Fachkräftemangel in Sachsen: "Ja, wir brauchen Zuwanderung"

Mittweida - Der Fachkräftemangel in Sachsen wird immer drängender. Am Montag diskutiert Wirtschaftsminister Martin Dulig (48, SPD) auf der Jahrestagung der Fachkräfteallianz mit Auszubildenden die Lage. Als Experte dabei: Innovationsberater Daniel Probst (46) aus Leipzig.

Innovationsberater Daniel Probst (46) stand TAG24 Rede und Antwort.
Innovationsberater Daniel Probst (46) stand TAG24 Rede und Antwort.  © Unternehmensberater Verwegener & Trefflich/PR

In einem Interview mit Redakteur Thomas Staudt gibt er TAG24 seine Antworten zum Thema Fachkräftemangel.

TAG24: Herr Probst, überall in Deutschland fehlt Personal. Für Sie bedeutet Fachkräftemangel aber noch etwas anderes. Was?

Daniel Probst: "Wir brauchen Zuwanderung, ja. Fakt ist aber auch: Die Unternehmen sind voll innerlich gekündigter, frustrierter Menschen. Ein riesiges Potenzial an Arbeitskraft, das verschwendet ist."

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TAG24: Warum sind so viele Menschen mit ihrem Job unzufrieden?

Daniel Probst: "Schule, Ausbildung und Beruf erziehen uns dazu, Dinge zu tun, die wir nicht wollen. Dafür gibt es Noten oder später Geld. Wer wir wirklich sind, was wir gut können und gerne tun wollen, verkümmert auf diesem Weg."

TAG24: Sie haben selbst drei Kinder. Was raten Sie denen?

Daniel Probst: "Probiert Dinge aus, die ihr mögt! Bleibt dran, auch wenn es anstrengt. Und traut euch, euch immer wieder neu zu entscheiden."

Unternehmen können im Bereich Motivation noch viel tun

TAG24: Haben die Jungen heute wirklich andere Erwartungen ans (Berufs-)Leben als wir früher?

Daniel Probst: "Ich denke, wir Älteren sind darauf programmiert, die eigenen Bedürfnisse einem Ziel zu opfern. Junge Menschen sind zum Glück bereit, früher die Reißleine zu ziehen."

TAG24: Wie finden Unternehmen passende Mitarbeiter?

Daniel Probst: "Entscheider schauen zu sehr auf formale Qualifikationen anstatt auf Persönlichkeit und Motivation. Wir lernen am schnellsten, wenn wir wirklich Lust auf eine Sache haben. Da können Unternehmen noch viel tun: Jobrotation, Mentoring, Weiterbildung, Coaching. Unternehmen sollten mehr in die Personalentwicklung investieren und das Potenzial der heute frustrierten Mitarbeiter nutzen."

TAG24: Vielen Dank Daniel Probst für das Interview!

Titelfoto: Unternehmensberater Verwegener & Trefflich/PR

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