Tierärztin bläst nach Wal-Rettung zum Angriff

Poel - Die Freude war am Dienstagnachmittag riesengroß! Der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal "Timmy" schwamm in eine Barge und soll nun in die Nordsee transportiert werden. Zwischen all dem Jubel schlug Tierärztin Kirsten Tönnies (58) allerdings sehr kritische Töne an.

Tierärztin Kirsten Tönnies (58) übte nach der vorläufigen Rettung von "Timmy" scharfe Kritik.  © Philip Dulian/dpa

Im Anschluss an mehrere Personen, darunter MV-Umweltminister Till Backhaus (67, SPD) und Constanze von der Meden, Anwältin der Rettungsinitiative, schritt Tönnies selbst ans Mikrofon.

"Es ist für mich ein Lehrbeispiel, wie in Deutschland durch Behörden und Ministerien Tierschutz behindert wird", startete sie ihre Kritik.

Selbst als sie draußen auf dem Wasser war und "Timmy" kurz davor war, in die Barge zu schwimmen, musste sie noch Formulare ausfüllen und Anträge unterschreiben. "Ich habe gedacht, ich werde wahnsinnig."

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Sie selbst habe am Dienstagmorgen noch "den letzten Anschiss" bekommen, "aber wenn sie eine Ausrede finden wollen, um nichts zu tun, dann reden sie von Würde", lautete ihre Antwort auf die Nachfrage zu ihrem Verhältnis zu Backhaus.

Tönnies schob nach, dass "Timmy" alles andere als ein tot geweihtes Tier sei. "Wenn wir den hätten da liegen lassen, dann hätten wir uns noch wochenlang angucken können, wie der elendig da draußen gestorben wäre", gab die Veterinärin zu bedenken.

Allerdings ist auch unklar, inwiefern der Buckelwal den Transport in die Nordsee übersteht. "Dann ärgere ich mich, dass wir nicht schon vor Wochen mit der Aktion angefangen haben", schob sie nach.

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Tierärztin Kirsten Tönnies wirft deutschen Behörden Versagen vor

"Timmy" wird mit einer Barge in die Nordsee transportiert.  © Philip Dulian/dpa

Tönnies nutzte die Gelegenheit und kritisierte anschließend den Widerstand gegen den Tierschutz. "Ich will das nutzen, um darauf aufmerksam zu machen", stellte sie klar. Aus ihrer Sicht gehe es nicht nur um "Timmy", sondern um viel mehr. Sie warf der Behördenstruktur im Land Versagen vor.

Während sich um den Transport des Buckelwales große Sorgen gemacht worden sei, interessiere es bei anderen Tieren niemanden, so Tönnies.

"Zu den Leiden von den Schweinen, die auf die Hänger geprügelt werden, die Kühe mit Elektroschockern und die Tiere, die wir 5000 Kilometer irgendwo exportieren ins Ausland. Da haben die Behörden kein Problem mit", prangerte die Tierärztin an.

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Voller Ironie habe sie gesagt: "Wir benutzen keine Stachelholzbänder und keine Elektroschocker, um 'Timmy' da reinzukriegen." Sie habe oft erklären müssen, wie der Wal in die Barge komme.

Daher forderte sie dringende Änderungen. "Wenn das vielleicht einen kleinen Anstoß dafür geben kann, dass wir zukünftig mit diesen leidenden, leidensfähigen Wesen anders umgehen und Umweltschutz anders sehen, hat es sich gelohnt." Nun bleibt nur zu hoffen, dass "Timmy" den Weg in die Nordsee schafft.

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