Die Gedanken sind frei! Die Festung Königstein hat den Rasen schön

Königstein - Man muss schon fast ein Adler sein, um zu erkennen, was da auf der Festung Königstein auf dem Rasen steht: "Die Gedanken sind frei". Der Künstler Ralf Witthaus (48) mähte am Wochenende die Liedzeile des deutschen Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben in das Grün des alten Exerzierplatzes.

Selbst auf dem Entwurf, den Ralf Witthaus (48) zeigt, ist der Schriftzug "Die Gedanken sind frei" nicht auf die Schnelle zu erkennen.
Selbst auf dem Entwurf, den Ralf Witthaus (48) zeigt, ist der Schriftzug "Die Gedanken sind frei" nicht auf die Schnelle zu erkennen.  © Marko Förster

Das Nicht-sofort-erkennen, das Verweilen und Nachdenken gehört zum Plan des Kölner Landschaftskünstlers. Und zu dem der Festung.

"Mit der Aktion möchten wir einen Denkanstoß geben. Was bedeutet Meinungsfreiheit heute? Das ist ein wichtiges und aktuelles Thema", so Festungschefin Angelika Taube (64).

"Meinungsfreiheit ist ein Merkmal der Demokratie, für das Menschen hierzulande Jahrhunderte lang gekämpft haben". Und dafür auf Königstein inhaftiert wurden - wie der Sozialdemokrat August Bebel, der Schriftsteller Frank Wedekind oder der Maler Thomas Theodor Heine.

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So selbstverständlich wie das Mitwirken an der Demokratie heute ist - so selbstverständlich bezog Witthaus freiwillige Helfer beim Vermessen, Abstecken, Mähen und Sensen des Areals und dem Entstehen seines "typografischen Gartens" mit ein.

Künstler Ralf Witthaus (48) vor dem fast vollendeten Rasen-Kunstwerk.
Künstler Ralf Witthaus (48) vor dem fast vollendeten Rasen-Kunstwerk.  © Marko Förster
Ralf Witthaus (48) weiß: Ebenerdig ist der Schriftzug schwer zu erkennen.
Ralf Witthaus (48) weiß: Ebenerdig ist der Schriftzug schwer zu erkennen.  © Marko Förster
Birgit Seger (68) bringt mit dem Rechen den rasenfreien Boden in Schuss.
Birgit Seger (68) bringt mit dem Rechen den rasenfreien Boden in Schuss.  © Marko Förster

Aktion wird von der Kulturstiftung des Bundes gefördert

Die Aktion fand im Rahmen des Projektes "180 Ideen für Sachsen" der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden statt und wurde von der Kulturstiftung des Bundes gefördert.

Witthaus modellierte schon 1998 als Student "Die Liegende von Werl" – eine 550 Meter lange Skulptur aus über 90.000 Kubikmetern Erde. 2010 veranstaltete er in Köln eine "Bundesrasenschau", 2017 zeichnet er eine 600 Meter lange Perlenkette in den italienischen Alpen.

Es klingt ironisch: "Die Gedanken sind frei" - bis Gras drüber gewachsen ist.

Titelfoto: Marko Förster

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