niedergang der Sonne. Kurator ist der Autor und Journalist Florian Illies.

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"Mehr Licht. Die Befreiung der Natur" (8. Februar bis 7. Mai 2023)

Zeitreise in Bonn, Druckgrafik in Essen

In der Bundeskunsthalle in Bonn können Interessierte auf Zeitreise gehen.
In der Bundeskunsthalle in Bonn können Interessierte auf Zeitreise gehen.  © Oliver Berg/dpa

ZEITREISE:
Die Bundeskunsthalle in Bonn holt die 1920er Jahre in eine Ausstellung. Da war die Welt nach dem Horror des Ersten Weltkriegs im Umbruch. Globalisierung, Experimentierlust, Technisierung und Massenkommunikation prägen das Jahrzehnt. Frauen tragen kurze Kleider, rauchen, arbeiten.

In der Kunst mischen neben Paris oder Wien auf einmal auch Metropolen wie Berlin, Moskau, Rom oder New York mit. In der Ausstellung stehen Kunst, Objekte und Alltagsgegenstände für die sich rasant ändernde Welt vor 100 Jahren. Parallelen zu den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts gibt es auch.

"1920er! Im Kaleidoskop der Moderne" (1. April bis 30. Juli 2023)

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WIE GEDRUCKT:
In einer Ausstellung über Druckgrafik und Künstlerbücher bringt das Folkwang Museum in Essen moderne Klassiker aus dem Paris des 20. Jahrhundert zusammen. Gezeigt wird, wie aus der Druckkunst ein eigenes Genre wurde.

Marc Chagall, Henri Matisse, Joan Miró oder Pablo Picasso schufen auf diese Weise Werke, die weit verbreitet wurden und die heute Klassiker sind. Die Schau präsentiert grafische Werke, Künstlerplakate, Mappenwerke und Gemälde. Vorgestellt werden auch Druckwerkstätten, in denen die Exponate entstanden sind.

"Chagall, Matisse, Miró" (1.9. bis 7.1.2024)

Nackte Körper in Münster

In Münster wird es nackt: Im LWL-Museum präsentieren die Kuratoren Zeichnungen bekannter Künstler.
In Münster wird es nackt: Im LWL-Museum präsentieren die Kuratoren Zeichnungen bekannter Künstler.  © picture alliance / dpa

NACKT:
Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster füllt eine ganze Ausstellung mit Darstellungen nackter Menschen. Gezeigt werden 90 Arbeiten von Edvard Munch, August Macke, Auguste Rodin, Edgar Degas, Henri Matisse, Pablo Picasso, Francis Bacon, Jackson Pollock und anderen.

Dabei werden die Darstellungen geordnet: vom historischen Akt oder privaten und modernen Darstellungen, surrealen Körpern bis hin zu politisch aufgeladenen Motiven.

Die Ausstellung "Nudes. Radikal nackt" ist eine Kooperation mit der Tate in London, die etwa 70 Werke nach Münster gibt, rund 20 steuert das Museum selbst bei. (10. November bis 14. April 2024)

ENTDECKER:
Als weltweit erstes Museum hat das Von der Heydt-Museum in Wuppertal ein Gemälde von Pablo Picasso gekauft. Das war 1911. Auch das Werk "Selbstbildnis als Krankenpfleger" von Max Beckmann aus dem Jahr 1915 wurde in Wuppertal früh erworben.

Nun präsentiert das Haus beide Schlüsselfiguren der Moderne zusammen in mehr als 100 Werken. Sie erlebten beide Weltkriege bis nach 1945 und prägten mit ihrer Kunst den Blick auf das 20. Jahrhundert. So unterschiedlich Picasso und Beckmann waren, in ihrem Werk ging es um die Kernfragen der menschlichen Existenz.

"Pablo Picasso – Max Beckmann" ist eine Kooperation mit dem Sprengel Museum Hannover und erinnert an den 50. Todestag Picassos im Jahr 2023. (17. November bis 7. Januar 2024)

Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal zeigt unter anderem Gemälde von Picasso und Beckmann.
Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal zeigt unter anderem Gemälde von Picasso und Beckmann.  © Marcel Kusch/dpa

Immanuel Kant in der Bonner Bundeskunsthalle

IMMANUEL KANT:
Vor seinem 300. Geburtstag kommt der Philosoph der Aufklärung Immanuel Kant (1724-1804) ins Museum. Die Ausstellung will sein anspruchsvolles Werk allgemeinverständlich darbieten. In der Bonner Bundeskunsthalle ermöglicht eine Virtual-Reality-Rekonstruktion des barocken Königsbergs eine Zeitreise in die Stadt von einst.

In der preußischen Residenzstadt verbrachte Kant 73 Jahre seines Lebens. Hier fand der Denker mit der hohen Stirn sein kreatives Milieu und folgte einem streng durchgeplanten Alltag. Die Ausstellung zeigt Gemälde, Grafiken, wissenschaftliche Instrumente und Handschriften.

"Immanuel Kant und der Geist der Aufklärung" (24. November bis 10. März 2024)

Titelfoto: picture alliance / dpa

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