Expertin verrät: So einfach geht Energie-Sparen im Haushalt

Dresden - Nicht nur die öffentliche Hand muss Energie sparen. Auch Unternehmen und Bürger tragen immer mehr Sorge, einerseits die hohen Energiekosten nicht mehr schultern zu können, andererseits im Winter nicht mehr produzieren bzw. heizen zu dürfen. Tipps und Alternativen ..

Energieberaterin Ulrike Körber (54) berät im Auftrag der Verbraucherzentrale Sachsen.
Energieberaterin Ulrike Körber (54) berät im Auftrag der Verbraucherzentrale Sachsen.  © Thomas Türpe

Die wirksamste Maßnahme für jeden Haushalt, um Energie zu sparen: "Einfach abschalten, und zwar nicht nur das Licht. Technik, die nicht genutzt wird und nicht an der Steckdose hängt, verbraucht keinen Strom", sagt Ulrike Körber, unabhängige Energieberaterin der Verbraucherzentrale Sachsen.

Ihr Rat: "Ein gezielter Rundgang durch die Wohnung offenbart vielleicht eine verwaiste Lichterkette, ein Netzteil, einen W-LAN-Repeater im ungenutzten Zimmer." Auch schaltbare Steckerleisten könnten Abhilfe schaffen.

"Aber wer es ernst meint, sollte seine Gewohnheiten ehrlich hinterfragen: Muss ich schon wieder Wäsche waschen? Muss der Fernseher ständig laufen? Machen wir mal was zusammen oder läuft in jedem Zimmer ein anderer Film?

EU-Parlament als Staatskanzlei: Kretschmers graue Eminenz zieht's nach Brüssel
Sachsen EU-Parlament als Staatskanzlei: Kretschmers graue Eminenz zieht's nach Brüssel

Gibt’s heute wieder Pizza oder doch lieber Salat? Und ja, auch ein Ventilator oder ein Klimagerät, so sehr wir es dieser Tage genießen, verbraucht nicht wenig Strom", mahnt die Expertin.

So geht Energie-Sparen im Haushalt

Bei Kühlschränken lohnt es sich, häufiger mal auszumisten.
Bei Kühlschränken lohnt es sich, häufiger mal auszumisten.  © 123rf/andreypopov

Sparen könne man auch beim Kühl- und Gefrierschrank. Hier lautet das Zauberwort: "ausmisten". "Vorratshaltung prüfen. Zweitgeräte leeren und abschalten, zumindest abtauen. Gerade im Sommer bilden sich häufig Eispanzer, wodurch das Gerät viel mehr Strom verbraucht." Außerdem reichen für Kühlschränke 7 Grad, für Gefriergeräte -18 Grad.

Ein steigender Stromverbrauch sei zudem beim digitalen Medienkonsum zu verzeichnen. "Diesen zu hinterfragen und einzuschränken ist die wahrscheinlich größte Herausforderung. Fernseher, Laptop, Spielkonsole oder hochgerüsteter Gamer-PC lassen zu Ferienbeginn wahrscheinlich in vielen Haushalten die Stromzähler rasen", so Körber. "Es hilft schon, wenn man sich auf eins konzentriert und nicht parallel auf allen Geräten Videos oder Spiele laufen."

Außerdem: "Wer mal gründlich das Handy aufräumt, nicht genutzte Apps löscht oder einfach mal nicht erreichbar ist, muss es auch nicht täglich laden."

Diese Anschaffungen machen Sinn

Auch beim Duschen geht Energiesparen: Einfach mal zwischendurch auf die Uhr schauen oder das Wasser immer mal wieder abstellen.
Auch beim Duschen geht Energiesparen: Einfach mal zwischendurch auf die Uhr schauen oder das Wasser immer mal wieder abstellen.  © 123Rf/lightpoet

Großes Sparpotenzial bietet auch das Thema Wasser. "Egal, ob die Warmwasserbereitung elektrisch oder über die Zentralheizung erfolgt, es kostet immer Energie und zudem Geld für Wasser und Abwasser." Sie rät, für die Dusche einen Sparbrausekopf zu besorgen. "Aber der kostet auch erstmal. Besser ist ein Blick auf die Uhr und das Wasser zwischendurch abzustellen."

Heizkosten senken Schon jetzt im Sommer kann man vorsorgen."Das geht aber leider nicht ganz ohne Investition", warnt Ulrike Körber. "Defekte oder schwergängige Heizkörperthermostate sollten getauscht oder gangbar gemacht werden."

Sinnvolle Anschaffungen wären zudem:

  • Thermometer oder Hygro-Thermometer, um das Raumklima im Blick zu behalten.
  • Heizkörper-Reflexionsmatten, die hinter dem Heizkörper angebracht den Wärmeverlust durch die Wand reduzieren.
  • Schwere Vorhänge oder Zugluftstopper, falls es durch die Eingangstür zieht.
  • Isolierfolie für Fenster, die im Winter über den Rahmen gespannt ein zusätzlich dämmendes Luftpolster schaffen.

Von Elektro-Heizgeräten rät sie dringend ab: "Es macht zwar etwas unabhängiger vom Gas, wird aber durch den hohen Strompreis schnell zur Kostenfalle."

Weitere Tipps: www.energiewechsel.de

Nachfrage nach Alternativen steigt

Die Sachsen besinnen sich auf Altbewährtes und heizen wieder häufiger mit Holz.
Die Sachsen besinnen sich auf Altbewährtes und heizen wieder häufiger mit Holz.  © 123rf/gilitukha

Um im Notfall nicht im Kalten zu sitzen, hat zum Beispiel die Stadt Stollberg im Erzgebirge vorsorglich 300.000 Liter Öl gebunkert. Damit können 2000 Haushalte mit Wärme versorgt werden. Bislang ist das aber eher ein Einzelfall im Freistaat.

Deshalb suchen die Sachsen selbst auch nach Alternativen und setzen dabei wieder vermehrt auf Holz. "Ja, seit geraumer Zeit sind sowohl Heizkessel als auch Einzelöfen, welche mit festen Brennstoffen betrieben werden, wieder stärker in den Fokus gerückt", bestätigt Michaela Müller von der Schornsteinfeger-Innung Sachsen.

Das merkt man auch beim Sachsenforst. "Derzeit nimmt Sachsenforst sachsenweit eine steigende Nachfrage nach Brennholz im sächsischen Staatswald wahr", schildert Carolin Werthschütz vom Staatsbetrieb. Ob, wie viel und wo im Staatswald Brennholz erworben werden kann, sollte am besten bei den jeweiligen Revierleitern erfragt werden.

So können entweder Stämme von zwei Metern Länge an Waldwegen abgeholt oder Holz selbst geschnitten werden. Werthschütz: "Hierbei sind aber Kenntnisse im Umgang mit einer Motorkettensäge nachzuweisen". Aktuell koste ein Raummeter (ein Kubikmeter) Laubholz zirka 35 Euro und Nadelholz 25 Euro.

Auch Unternehmen suchen händeringend nach Alternativen zum Gas, fragen auch beim Sachsenforst häufiger Holz für eine thermische Verwertung an. Aber auch bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden trudeln mehr genehmigungsrechtliche Anfragen ein.

"Wenn sich Unternehmen bereits entschieden haben, alternative Energiequellen einzusetzen, und es dann um die Realisierung einschließlich Genehmigung, Zulassung, Inbetriebnahme geht", erklärt Lars Fiehler von der IHK Dresden.

Dabei gehe es den Unternehmen aber vor allem um eine Rückversicherung, um im Notfall zur bisherigen Energieversorgung eine Alternative zur Verfügung zu haben.

Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe,123rf/andreypopov,123rf/lightpoet

Mehr zum Thema Sachsen: